19. Jul 2007 11:25
Wenn Schnecken ein Gemüsebeet entdecken, sind sie nicht mehr zu halten: Sie fressen, was das Zeug hält. Doch gewitzte Gärtner wissen, wie man die schleimige Plage am besten bekämpft.
Wenn vom saftig-grünen Salatbeet nur noch ein löchriges Blatt und Schleimspuren übrig sind, wird der Gärtner zum Mörder. Dann bauen Pflanzenfreunde Fallen, «verminen» ihre Beete mit Schneckenkorn und stellen Hindernisse auf. Diese Methoden können die schleimige Plage jedoch nur einschränken, wenn sie frühzeitig und konsequent angewandt werden. Und die chemischen Wirkstoffe müssen Gärtner mit Bedacht einsetzen. Schäden richten im Garten vor allem die gelblich-braune Ackerschnecke, die dunkelgraue bis schwarze Gartenwegschnecke und die rotbraune Spanische Wegschnecke an - besonders im Gemüsebeet. «Letztere ist am schlimmsten - auch, weil ihre Population in den vergangenen Jahren enorm zugenommen hat», sagt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde in Berlin.
Schäden durch Gehäuseschnecken dagegen sind vergleichsweise gering. «Im Gegenteil: Die sind eher nützlich. Indem sie zum Beispiel faule Blätter abfressen, dämmen sie die Ausbreitung von Bakterien und Viren ein», erklärt Rudolf Kring, pensionierter Landwirt und Fachbuchautor aus Frankenberg (Hessen). Einige Gehäuseschnecken fressen sogar die Eier von Nacktschnecken.
Eine weitere Möglichkeit sei, Lockpflanzen wie Tagetes zwischen das Gemüse zu setzen und dort die Schnecken abzulesen. Doch was tun erfolgreiche Sammler mit den Eimern voller lebender Schleimer? Auch wenn es grausam klingt: «Kurz und schmerzlos werden die Tiere mit der Gartenschere oder dem Spaten zerschnitten oder mit kochendem Wasser übergossen», sagt Thomas Wagner. In Spülmittellaugen oder mit Salz bestreut würden die Tiere unnötig lange leiden.
Weniger aufwendig als das Einsammeln sind Bierfallen - glattwandige Gefäße mit Bier, die in den Boden gegraben werden. Darin ertrinken die betrunkenen Schnecken, häufig allerdings auch Nützlinge wie Laufkäfer oder Bienen. Zudem fällt erfahrungsgemäß nicht jede Schnecke in die Falle. Und außerdem lockt der Biergeruch zusätzliche Schnecken an.
Wirksamer kann daher Schneckenkorn sein. «Die Hersteller verwenden unterschiedliche Wirkstoffe», sagt Alexander Haubensak, Präsident des Verbandes Deutscher Garten-Center in Bonn. Tödlich seien alle - zumindest dann, wenn sie frühzeitig, regelmäßig und breit gestreut werden. Körner mit Eisen-III-Phosphat zum Beispiel bewirken eine Fresshemmung. Die Tiere verkriechen sich dann und verenden. Außerdem schadet dieser Wirkstoff anderen Gartenbewohnern nicht und wird als natürlicher Bestandteil des Bodens von Pflanzen als Nährstoff aufgenommen.
Ein weiterer Wirkstoff, der in den Mitteln zur Anwendung kommt, ist Metaldehyd. Er führt dazu, dass die Tiere ausschleimen. Im Boden wird er zu Essigsäure abgebaut. «Nach der Anwendung sollte eine Wartezeit von zehn Tagen eingehalten werden, bis die Kulturen aus dem betroffenen Beet verzehrt werden», rät Haubensak.
Radikaler räumen Körner mit dem Wirkstoff Methiocarb auf: Das Nervengift kann Wasser- und Bodenorganismen gleichermaßen schaden und ist nicht nur eine Gefahr für die Schnecken. Auch ihre natürlichen Feinde oder Haustiere können leiden. Und sowohl Metaldehyd als auch Methiocarb können in höheren Dosierungen sogar bei Menschen Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Sie dürfen daher nur angewandt werden, wenn Kinder und Haustiere von den bestreuten Flächen fern gehalten werden können.
Unerlässlich ist auch, die Kadaver der zur Strecke gebrachten Schnecken umgehend zu beseitigen. Da Schnecken Kannibalen sind, locken tote Tiere Artgenossen an. Auch deswegen sollten neben der Bekämpfung im Garten ebenso Hindernisse gegen das Einwandern neuer Schädlinge aufgebaut werden. Helfen können Sägemehl, Asche, Sand oder Holzkohle, denn Schnecken meiden trockene Böden. Sie wirken wie eine Wanderschranke, wenn sie ausreichend breit und hoch rund um die Lieblingspflanzen gestreut werden - und solange es nicht regnet.
Wetterunabhängig wirksam sind Schneckenzäune aus Metall oder Kunststoff. Die halbrunden oder winkelig geformten Platten werden lückenlos eingegraben. «Dabei darf kein Grashalm rüber hängen: Er könnte als Brücke dienen», warnt Kring. Zu einem ausgereiften Konzept für den schneckengeplagten Garten gehört zuletzt auch der Schutz von natürlichen Fressfeinden wie Igeln, Spitzmäusen oder Kröten.
«Sie gehen allen heimischen Schnecken an den Kragen», sagt Thomas Wagner. «Nur die Spanische Wegschnecke wird allein von Lauf-Enten verzehrt.» Diese wiederum wollen nicht nur artgerecht gehalten, sondern auch kontrolliert werden. Denn sind die Schnecken verputzt, verschmähen die Enten auch den Salat nicht. ( Von Eva Neumann, dpa)