Brüssel zwingt Airlines zu mehr Transparenz
18.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Flugzeug von Easyjet.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach dem Willen der Europäischen Kommission sollen Fluggesellschaften irreführende Werbung beenden. Verbraucherschützer begrüßten das Vorhaben.
Die EU-Kommission will irreführende Werbung für Flugtickets beenden und die Preise der Airlines besser vergleichbar machen. Nach Ansicht der Behörde werden Kunden in Anzeigen oder auf Internetseiten oft über die tatsächlichen Kosten für die Tickets in die Irre geführt. Die Kommission beschloss am Dienstag in Brüssel, das Fluggesellschaften künftig nur noch mit den Endpreisen werben dürfen, die alle Steuern, Gebühren und sonstige Nebenkosten mit einbeziehen. Das Europäische Parlament und die EU-Staaten im Ministerrat müssen dem Kommissionsvorschlag noch zustimmen, damit die Verordnung in Kraft treten kann.
Lob von VerbraucherschützernVerbraucherschützer begrüßten die Entscheidung. Patrick von Braunmühl, stellvertretender Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband sprach von einer «guten Idee». Seit Jahren habe es Beschwerden gegeben, sagte er der Netzeitung. In letzter Zeit hätten die Klagen über «Lockvogelangebote» noch zugenommen. «Endlich wird Preisklarheit geschaffen», sagte von Braunmühl. Nur Endpreise würden einen guten Vergleich ermöglichen. Allerdings werde es noch ein paar Monate dauern, bis der Beschluss der Kommission umgesetzt werde.
Die Brüsseler Behörde will auch die Praxis mancher Fluggesellschaften verbieten, Passagieren je nach Wohnsitz in der EU unterschiedliche Preise für den gleichen Flug zu berechnen. Von Braunmühl empfiehlt Sparachkundigen, die englischen oder französischen Seiten von Fluggesellschaften aufzurufen und gegebenenfalls dort den gewünschten Flug zu buchen. Zugleich wies der Verbraucherschützer aber darauf hin, dass es technisch möglich sei, ausländischen Besuchern einer Seite die gleichen Preise wie in deren Herkunftsland anzuzeigen.
Kritik an RoaminggebührenDer Europa-Abgeordnete Udo Bullmann (SPD) lobte den Vorschlag der Kommission für mehr Preistransparenz bei Flugtickets. Er verhindere irreführende Lockangebote der Airlines: «Der Preis aus der Werbung stimmt oftmals nicht mit dem Preis überein, der tatsächlich gezahlt werden muss.» Schuld daran seien Zuschläge für Steuern, Flughafengebühren und Treibstoffkosten, die von den Fluggesellschaften erst beim Kauf des Tickets genannt würden: «Mit dieser Augenwischerei ist nun hoffentlich bald Schluss», sagte der Parlamentarier.
Der Kommissionsvorschlag stellt den zweiten verbrauchernahen Vorstoß in kurzer Zeit dar. In der vergangenen Woche hatte die Behörde Maßnahmen gegen die unterschiedlichen Roaminggebühren angekündigt. Sie fallen bei der Durchleitung von Telefongesprächen durch andere Mobilfunknetze an. (nz)