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Bei Wahl von Ökostrom-Anbietern helfen Labels

08. Jan 2008 09:17
Wasserkraftwerk
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Ökostrom-Bezieher sind verunsichert: Stammt ihr Strom womöglich aus Atomkraftwerken und wurde nur neu deklariert? Matthias Breitinger hat Experten gefragt, wie man Ökostrom als solchen erkennen kann.

Aufgeschreckt durch einen Bericht im «Spiegel» fragen sich Ökostrom-Bezieher, ob ihr Strom aus der Steckdose tatsächlich sauber produziert oder schlicht umetikettiert wurde. Möglich macht das das so genannte «Renewable Energy Certificate System» (RECS), wie das Magazin in seiner jüngsten Ausgabe berichtete. Demnach können Stromversorger an der Börse beispielsweise Atomstrom kaufen und diesen dann mit einem Öko-Zertifikat eines norwegischen Wasserkraftwerks veredeln.

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Dessen Betreiber muss die entsprechende Menge seines Ökostroms in konventionellen umetikettieren – im Gegenzug darf der deutsche Versorger seinen so genannten Graustrom als Ökostrom verkaufen. Kritiker halten das für «Betrug am Verbraucher». Dieser meine, für sein Geld werde in neue Windräder oder Solaranlagen investiert, doch tatsächlich lande das Geld größtenteils beim Atom- oder Kohlekraftwerksbetreiber.

Reine Ökostrom-Anbieter am besten

Thorsten Kasper, Energieexperte vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), spricht von einem «reinen Verschiebebahnhof». «Damit wird keine einzige Kilowattstunde mehr an Ökostrom produziert», kritisierte Kasper im Gespräch mit Netzeitung.de. Allerdings warnen Fachleute davor, alle Ökostromanbieter über einen Kamm zu scheren. Es gebe durchaus Unternehmen, die sich am RECS-Zertifikatehandel nicht beteiligten.

Doch wie kann der Verbraucher erkennen, ob der Ökostrom, den er bezieht, wirklich Ökostrom ist? «Auf der sicheren Seite bin ich als Verbraucher, wenn ich einen Anbieter wähle, der nur Ökostrom im Portfolio hat», rät Thomas Müller von der Stiftung Warentest. Ansonsten könne der Kunde letztlich nicht nachprüfen, wie sauber der Strom aus der Steckdose wirklich erzeugt wurde. «Er muss dem Anbieter glauben.»

Nach Umweltnutzen fragen

Stichwort: Renewable Energy Certificate System
RECS gibt es seit 2002 in 15 europäischen Ländern. Produzenten von Strom aus Erneuerbaren Energien erhalten pro Megawattstunde ein Zertifikat, das sie an Energiehändler weiterverkaufen können. Ein RECS-Zertifikat stellt damit einen virtuellen Umweltvorteil dar, der mit dem Erwerb des Zertifikats auf eine entsprechende Menge Strom übertragen werden darf - auch wenn diese aus Atom- oder Kohlekraftwerken stammt.
Allerdings rät Müller dazu, bei dem Stromanbieter nachzufragen, wie der Strom gewonnen wird und ob auch RECS-Zertifikate gekauft werden. Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes empfiehlt, zudem nachzufragen, welcher konkrete zusätzliche Umweltnutzen entstehe. Als wichtiges Kriterium für echten Ökostrom gilt die Verpflichtung der Anbieter, in den Neubau umweltfreundlicher Kraftwerke zu investieren.

Orientieren kann sich der Stromkunde aber auch an einer Reihe von Labels, die bestätigen, dass der Strom wirklich den Namen Öko verdient. «Da gibt es zum Beispiel das 'ok-Power-Label', das von dem Verein EnergieVision e.V. vergeben wird», führt Müller aus. Hinter EnergieVision stecken die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland und das Öko-Institut. Das Label garantiert, dass mindestens ein Drittel des Stroms aus Erneuerbaren Energien und aus Anlagen stammt, die nicht älter als sechs Jahre sind. Damit soll ein Anreiz zum Neubau von Ökostrom-Erzeugungsanlagen geschaffen werden.

Anforderungen der Labels unterscheiden sich

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Als weitere Öko-Etiketten nennen Müller und Kasper das «Grüne Strom Label», das unter anderem von BUND, Nabu und der gemeinnützigen europäischen Vereinigung Eurosolar vergeben wird, sowie verschiedene Labels von TÜV-Gesellschaften. «Allerdings unterscheiden sich die Auflagen, die bei der Vergabe der einzelnen Labels maßgeblich sind», fügt VZBV-Experte Kasper hinzu.

Er rät Verbrauchern deshalb, sich bei der Wahl eines Anbieters zunächst die Kriterien der Labels anzuschauen, sich für das persönlich überzeugendste Label zu entscheiden und dann entsprechend einen Anbieter mit diesem Label zu suchen. Grundsätzlich begrüßt Kasper aber die Diskussion, die mit dem «Spiegel»-Artikel jetzt angestoßen wurde. «Wir sind froh, wenn eine Debatte darüber entsteht, was Ökostrom überhaupt ist. Derzeit ist dieser Begriff nicht verbindlich definiert und geschützt.»

 
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