Liberalisierter Energiemarkt: Stromwechsler brauchen oft wochenlang Geduld28. Apr 2008 16:41  |  Nicht immer klappt der Wechsel des Stromanbieters reibungslos. | Foto: dpa |
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Das Wechseln des Stromanbieters soll ganz einfach sein und schnell gehen. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Wen die Schuld fürs lange Warten trifft, ist aber nicht so leicht zu sagen, wie Matthias Breitinger feststellte.
«Unseriöses Unternehmen», «ein absoluter Sauladen», «totales Chaos»: In Internetforen machen vieler User ihrem Ärger beim Wechsel des Stromanbieters Luft. Beklagt wird vor allem, dass sich Anbieter nach der Anmeldung wochenlang nicht melden. Andere Fälle drehen sich darum, dass der neue Versorger die Kündigung beim alten schlicht vergessen hat – mit der Folge, dass man erst Monate später beim bisherigen Versorger raus kommt und solange noch den höheren und zwischenzeitlich womöglich sogar angehobenen Preis zahlen muss.
Ein Blick ins Forum von Strom-Magazin.de genügt: Ein Großteil der Einträge dreht sich um Teldafax, ein Troisdorfer Unternehmen, das seit Februar 2007 über die Sparte Teldafax Energy GmbH bundesweit Stromversorgung anbietet. Neukunden stöhnen im Forum vor allem über lange Bearbeitungszeiten und großes Schweigen. Anmeldeformulare oder Mails würden nicht beantwortet, auch telefonisch sei Teldafax schwer zu erreichen.Das Unternehmen gesteht Probleme beim Wechselprozess ein und gelobt Besserung. Höchste Priorität habe die «Verbesserung der Servicequalität», erklärte Teldafax. Das Unternehmen war offenbar mit dem Ansturm überfordert: In den ersten zwölf Monaten erwartete man 64.000 Stromkunden, tatsächlich meldeten sich aber 400.000. Was Teldafax als Erfolg feiert, hat offensichtlich Schattenseiten, die Abarbeitung der vielen Aufträge hakt. Als Reaktion darauf stockte das Unternehmen vor allem beim Service und der Auftragsbearbeitung auf. Doch zugleich betont Teldafax-Sprecher Thomas Müller, dass 86 Prozent aller Wechsel zu seinem Unternehmen problemlos abliefen. Dass die Wut wartender Neukunden insbesondere bei Teldafax groß ist, liegt vor allem an einem: dem Vorschuss. Sonderabschlag nennt das das Unternehmen, der Preis pro Kilowattstunde variiert mit der Höhe der Vorauszahlung. Da nimmt es nicht wunder, dass Betroffene sauer werden, wenn der Abschlag längst abgebucht ist, der Strom vom neuen Anbieter aber immer noch nicht fließt. Andere Forumsuser beklagen, dass sie angesichts der Warterei vom Vertrag zurückgetreten seien, aber noch auf die Rückbuchung der Vorauszahlung warteten.
Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berichtet über zahlreiche Beschwerden über Teldafax. Das Unternehmen gibt indes vor allem dem Altanbieter die Schuld, wenn der Wechsel nicht reibungslos verläuft. Der Eindruck, dass Teldafax für die Probleme verantwortlich ist, trüge in den meisten Fällen, sagte Firmenchef Klaus Bath. Laut Teldafax ergeben sich die Probleme oft daraus, dass Kundendaten nicht mit denen des Altanbieters oder Netzbetreibers übereinstimmten oder dass Altanbieter oder Netzbetreiber nicht oder verspätet antworteten.Das wäre dann aber ein Fall für die Bundesnetzagentur, die die Wechselprozesse überwacht. «Wir können dann tätig werden, wenn das Alternativ-Unternehmen eine konkrete Beschwerde bei uns einreicht», sagte Netzagentur-Sprecher Rudolf Boll der Netzeitung. Solche Beschwerden lägen der Behörde vor, sie würden nun geprüft. Namen von Beschwerdeführern wollte Boll nicht nennen. Teldafax-Sprecher Müller sagte allerdings, sein Unternehmen habe sich wegen der Verzögerungen an die Netzagentur gewandt. Dass Kunden teilweise länger als die erwarteten sechs bis acht Wochen auf den Wechsel warten, weiß auch die Netzagentur. Doch die gesetzlich definierten Fristen liefen erst dann los, wenn der Datenaustausch stattgefunden hat, und daran hapere es eben manchmal, etwa wenn fehlerhafte Angaben an den neuen Anbieter übermittelt würden. In einigen Fällen hätten wohl die Wechselwilligen falsche Angaben gemacht, meint Boll. Hinzu kommen EDV-Probleme: Wegen Software-Engpässen könnten noch nicht alle Unternehmen die von der Behörde vorgegebenen einheitlichen Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Strom umsetzen, berichtete Boll. Mutwillige Verzögerungen habe man bisher aber nicht feststellen können.
