Herzpatienten sollten kein Celebrex nehmen
20.12.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Pharmaexperten forderten Pfizer auf, das Medikament nicht mehr zu verkaufen. «Celebrex muss vom Markt», sagte der Mitherausgeber des Informationsdienstes «Arznei-Telegramm», Wolfgang Becker-Brüser, dem «Tagesspiegel», wie die Zeitung vorab berichtete. Im Prinzip gelte dies für die gesamte Klasse der so genannten Cox-2-Hemmern. Dazu zählt der Celebrex-Wirkstoff Celecoxib ebenso wie Rofecoxib, auf dem das Rheumamittel Vioxx des US-Konzerns Merck & Co. basiert und das Ende September weltweit vom Markt genommen wurde.
Die beiden Wirkstoffe gelten als moderne und magenverträgliche Alternativen zu anderen Wirkstoffen gegen Rheuma- und andere Schmerzen. Derzeit führe die Europäische Arzneimittelagentur EMEA in London ein Risikobewertungsverfahren durch, in dem die Risiken von Cox-2-Hemmern neu bewertet würden.
Nachdem erste Sammelklagen eingereicht worden waren, kündigte der Konzern am Wochenende an, zwar nicht mehr für Celebrex zu werben, dass Präparat aber weiter zu verkaufen.
«Viele Patienten kommen mit den konventionellen Mitteln ganz gut hin, insbesondere, wenn man Magenschutzmittel dazu gibt», sagte Müller-Oerlinghausen. Damit seien Präparate wie Vioxx oder Celebrex nicht immer erste Wahl. «Wir haben schon 2001 auf das Herz-Kreislauf-Risiko von Cox-2-Hemmern hingewiesen», sagte der Chef der Arzneimittelkommission weiter.
Der Bremer Arzneimittelexperte Gerd Glaeske kritisierte die Hersteller. Diese hätten die Ärzte gedrängt, verstärkt andere Cox-2-Hemmer zu verordnen, «obwohl für die meisten Rheumapatienten bewährte Schmerzmittel wie Diclophenac und Ibuprofen zur Verfügung stehen», sagte Glaeske dem «Tagesspiegel». (nz)

