Kennzeichnung für Essen nur Trick der Hersteller
29.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die Ampel ist ein britisches Modell zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. Dabei bedeutet ein Rot, dass der Nährwert schlecht ist, weil das Lebensmittel beispielsweise zu viele Fette oder Zucker enthält. Grüne und Linkspartei unterstützen dieses Modell der Kennzeichnung.
Tatsächlich habe die Industrie nur Angst um ihre Produktpalette, mutmaßt Foodwatch-Vertreter Wolfschmidt: «Die Hersteller müssten ihre Rezepturen verändern, und ihre Marken würden beschädigt.» Außerdem würde herauskommen, dass angeblich gesunde Lebensmittel wie Cornflakes eigentlich zu den Süßigkeiten zu zählen seien.
Außerdem entspreche die von der Industrie vorgeschlagene Kennzeichnung nicht dem Stand der Diskussion. «Der Charme einer Ampel besteht darin, dass der Verbraucher intuitiv versteht, ob er von einem Lebensmittel die Finger lassen sollte oder nicht», meint Wolfschmidt. Zudem würde er bei jedem Griff in den Lebensmittelschrank zu Hause daran erinnert, was er da gekauft hat.
Die Lebensmittelindustrie hatte wie die Bundesregierung nie ein Hehl daraus gemacht, dass sie das britische Ampel-Modell ablehnt. Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) habe sich von Anfang an die Position der Industrie zu Eigen gemacht: «Von ihm war auch nichts anderes zu erwarten, hat doch das Gezerre um das Verbraucherinformationsgesetz gezeigt, dass ihm die Interessen der Wirtschaft näher stehen als die der Verbraucher.»
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) sieht das ähnlich. «Die Lebensmittel-Lobby versucht die Flucht nach vorne», kritisiert Angelika Michel-Drews, VZBV-Referentin für Ernährung. Die freiwillige Kennzeichnung suggeriere Offenheit und Transparenz, die tatsächlich nicht gegeben sei. «Die Vorschläge der Industrie sind völlig unzureichend: Es hat sich nur ein verschwindend kleiner Teil der Hersteller der Initiative angeschlossen.»
Außerdem orientiere sich die Industrie an Maßstäben, die selbst die VZBV-Expertin nicht nachvollziehen kann. So würde beispielsweise der Verzehr von 90 Gramm Zucker noch als gesundheitlich unbedenklich und mit 200 Kilokalorien umgerechnet. «Das ist völliger Unsinn», sagt Michel-Drews. Die Industrie wolle offenbar Geschäftigkeit vortäuschen, um die von der EU angekündigte einheitliche Kennzeichnung von Lebensmitteln als unnötig zu diffamieren.