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Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hält heftige Kritik an den Anbietern für übertrieben. «Bei der großen Mehrheit der Wechselwilligen funktioniert es tadellos», sagte VZBV-Fachmann Thorsten Kasper der Netzeitung. Nur wenige neue Anbieter hätten offenbar die Prozesse noch nicht ganz im Griff. Der Bundesverband Neuer Energieanbieter (BNE) schätzt hingegen, dass gerade einmal jeder zweite Wechsel nach Plan verläuft.Bei manchen verzögert sich die Sache teilweise bis zu einem halben Jahr. Wenn Probleme auftreten, sind sie dem VZBV-Experten zufolge vielschichtig: Sicherlich gebe es Altanbieter, die ihre Kunden nur ungern verlören. Außerdem habe es zum Jahreswechsel angesichts angekündigter Tariferhöhungen einen «Wechsel-Hype» gegeben, der Verzögerungen mit sich gebracht habe, so Kasper. Doch oft liege der Fehler auch beim Kunden – der übersehe womöglich, dass er bei seinem derzeitigen Anbieter einen Sondertarif genießt, der aber mit einer langen Kündigungsfrist einhergeht. Dann ist es eben nichts mit dem schnellen Wechsel.
Und wenn aus den sechs Wochen doch Monate werden? Dann sollte der Betroffene auf jeden Fall beim neuen Anbieter nachfragen, rät Kasper. Denn beim Stromwechsel tritt der Kunde üblicherweise alle Aufgaben an den neuen Versorger ab – der kündigt dann den Vertrag beim alten Anbieter und meldet seinen Kunden beim Netzbetreiber an. Der alte Anbieter muss dort dann den Kunden nur noch abmelden. Wurden keine Kündigungsfristen übersehen oder dergleichen, empfiehlt Kasper bei langen Verzögerungen, der Bundesnetzagentur den Fall zu schildern.Ansonsten rät Kasper ohnehin, Angebote mit Vorauszahlung oder Kaution auszuschlagen. Das Geld wäre im Fall einer Pleite des Anbieters verloren. «Der Kunde sollte nicht nur auf den Preis achten, sondern sich die Geschäftsbedingungen genau durchlesen», meint der VZBV-Experte. «Die Laufzeiten sollten möglichst kurz sein, ebenso die Kündigungsfristen.» Verträge mit mehr als einem Jahr Laufzeit sollten es nicht sein, bei der Kündigungsfrist ist ein Monat üblich. Ein weiterer Tipp von Kasper: Finger weg von Kontingenten – also von Verträgen, bei denen ein Haushalt festgelegte Strommengen abkauft. Dass der Anbieterwechsel durchaus reibungslos geht, zeigt ein erneuter Blick ins Forum von Strom-Magazin.de: Selbst wenn dort die Zahl der Klagenden überwiegt – vermutlich treibt es die Zufriedenen kaum in solche Foren – gibt es auch Kunden, die ihren problemlosen Übertritt schildern. So wie User carlosjonas, der zu Teldafax ging und das Fazit zieht: «Also kann ich aus meiner Erfahrung nur ausdrücklich feststellen, dass der Verlauf des Stromanbieter-Wechsels bei mir völlig normal und ohne jeden Anlass zu irgendeiner Beanstandung verlaufen ist.»
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