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Pause in der Übernahmeschlacht: 

Yahoos Absturz wird Microsofts Gewinn

05. Mai 2008 13:50
Yahoo-Zentrale in Sunnyvale
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Ein Rückzug, aber noch kein Ende der Geschichte: Microsoft-Chef Ballmer hat Yahoo noch nicht aufgegeben, schätzt Matthias Breitinger. Das taktisch kluge Vorgehen könnte Yahoo am Ende doch noch in die Arme der Redmonder treiben.

Zeit ist Geld, sagt der Volksmund – und Zeit könnte Microsoft-Chef Steve Ballmer beim Kampf um Yahoo in die Hände spielen. Kampf um Yahoo? Sie dachten, der wäre nun vorbei? So einfach ist die Sache nicht. Vordergründig hat Ballmer zwar den Rückzug angetreten und in einem Brief an den Gründer und Chef von Yahoo, Jerry Yang, deutlich gemacht: «Ganz klar: Das Geschäft kommt nicht zustande.»

Ganz klar? Es bedeutet zunächst einmal nur, dass Microsoft den Schritt einer feindlichen Übernahme nicht geht. Das kommt zwar etwas überraschend, denn damit hatte der Konzern in den vergangenen Wochen gedroht. Doch taktisch klüger ist Ballmers jetziges Vorgehen: Es steht zu erwarten, dass damit die Tür noch lange nicht zugeschlagen ist, sie ist vielmehr nur angelehnt.

Yang droht Wut der Aktionäre

Schließlich rückt der MS-Chef vom Vorhaben selbst nicht ab: Microsoft glaube weiter, dass die Übernahme für beide Unternehmen sowie den gesamten Markt sinnvoll gewesen wäre, schreibt Ballmer an Yang. Für Microsoft ergibt der Yahoo-Kauf nach wie vor Sinn – der Konzern hat den Internetboom schlicht verschlafen und versucht nun mühsam, an Boden zu gewinnen. Mit einer Übernahme von Yahoo wäre das auf einen Schlag gelungen.

Stattdessen müsste Microsoft nun wieder im Alleingang das Online-Geschäft ausbauen, entweder durch eigene Entwicklungen oder durch kleinere Zukäufe, etwa von Web-2.0-Diensten wie Twitter oder Digg. Doch im Grunde kann sich Ballmer vorläufig zurücklehnen und in Ruhe nach Sunnyvale, dem Firmensitz von Yahoo, schauen. Dort dürfte sein Pendant Yang in den kommenden Tagen erst einmal gegrillt werden, von wütenden Aktionären, die sich schon auf den satten Aufschlag auf den aktuellen Aktienkurs gefreut hatten. Stattdessen steht ihnen erst mal ein kräftiger Kursrutsch ins Haus.

Die Yahoo-Aktie war im Zuge des Übernahmekampfs in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen, am Montagvormittag fielen Yahoo im Frankfurter Handel um fast 20 Prozent. Am Freitagabend standen die Papiere bei 28,67 Dollar, auch an der US-Technologiebörse Nasdaq droht der Abrutsch auf 20 Dollar. Zum Vergleich: Microsoft bot zuletzt 33 Dollar, Yang wollte dagegen sogar 37 Dollar je Aktie.

Google längst über alle Berge

Damit wächst bei Yahoo jetzt der Druck für den obersten Manager: Er muss seinen Aktionären nun beweisen, dass er die MS-Offerte zu recht abgelehnt hat. Sprich: Er muss den Beleg liefern, das Unternehmen aus eigener Kraft auf den Börsenwert von 33 Dollar je Aktie zu hieven. Nur wie, fragen sich viele Anteilseigner – eine klare Strategie ist nicht erkennbar. Dass bei der Suchmaschinenwerbung Yahoo ausgerechnet auf eine Partnerschaft mit dem ärgsten Rivalen Google abzielt, ist weniger ein Vorteil für Yahoo als für Google.

Steve Ballmer
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Was den Yahoo-Chef unter Druck setzt, kommt Steve Ballmer entgegen. Das Kaufobjekt wird wieder günstiger, und sollte Yang nicht in Kürze ein vernünftiges Alternativkonzept aus der Tasche ziehen, könnte Ballmer bald einen zweiten Anlauf unternehmen, womöglich mit ausdrücklicher Billigung der Yahoo-Aktionäre.

Sicher: Auch der MS-Chef muss sich einen Plan B überlegen, um im Internet voranzukommen. Doch etwas Zeit, auf Yahoo zu warten, bleibt ihm. Der mit weitem Abstand führende Anbieter Google ist auf die Schnelle sowieso nicht einzuholen. Microsofts Internet-Präsenz – sei es die Suche «Live Search» oder der Onlinedienst MSN – ist schon lange schwach, auf ein paar Wochen oder Monate kommt es da auch nicht mehr an.

 
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