Klimatickets als Ablasshandel kritisiert
22.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die Höhe der freiwilligen Abgabe bemisst sich an den mit dem Flugzeug zurückgelegten Kilometern und den dabei freigesetzten CO2-Emissionen. So werden auf einem Hin- und Rückflug von Berlin nach Mallorca pro Passagier 860 Kilogramm Kohlendioxid abgegeben dabei ist schon berücksichtigt, dass CO2 in einer Flughöhe von gut zehn Kilometern dreimal so intensiv wirkt wie an der Erdoberfläche.
Um den durch den Flug verursachten Umweltschaden wieder wettzumachen, schlägt Atmosfair eine Art Ablass vor: Wer zusätzlich zum Flugticket ein Klimaticket für 19 Euro kauft, kann damit den Klimaschaden zu 100 Prozent kompensieren. Der Fluggast muss natürlich nicht die volle Summe für die Umwelt spenden.
«Es wird von manchen als Entschuldigung oder Ablasshandel betrachtet.» Der eine oder andere werde zwar darüber nachdenken, ob ein bestimmter Flug wirklich sein muss oder es nicht auch mit der Bahn geht. «Andere werden das Geld zahlen, und der durch sie verursachte Schaden wird sie nicht weiter jucken.»
Der Flugverkehr sollte Kemfert zufolge unbedingt in den Emissionshandel einbezogen werden - «damit die Fluggesellschaften den Druck direkt spüren und an die Entwickler weitergeben können». Die Signalwirkung gehe von den Ticketpreisen aus. Dennoch: «Es ist immerhin besser als Nichtstun», meint BUND-Vorstand Zahrnt.
Sehr viel besser und wirksamer wären dem BUND zufolge politische Maßnahmen: «Die Befreiung von der Mineralöl- und Ökosteuer ist skandalös. Außerdem sollte der Flugverkehr in den Emissionshandel einbezogen werden», fordert auch Zahrnt. Ferner müsse der Druck auf die Firmen erhöht werden, energiesparende Flugzeuge herzustellen. «Der Staat muss den Unternehmen Beine machen.» Dass freiwillige Maßnahmen nichts bringen, werde beim CO2-Ausstoß von Autos sichtbar. «Die Hersteller haben sich zwar zu Grenzwerten verpflichtet passiert ist aber nichts.»
Soziale Gründe gegen höhere Ticketpreise ins Feld zu führen, hält BUND-Vorstand Zahrnt für falsch: «Die Preise niedrig zu halten, damit sich auch weniger Reiche einen Badeurlaub in der Karibik leisten können, ist eine verquere Argumentation», findet sie. Tatsächlich sei das soziale Argument «egoistisch und zynisch»: «Der Klimawandel selbst hat nämlich unsoziale Auswirkungen und wird dazu führen, dass Menschen im Süden, die sehr viel ärmer sind und kaum CO2 emittieren, am meisten betroffen sind.»
Gleichwohl bestehe aber die Gefahr, dass Menschen sich sagen «Jetzt erst recht» - und rasch zu den Malediven fliegen, bevor es sie nicht mehr gibt, räumt Zahrnt ein. «Es kommt jetzt darauf an, den Leuten auch zu sagen, dass es noch Chancen gibt, den Klimawandel zu begrenzen, so dass die Erde nicht völlig aus dem Gleichgewicht gerät.»

