netzeitung.deHausbau ohne eigenes Geld

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Man muss nicht im Lotto gewinnen. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Man muss nicht im Lotto gewinnen.
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Wer nicht über genügend Eigenkapital verfügt, kann sich dennoch den Traum vom Haus erfüllen. Eine kostengünstigere Alternative zur Vollfinanzierung durch eine Bank ist, den Arbeitgeber um ein Darlehen zu bitten.

Ein Lottogewinn würde dabei helfen - aber das eigene Haus bezahlen die meisten nicht in bar. Ohne Kredit kommt bei der Baufinanzierung daher kaum jemand aus. Die Zinsen sind nach wie vor günstig. Allerdings verlangen die meisten Banken von ihren Kunden ein Eigenkapital in Höhe von 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten. Wer dieses Geld nicht gespart hat und sich dennoch den Traum vom Eigenheim erfüllen möchte, hat mehrere Möglichkeiten.Allerdings sind diese auch mit Risiken verbunden.

Ein Weg, ohne Eigenkapital ins eigene Haus zu gelangen, ist die sogenannte 100-Prozent-Finanzierung. Viele Experten auf Verbraucherseite warnen allerdings grundsätzlich vor diesen Bankangeboten. Denn ein Risiko berge die sogenannte Vollfinanzierung zum Beispiel dann, wenn das Haus - etwa wegen eines Jobwechsels - wieder verkauft werden muss. Dann bekommt man möglicherweise nicht genug Geld zurück, um den Kredit zurückzuzahlen, sagt Corinna Merzyn, Geschäftsführerin des Verbandes Privater Bauherren (VPB) in Berlin: «Eine solche Finanzierung kommt daher eigentlich nur für Menschen mit einem sehr sicheren Job in Frage - zum Beispiel für Beamte.»

Außerdem sollte sich die familiäre Situation nicht ändern - und es sollte sicher sein, dass man in dem Haus wohnen bleibt. Vollfinanzierungen erkaufen sich Bauherren laut Stiftung Warentest in Berlin zudem mit deutlich höheren Zinssätzen als im Fall herkömmlicher Immobilienfinanzierungen.

Nüchternes kalkulieren
Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen, empfiehlt die Vollfinanzierung daher nur für Menschen mit einem guten und sehr sicheren Einkommen: «Entscheidend ist, dass man die hohe monatliche Belastung schultern kann.» Dabei sollte der Bauherr genau ausrechnen, ob die persönlichen Einnahmen ausreichen, um die Kreditraten zu tragen: «Niemand sollte sich dabei auf die Berechnungen der Banken verlassen.»

Nüchternes Kalkulieren ist gefordert. Das gilt auch für handwerkliche Eigenleistungen, die Bauherren in den Hausbau einbringen. Denn durch sie können handwerklich Begabte zumindest einen Teil des Eigenkapitals aufbringen. Nach Berechnungen des VPB kann ein Häuslebauer bei einem Reihenhaus mit Baukosten von 250.000 Euro bis zu 18.000 Euro durch Eigenleistungen sparen. Dabei sollte man seine Fähigkeiten nicht überschätzen: Vor allem einfache Tätigkeiten wie das Anlegen des Gartens, das Tapezieren oder Verlegen von Bodenbelägen eignen sich fürs Selbermachen.

Der zeitliche Aufwand kann allerdings beträchtlich sein. Allein für das Tapezieren fallen nach VPB-Berechnungen 125 bis 190 Stunden an. «Und Bauherren müssen sich darüber klar sein, dass diese Zeit nicht irgendwann nötig ist, sondern zu einem bestimmten Zeitpunkt», sagt Baufinanzberater Peter Breitfeld aus Berlin. Das muss sich mit dem Beruf unter einen Hut bringen lassen. «Und die Freunde, die einem vor Monaten auf die Schulter geklopft haben, müssen auch Zeit haben, wenn es ernst wird.»

Finanzspritze vom Chef oder Verwandten
In einigen Fällen ist es möglich, dass der Chef mit einem Darlehen einn Zuschuss zum Hausbau gibt. «Man sollte sich aber gut überlegen, ob man sich derart langfristig an den Arbeitgeber binden möchte», sagt Merzyn. Zudem gibt man dem Chef so einen Einblick in sein Privatleben. «Das muss man sich gut überlegen.» Arbeitgeber-Kredite haben laut Arno Gottschalk oft einen geringen Zinssatz, bisweilen seien sie sogar zinsfrei. Der niedrige Preis sei aber oft verbunden mit einer verhältnismäßig kurzen Laufzeit von fünf Jahren. Dadurch steigt für den Kreditnehmer die Tilgungsrate.

Bei einem zinsfreien Kredit von 10.000 Euro etwa liege die monatliche Rate bei 167 Euro. Bei einer zehnjährigen Laufzeit und einer anfänglichen Tilgung von einem Prozent beträgt die monatliche Belastung dagegen nur etwa 50 Euro. «Man muss sich gut überlegen, ob man die Rate zusätzlich zum normalen Kredit aufbringen kann.» Denn der ist darüber hinaus schließlich auch notwendig. «Die monatliche Belastung ist die Achillessehne der Baufinanzierung.»

Finanzielles Polster angeraten
Neben dem Arbeitgeber kommen für Bauherren auch Geldgeber aus dem privaten Umfeld in Frage. Denn oft sind Verwandte bereit, bauwilligen Angehörigen unter die Arme zu greifen. Auch sie verleihen das Geld meist zu günstigen Konditionen oder zinsfrei. «Man sollte aber genau festlegen, wie die Rückzahlung ablaufen soll und das auch auf jeden Fall schriftlich festhalten», empfiehlt Gottschalk. Andernfalls entsteht im Streit viel böses Blut. Und egal ob das Geld vom Schwiegervater oder vom Chef kommt - beide Seiten sollten sich auf jeden Fall über die steuerlichen Folgen eines solchen Vertrags informieren.

Auf welchem Weg das Geld für einen Hausbau oder -kauf letztlich erbracht wird: Alle Experten raten dazu, unbedingt ein finanzielles Polster anzulegen. Mindestens zwei bis drei Nettolöhne sollten nach Angaben von Peter Breitfeld verfügbar bleiben. Schließlich können auch kurz nach Abschluss des Bauvorhabens unvorhergesehene Ausgaben auf den Bauherren zukommen: «Ein Neubauvorhaben sollte man deshalb ohne finanziellen Rückhalt nicht in Angriff nehmen.» (Sebastian Knoppik, dpa)