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«Unser Leser greift nicht zu Springer-Heften»

14. Okt 2006 08:05
'Test'-Ausgaben
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Der möglichen Konkurrenz vom Springer-Verlag sieht die Stiftung Warentest gelassen entgegen. Der Verlag habe nicht annähernd die Glaubwürdigkeit der Berliner Verbraucherschützer, meint Stiftungs-Chef Brinkmann in der Netzeitung.

Von Markus Scheffler

Stiftung Warentest gibt sich angesichts der geplanten Konkurrenz vom Springer-Verlag gelassen: Sollte die «Bild»-Zeitung tatsächlich ein Magazin mit Testergebnissen und Verbrauchertipps starten, werde dadurch die Position der Berliner Stiftung kaum berührt: «Es ist nicht das erste Mal, dass ein Verlag ein Konkurrenz-Produkt zu 'Test' und 'Finanztest' erwägt», sagte Stiftungs-Vorstand Werner Brinkmann im Gespräch mit der Netzeitung. Die Verlage hätten aber gute Gründe gehabt, die Konkurrenz mit der Stiftung zu scheuen: «Wir sind der Test-Veranstalter in Deutschland mit jahrzehntelanger Erfahrung, der unabhängig ist und in der Bevölkerung einen gewaltigen Vertrauensvorschuss genießt.»

Mehr als 95 Prozent der Bevölkerung würden die Warentester kennen und schätzen. «Das muss erst mal jemand aufholen. Ich behaupte: Das gelingt keinem.» Auch Springer sei sich darüber im Klaren, dass «Bild» in den Augen der Leser nicht die Kompetenz und Glaubwürdigkeit eines Testveranstalters habe. So erscheine seit einigen Wochen in der «Bild am Sonntag» ein Test, bei dem – anders als bei «Test» und «Finanztest» – das Prüfinstitut genannt werde. «So soll das seriöser scheinen», bemängelt Brinkmann.

«Was soll der Leser davon halten?»

Werner Brinkmann
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Außerdem gehe er davon aus, dass eine Test-Zeitschrift von Springer auch Anzeigen enthalten werde wie alle anderen Produkte des Verlags auch. «Das macht ein solches Magazin aber unglaubwürdig, denn es entstünden die typischen Probleme, die sich schon vor 40 Jahren bei 'DM' gezeigt haben: Für Produkte, die gut abgeschnitten haben, wurde in der selben Ausgabe geworben. Was soll der Leser davon halten?», fragte Brinkmann.

Hintergrund ist ein Plan des Springer-Verlags, dem Flaggschiff «Bild»-Zeitung nach dem Vorbild von «Computer-Bild» und «Bild der Frau» eine weitere Zeitschrift anzugliedern. Medien hatten berichtet, in München arbeite bereits ein Team von 120 Redakteuren an der möglicherweise «Test-Bild» genannten Zeitschrift. Erstmals erscheinen sollte das Heft im Herbst oder kommenden Winter – wobei der Springer-Verlag betonte, dass die Entscheidung, ob das Heft tatsächlich erscheinen wird, noch gar nicht gefallen sei.

«Das Internet ist im Kommen»

Für die Stiftung Warentest ist indes eins klar: «Gegen den Namen 'Test-Bild' würden wir vorgehen», bekräftigte Brinkmann. Der Titel «Test» sei markenrechtlich geschützt. Der typische Leser von «Test» und «Finanztest» «greift aber ohnehin nicht zu Springer-Heften». Lediglich im freien Verkauf am Kiosk könnte der ein oder andere Leser zur Konkurrenz wechseln. «Meine Prognose ist insgesamt: Ernsthaft gefährden wird uns Springer nicht.»

Viel bedeutendere Veränderungen würden nicht von anderen Verlagen angestoßen, sondern vom Internet: «Das Internet ist im Kommen, als Vertriebs- und auch als Informationskanal», prognostizierte Brinkmann. So gehe nicht nur jede zweite Bestellung mittlerweile über das Internet ein. Auch der Verkauf von elektronischen Dokumenten wie digitalen Testergebnissen nehme rasant zu.

«Allerdings wird auch in den nächsten Jahren das Schwergewicht bei den gedruckten Publikationen liegen.» Aktuelle Informationen, beispielsweise Schnelltests von laufender Aktionsware bei Discountern, würden zwar verstärkt über das Internet vertrieben. «Dass unsere Inhalte ausschließlich digital erscheinen, sehe ich aber nicht», stellt Stiftungs-Vorstand Brinkmann fest.

Leser wollen mehr Informationen übers Essen

Auch inhaltlich zeichne sich eine Verschiebung ab – verlange doch der Leser vermehrt Informationen rund ums Essen. «Wir beobachten ein deutlich höheres Interesse an Lebensmittelthemen, nicht erst seit den Gammelfleisch-Skandalen, sondern spätestens seit dem BSE-Skandal», beobachtet Brinkmann. «Die Leute wollen wissen: Taugt Bio-Nahrung? Ist das besser als normales Essen?» Die zweite wichtige Frage sei die Altersvorsorge und – bei den älteren Lesern – die nachgelagerte Besteuerung von Renten, die im nächsten Jahr startet. «'Ich muss was tun' – das haben die Leute begriffen. 'Aber was?'», sei vielen nicht klar.

Außerdem werde die Stiftung künftig die Unternehmensverantwortung stärker ins Visier nehmen. «Das fließt zwar nicht in das Testergebnis ein. Wir überlassen es dem Leser, wie weit er bei seiner Kaufentscheidung die Qualität der Unternehmensverantwortung, die Herstellungsbedingungen und die ethisch-ökologischen Prinzipien berücksichtigt.» Das Interesse der Menschen an diesen Themen nehme aber zu.

«Wir werden uns deshalb auch trotz des zunächst heftigen Widerstands des BDI nicht beirren lassen und unsere Aktivitäten in diesem Feld eher ausweiten.» Mittlerweile würden sich auch Unternehmen den Warentestern gegenüber offener zeigen und mehr Informationen zur Verfügung stellen, «weil sie wissen, dass sie mit Unternehmensverantwortung beim Kunden punkten können.»

 
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