20.12.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Eine Packung des Arthritis-Mittels Celebrex
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH
Obwohl der US-Pharmahersteller Pfizer sein Arthritismittel Celebrex weiter verkauft, wird nicht mehr dafür geworben. Erste Sammelklagen gegen den Konzern liegen bereits vor.
Der US-Pharmakonzern Pfizer hat die gesamte Werbung für sein Schmerzmittel Celebrex mit sofortiger Wirkung ausgesetzt, nimmt das Medikament aber nicht vom Markt. Das berichteten mehrere US-Medien am Wochenende. Die «New York Times» etwa berief sich dabei auf einen Konzernsprecher. Am Freitag hatte Pfizer mitgeteilt, eine neue Studie ergebe nach ersten Erkenntnissen ein erhöhtes Risiko für Herzattacken und infarkte bei Celebrex-Patienten, während eine parallele Untersuchung keine Auffälligkeiten gezeigt habe.
Das Präparat beruht auf so genannten Cox-2-Hemmern. Der Wirkstoff ist auch Basis des Konkurrenzmittels Vioxx des US-Herstellers Merck, der das Medikament Ende September wegen neu entdeckter Risiken weltweit vom Markt genommen hatte.
Keine Rücknahme vom MarktLaut Pfizer ist von der Entscheidung sämtliche Werbung im Fernsehen, Radio, Zeitungen und Magazinen betroffen. Einige Anzeigen könnten indes noch erscheinen, da Magazine bei der Entscheidung bereits Redaktionsschluss gehabt hätten. Der Werbestopp sei nach Beratungen mit der US-Gesundheitsbehörde FDA gefallen. Sowohl das Unternehmen als auch das Amt seien zur Entscheidung gekommen, dass die Maßnahme «angemessen» sei, zitierte die «New York Times» den Pfizer-Sprecher. Eine Marktrücknahme gebe es aber «derzeit» nicht.
Die FDA teilte demnach mit, bislang nur vorläufige Daten der neuen Studie gesehen zu haben. Eine Entscheidung, ob die Medikamentenverpackung mit schärferen Warnhinweisen versehen oder gar vom Markt genommen werde müsse, werde erst fallen, wenn mehr Informationen vorlägen. Bereits am Freitag hatte FDA-Leiter Lester Crawford auf einer Pressekonferenz gesagt, Mediziner sollten erwägen, Alternativmittel zu Celebrex zu verschreiben. Ansonsten empfahl er, die geringste mögliche Celebrex-Dosis zu verordnen.
Erste Klagen eingereichtBereits am Freitag hatten zwei US-Anwaltskanzleien Sanmmelklagen gegen Pfizer eingereicht. Sie werfen dem Unternehmen darin vor, sich vom 1. November 2000 bis zum 16. Dezember 2004 irreführend und unrichtig zu den Celebrex-Risiken geäußert zu haben.
In Folge der Pfizer-Warnung vom Freitag und den Klagen war der Aktienkurs des Unternehmens an der New Yorker Börse eingebrochen. Die Abschläge reduzierten sich bis Handelsschluss allerdings auf gut elf Prozent. Den Medienberichten zufolge tragen die Celebrex-Verkäufe rund zehn Prozent zum Konzernumsatz bei. (nz)