Warentest gibt Schulbüchern schlechte Noten
27.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Für den Test wurden 17 Schulbücher aus den Bundesländern Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ausgewertet, die für Gymnasien Sekundarstufe 1 (Klassen sieben bis zehn) zugelassen sind. Im Fach Biologie wurden die Themen Zelle, Fotosynthese und Verdauung exemplarisch ausgewählt und bewertet. Für das Fach Geschichte waren es die Alltagsgeschichte der DDR und die Entwicklung der Europäischen Union.
Ein Elektronenmikroskop vergrößere mehr als 500.000-fach, und nicht wie in einem Buch angegeben nur 20.000-fach. Laut einem Biologiebuch sei der Darm eines Blauwals 56 Mal so lang wie der Körper richtig sei aber, dass er nur vier bis fünf Mal so lang sei, hieß es. In einem Werk wurde die Funktion von Leber und Galle fehlerhaft dargestellt. Auch müssten «Muskelzellen» korrekt «Muskelfasern» heißen. Sie hätten zudem nicht wie angegeben einen, sondern viele Zellkerne.
Im Schnitt fanden die Tester bei den Biologiebüchern auf jeder fünften geprüften Seite einen wichtigen Fehler, wie Chefredakteur Hubertus Primus erklärte. Bei «Biologie heute entdecken 2» und «Netzwerk Biologie 2» seien sogar auf jeder dritten Seite Fehler entdeckt worden. «Kleinere Fehler mitgerechnet, waren beide Bücher aus dem Schroedel Verlag auf jeder geprüften Seite fehlerhaft», sagte Primus.
Auch einige Geschichtsbücher seien wegen ihrer hohen Fehlerquote aufgefallen, monierte Primus und nannte als Beispiele «Geschichte und Geschehen» aus dem Klett Verlag sowie «Zeit für Geschichte» aus dem Schroedel Verlag, die noch ein «ausreichend» geschafft hätten. Ein «mangelhaft» wegen falscher Jahreszahlen und Verkürzungen habe das Buch «Horizonte 4» aus dem Westermann Verlag bekommen.
Neben fachlichen Mängeln kritisierten die Tester auch didaktische Schwächen. Grafiken sei nicht beschriftet, Illustrationen unglücklich gewählt und Inhaltsverzeichnisse zu unübersichtlich gestaltet. Teilweise würden unnötig schwere Texte abgedruckt oder volle Seiten mit kleiner Schrift präsentiert. Ferner würden den Schülern Wertungen manchmal zu stark vorgegeben.
«Insgesamt vermittelten die getesteten Schulbücher einen schwachen Gesamteindruck», fasste Primus das Ergebnis zusammen. Die Fehlerhäufung sei für Schulbücher nicht akzeptabel. Das überzeugendste Biobuch ist laut der Stiftung «Nautilus» vom Bayrischen Schulbuchverlag, das beste Geschichtsbuch «Zeiten und Menschen» vom Schöningh-Verlag.
«Möglicherweise ließe sich die Qualität der Bücher steigern, wenn sich ein einheitlicher Lehrplan durchsetzen ließe», fügte Primus hinzu. Er rief die Kultusminister der Länder auf, dem Vorstoß von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) zu folgen und sich auf einheitliche Schulbücher zu einigen.
Der Klett-Verlag in Stuttgart wollte sich nicht äußern, ohne vorher Einblick in das komplette Gutachten und die Ergebnisse genommen zu haben. Eine Sprecherin des Cornelsen-Verlages in Berlin sagte: «Wir weisen die Annahme der Stiftung Warentest, die hohe Zahl an Regionalausgaben führe zu einer Überlastung der Verlage und deshalb zu Fehlern, zurück.» Die Qualitätsmaßstäbe für Lehrwerke seien sehr hoch. Cornelsen kritisierte die Vorgehensweise der Tester. «Es gibt keine 'richtige' Didaktik beziehungsweise Methodik.» Das Ergebnis sei daher als eine subjektive Bewertung durch die Tester zu sehen.
Der niedersächsische Philologenverband sah das eigentliche Versagen beim Kultusministerium. Schließlich überprüfe das dem Ministerium untergeordnete Niedersächsische Landesamt für Lehrerbildung und Schulentwicklung (NILS), ob ein neues Schulbuch zugelassen wird. Das Ministerium kündigte an, sein Verfahren zu überprüfen. In Nordrhein-Westfalen sorgte der Bericht für eher gelassene Reaktionen. Gut ausgebildete Lehrer würden Fehler bemerken und im Unterricht ansprechen, sagte der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, in Dortmund. Schulbücher seien nicht die einzigen didaktischen Mittel im Unterricht. (nz/dpa/AP/ddp)

