05.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Fleischkontrolle
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Verbraucher provoziert mit seinem Wunsch nach Billigware Fleischskandale, meint die Gewerkschaft NGG. Sie empfiehlt dem Verbraucher, notfalls weniger Fleisch zu essen.
Die Verbraucher selbst tragen nach Ansicht der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Mitschuld an den Gammelfleisch-Skandalen. «Wenn ich billig einkaufe, muss ich wissen, dass das zu Lasten der Qualität geht», sagte NGG-Chef Franz-Josef Möllenberg. Er empfiehlt Verbrauchern, notfalls weniger Fleisch zu essen und stattdessen mehr Geld für höhere Qualität auszugeben. Außerdem sollten Verbraucher nach der Herkunft des Fleisches fragen. «Der Schlachter um die Ecke kann es sich nicht leisten, falsche Angaben zu machen», meinte Möllenberg.
Forderungen nach mehr Lebensmittelkontrollen hält er hingegen für irreführend. «Sie können gar nicht so viele Kontrolleure einstellen, wie nötig wären», sagte Möllenberg. «Es gibt eine hohe kriminelle Energie in der Fleischbranche». Sinnvoll sei hingegen ein besserer Informantenschutz für Mitarbeiter, die Auffälligkeiten in ihren Betrieben anzeigen. Die Namen der Mitarbeiter dürften den betreffenden Unternehmen nicht bekannt werden, außerdem müsse es einen 18-monatigen Kündigungsschutz geben.
Bayern zeigt sich kooperativAuch Bayern schließt sich den Forderungen an, das geplante Verbraucher- Informationsgesetz so zu gestalten, dass auch die Namen der Gammelfleisch-Händler bekannt gegeben werden können dies ist heute nicht der Fall. Wichtig seien Berufsverbote, bundesweit höhere Strafen und die namentliche Veröffentlichung von Gammelfleischhändlern, sagte Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU). «Gammelfleischhandel darf sich nicht mehr rechnen. Der Schaden bei den schwarzen Schafen muss höher sein als der mögliche Profit. Das ist der entscheidende Punkt.»
Ein Verbraucherboykott werde die Gammelfleischhändler am härtesten treffen und Nachahmer abschrecken. Außerdem forderte Schnappauf eine Meldepflicht für alle Gaststätten und Imbissbuden, wenn verdächtige Lebensmittel verarbeitet würden. Die EU solle außerdem eine Kodierung verpackter Lebensmittel erwägen, so dass diese besser bis zum Ursprungsort zurückverfolgt werden könnten.
EU zufrieden mit deutschen BehördenSchnappauf lehnte auch bundesweiten Standards für Fleischkontrollen nicht länger ab. Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich beklagt, der Bund habe zu wenige Kompetenzen in der Lebensmittelkontrolle. «Wir sollten gemeinsam an der Lösung der Probleme arbeiten, statt zwischen Bund und Ländern gegenseitige Vorwürfe zu erheben», betonte sein Länderkollege Schnappauf und kündigte an, Bayern werde das Verbraucherinformationsgesetz Ende September im Bundesrat unterstützen.
Die EU zeigte sich unterdessen zufrieden mit der Informationspolitik der deutschen Behörden. Zwar seien Informationen über die jüngsten Gammelfleischfunde erst mit einem Tag Verspätung weitergegeben worden, sagte EU-Verbraucherschutzkommissar Markos Kyprianou am Dienstag. Der Kommission sei aber zugesichert worden, dass Kommunikationsprobleme zwischen Bund und Ländern künftig vermieden würden. Die deutschen Stellen hätten die Daten zu den Verkaufswegen des Gammelfleischs in das für alle EU-Staaten zugängliche Alarmierungssystem eingestellt. (nz)