Verbot von Glühbirnen nur EU-weit möglich
21. Feb 2007 14:12, ergänzt 14:13
 |  Energiesparlampen | Foto: dpa |
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Um fünf Prozent könnten Haushalte ihre Stromrechnung dank Energiesparlampen senken, schätzt Verbraucherschützer Krawinkel auf Netzeitung.de. Glühbirnen per Gesetz zu verbieten, hält er für eine gute Idee.
Von Matthias BreitingerDer Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat sich für EU-weite Obergrenzen für den Stromverbrauch von Beleuchtungsmitteln ausgesprochen. Ähnlich der Ökodesign-Richtlinie könnte die EU sehr gut auch eine Regelung für Lampen schaffen, die dazu führen könnte, dass stromfressende Glühbirnen vom Markt verschwinden, sagte VZBV-Energieexperte Holger Krawinkel zu Netzeitung.de.
Die EU-Richtlinie für Ökodesign sieht vor, dass Elektrogeräte, die einen bestimmten Verbrauch überschreiten, in der EU nicht mehr verkauft werden dürfen. Derzeit werden für die einzelnen Geräte die Details festgelegt. Eine solche Regelung sei auch Beleuchtung machbar und wünschenswert, sagte Krawinkel. Ein Alleingang Deutschlands nach dem Vorbild Australiens sei hingegen nicht zu machen, da dies gegen EU-Wettbewerbsrecht verstoßen würde.
Sparpotenzial bei 50 Prozent
Die australische Regierung hatte am Dienstag beschlossen, die Verwendung herkömmlicher Glühbirnen zu verbieten, um den Energieverbrauch und den Ausstoß von Treibhausgasen zu drosseln. Stattdessen sollen künftig nur noch Energiesparlampen eingesetzt werden. Umweltschützer kritisierten die Ankündigung aus Canberra als Tropfen auf den heißen Stein. Sie forderten vielmehr die Umstellung auf erneuerbare Energieträger.
Energiesparlampen verbrauchen 80 Prozent weniger Strom als normale Glühbirnen. Allerdings ist das Einsparpotenzial geringer, wie Krawinkel erläuterte. Ein kompletter Austausch der herkömmlichen Leuchten sei nicht möglich – «nicht jede Halogenlampe ist ersetzbar, und bei ihnen ist auch die Einsparung geringer». Der Fachmann taxiert die Spar-Reserven der privaten Haushalte auf 50 Prozent.
Besser als die erste Generation
 |  Holger Krawinkel | Foto: VZBV |
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Damit könnte ein durchschnittlicher Haushalt, der im Jahr 3500 Kilowattstunden Strom verbraucht, etwa fünf Prozent davon einsparen. Damit wäre die Stromrechnung etwa 40 bis 50 Euro jährlich niedriger, rechnete Krawinkel vor. Noch setzen nach Angaben des Bundesumweltamts nicht einmal 20 Prozent der Haushalte Energiesparlampen ein – vermutlich schreckt auch der Kaufpreis, der deutlich über dem von Glühbirnen liegt, ab.Doch die deutlich geringeren Stromkosten machen das mehrfach wieder wett. Außerdem seien die Energiesparlampen in den vergangenen Jahren billiger geworden, sagte Krawinkel. Für die noch geringe Verbreitung hat der VZBV-Experte eine andere Erklärung. «Das sind die Nachwirkungen der Markteinführung. Die erste Generation hatte ein kaltes Licht und sah furchtbar aus – die jetzt erhältlichen Lampen sind wesentlich besser und halten auch länger.» Krawinkel mahnte aber die Hersteller, ein besseres Marketing für die Sparleuchten zu betreiben.
Nichts hält Krawinkel indes davon, herkömmliche Glühbirnen mit einer Sonderabgabe zu belegen, um diese teurer zu machen. «Das ist nicht zielführend», meinte der Fachmann. «Ein solcher Schritt trifft lediglich sozial Schwächere. Zudem bekämen wir wieder eine Steuererhöhungs-Debatte. Der sinnvolle Weg führt über eine gesetzlich verankerte Abschaffung mittels einer EU-Regelung.» Alle Haushalte vom Sinn eines Wechsels auf Energiesparlampen zu überzeugen, dauere einfach viel zu lange. Derzeit werden jährlich rund zwei Milliarden Glühlampen in der EU verkauft.
Top-Runner-Ansatz
Die Große Koalition will bei der EU in Brüssel für alle Elektrogeräte einen so genannten Top-Runner- Ansatz durchsetzen. Dies würde bedeuten, dass das jeweils verbrauchsärmste Modell eines bestimmten Produktes innerhalb weniger Jahre zum verbindlichen Standard für alle anderen Produkte dieser Art würde – und alle Energiefresser somit langsam vom Markt drängt. «Das wäre über kurz oder lang auch das Aus für die konventionelle Glühbirne», sagte SPD-Umweltexperte Ulrich Kelber der «Berliner Zeitung».Der Ersatz der Birnen ist allerdings nicht die einzige Möglichkeit zum Stromsparen. Ein Stromfresser seien auch Heizungspumpen im Keller, so Krawinkel. «Die sind oft überdimensioniert, ein Austausch ist also eine gute Geldeinsparquelle.» Zudem lohne sich ein genauer Blick auf die Energieklassen, weil es bei Kühlgeräten – anders als bei Wasch- und Spülmaschinen – noch große Unterschiede gebe.
Kategorie A nur noch drittklassig
Allerdings: A+ oder A++ muss es schon sein. Denn die Klasse A ist heutzutage nur noch drittklassig – was für die Verbraucher verwirrend sei, sagte Krawinkel. Er fordert, die Kategorisierung dringend zu überarbeiten. Das Umweltbundesamt (UBA) rät außerdem dazu, elektrische Geräte mit einem Vorschaltgerät zu versehen – das verhindert, dass Strom verbraucht wird, falls das Gerät nicht läuft, wie UBA-Präsident Andreas Troge am Dienstag im Netzeitung.de-Interview sagte.
Interview: Gespräch mit UBA-Chef Troge |
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Um Energie zu sparen, genügt zudem ein Handgriff: Fernseher sollten nicht im Stand-by-Betrieb gehalten werden, denn das frisst auf die Dauer viel Strom. «Allein bei Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, bei Geräten mit Standby-Betrieb oder Gegensprechanlagen an Haustüren haben wir Effizienz-Reserven von 4500 Megawatt», sagte Troge. Das sei ein Viertel aller derzeit geplanten neuen Kraftwerkskapazitäten.