Onlinebewerbungen sind oft mangelhaft
03. Apr 2005 10:20
Einer Umfrage zufolge genügt mehr als die Hälfte aller Online-Bewerbungen nicht den Anforderungen der Unternehmen. Die Netzeitung fasst zusammen, was bei einer guten Online-Bewerbung beachtet werden muss.
Von Markus SchefflerOnline-Bewerbungen sind preiswert und bequem. Es fallen keine Versand- oder Materialkosten an. Und außerdem lassen sie sich praktisch endlos vervielfältigen. Was zunächst ein Vorteil zu sein scheint, führt aber dazu, dass ein Großteil von Onlinebewerbungen nicht den Anforderungen von Personalchefs entsprechen. Mit 55 Prozent haben mehr als die Hälfte der Onlinebewerbungen nicht das Niveau einer schriftlichen Bewerbung. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage von berufsstart.de.
Vor allem der sorglose Umgang mit dem Internet missfällt dabei den Personalchefs. 66 Prozent der Bewerbungen sind laut der Umfrage schlecht formatiert, haben ein zu hohes Datenvolumen, weisen formale oder Rechtschreibfehler auf. Viele Bewerber verzetteln sich auch und schicken unverlangt eine Unmenge an Dateien mit. Mehr noch: Mit 41 Prozent ist sich fast die Hälfte der befragten Bewerber ihrer Fehler auch bewusst.
Anruf genügt
Bei den Online-Bewerbungen werden Formularbewerbungen auf der Firmenwebsite von E-Mail-Bewerbungen unterschieden. Bietet ein Unternehmen ein Bewerbungsformular an, sollte dieses auch genutzt werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, ruft kurz in der Personalstelle an, um zu verhindern, dass die Bewerbung ungeöffnet in einem toten Posteingang landet. Bevorzugt der Bewerber eine individuelle Online- oder eine schriftliche Bewerbung, sollte das zumindest abgesprochen werden.Wer sich online bewerben möchte und dabei nicht auf ein Internetformular des betreffenden Unternehmens zurückgreifen kann, sollte im Vorfeld den zuständigen Ansprechpartner und dessen E-Mail-Adresse in Erfahrung bringen. Dafür genügt ein Anruf. Bei der Gelegenheit kann auch erfragt werden, ob eine Online-Bewerbung überhaupt erwünscht ist.
Keine Massenbewerbungen
Grundsätzlich nicht erlaubt ist der Massenversand von E-Mail-Bewerbungen. Schon bei herkömmlichen Bewerbungen merkt ein geübter Leser, ob er eine individuelle Bewerbung in den Händen hält. Der massenhafte Versand führt nur dazu, dass die Mail wie Spam sofort gelöscht wird.Auf keinen Fall sollten Bewerber ihre Unterlagen an eine Sammeladresse schicken, von der nicht klar ist, wer die eingehenden Mails liest. Außerdem sollten dafür nur private Adressen verwandt werden. Bewerbungstrainer raten auch dringend davon ab, für Bewerbungen Absenderadressen zu verwenden, die Kosenamen enthalten.
Bewerbung muss fehlerfrei sein
Aus dem Betreff einer Online-Bewerbung sollte hervorgehen, dass es sich um eine Bewerbung handelt und auf welche Stelle oder Position sie sich bezieht. Ist eine Kennziffer für eine ausgeschriebene Stelle bekannt, sollte sie im Betreff notiert werden. Der Mailtext sollte zudem eine Kontaktadresse enthalten, über welche der Bewerber erreichbar ist.Eine Online-Bewerbung ist eine Visitenkarte und vermittelt dem Gegenüber den ersten und gerade aufgrund der mediumbedingten Anonymität entscheidenden Eindruck. Die Bewerbung sollte deshalb wie eine schriftliche Bewerbung die deutsche Rechtschreibung beachten und in einem höflichen Ton verfasst sein. Die Sätze sollten prägnant und kurz formuliert werden. Die in Mails verbreitete Kleinschreibung von Substantiven ist nicht erlaubt. Auch ein vertrauter oder flapsiger Ton ist nicht zulässig. Smilies, billige Animationen oder so genannte Emoticons verbieten sich ebenfalls.
Attachments nur auf Wunsch
Bewerber sollten auf die Vollständigkeit der Bewerbung achten. Auch eine Online-Bewerbung besteht aus einem Anschreiben und einem Lebenslauf. Bewerber sollten darüber hinaus prüfen, welche Dokumente erforderlich sind. Manche E-Mail-Bewerbung landet automatisch im Papierkorb, weil die mitgelieferten Dokumente Viren enthalten könnten. Ob die beworbene Firma gescannte Zeugnisse wünscht, sollte ebenfalls vorher in Erfahrung gebracht werden.Lässt sich ein unübliches Dokumentenformat vom Empfänger nicht öffnen, war die Bewerbung umsonst. Dass der Angeschriebene seinerseits um die erneute Zusendung der Unterlagen bittet, dürfte kaum vorkommen. Attachments sollten deshalb grundsätzlich nur in den üblichen Formaten wie .doc, .pdf, .txt oder .rtf versandt werden. Ein Bewerbungsbild kann als Grafik in den Lebenslauf eingebunden werden. Generell sollten die Dokumente so gestaltet sein, dass sie druckfähig sind. Die meisten Online-Bewerbungen werden ohnehin ausgedruckt und wie eine herkömmliche Bewerbung ausgewertet. Außerdem sollten die angehängten Dokumente von einer tadellosen Qualität sein. Auch Scans von angehängten Dokumenten müssen einwandfrei sein.
Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, auf einer privaten Website Bewerbungsseiten einzurichten, auf die das beworbene Unternehmen zugreifen kann. Die Firma bekommt dann nur eine Kurzbewerbung mit dem Link auf die Bewerbungsseite im Internet. Die Seite darf auch per Kennwort geschützt werden.
Bewerbungswebsite eher unüblich
Von dieser Variante raten einige Experten allerdings ab. Ein Personalchef macht sich selten die Mühe, sich die Unterlagen selbst im Internet zu besorgen: Solange sich vergleichbare oder bessere Bewerbungen direkt auf dem Tisch oder im Posteingang befinden - und das ist fast immer der Fall - haben diese den Vorrang. Gleichwohl: Gerade Agenturen oder Multimediafirmen finden häufig Gefallen an gut gemachten Bewerbungswebsites. Auch für Bewerbungswebsites gilt, dass sie keine Urlaubsfotos enthalten dürfen. Außerdem muss sie in einem der Bewerbung angemessenen Ton geschrieben sein.