netzeitung.deNetzbetreiber bauen Kostenfallen ins Handy ein

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Verbraucherschützer warnen vor voreingestellten Diensten in Handys (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Verbraucherschützer warnen vor voreingestellten Diensten in Handys
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Manche Handys werden vom Netzbetreiber so präpariert, dass deren Nutzer ungewollt Verbindungen zu teuren Diensten aufbauen. Kunden können sich dagegen kaum wehren.

Seit einigen Monaten häufen sich bei den Verbraucherzentralen Beschwerden von Mobilfunk-Kunden, auf deren Handyrechnung teure Verbindungen zu Diensten ausgewiesen werden, welche die betroffenen Kunden nicht gewünscht haben. Auf Nachfrage bei den Netzbetreibern hatten die Kunden erfahren, dass sie durch das Drücken von bestimmten Tastenkombinationen auf ihrem Handy unbeabsichtigt Verbindungen zu Diensten des Netzbetreibers aufgebaut hatten.

Für diese teuren Dienste, zu denen beispielsweise E-Mail-Dienste von Netzbetreibern zählen, müssen die Nutzer kräftig zahlen. Oftmals weigern sich die Betreiber auch, die Dienste zu sperren.

Branding für Netzbetreiber
Dies Problem ist kein Einzelfall, dahinter verbirgt sich vielmehr ein Trend unter den Netzbetreibern. Der Grund: Der Markt für Mobilfunk in Deutschland ist gesättigt. Wachsen können die Netzbetreiber nur noch, wenn sie ihrer Konkurrenz Kunden wegfangen oder mit den Bestandskunden mehr Umsatz machen.

Genau das versuchen die Betreiber mit den teuren Diensten. Die Telefone werden dazu an die Netzbetreiber-Dienste angepasst. Fachleute nennen das «Branding» - was im Marketing-Jargon so viel wie «brandmarken» heißt. Bei den Geräten, die speziell auf die Dienste des Betreibers eingestellt sind, wird auf Tastendruck eine kostenpflichtige Verbindung hergestellt – beim unbehandelten Handy öffnet sich mit demselben Tastedruck nur das Benutzermenü.

Solche präparierten Geräte erkennt der Kunde nicht unbedingt. Häufig klebt aber ein Logo vom Betreiber auf dem Gerät. «Wer sich nicht sicher ist, ob sein Handy manipuliert ist, sollte eine Filiale seines Netzbetreibers aufsuchen», sagte Peter Knaak von der Stiftung Warentest der Netzeitung. «Auch ein Blick in die Benutzeranleitung genügt. Dort steht in der Regel, dass bestimmte Tasten kostenpflichtige Dienste auslösen.»

Originalsoftware aufs Handy spielen
Wer solche Dienste auf seiner Rechnung findet, kann sich im Übrigen kaum wehren. «Der Dienstanbieter hat seine Pflicht erfüllt, wenn er in der Benutzeranleitung auf den Dienst hinweist», erklärte Knaak. «Auf dem Kulanzweg lässt sich eventuell noch etwas machen. Der Kunde sollte also zumindest versuchen, das Geld zurückzubekommen.»

Betroffen sind außerdem nicht alle Handys und alle Betreiber. Nokia hat sich mit dem Branding in der Vergangenheit zurückgehalten und die Telefone nicht präpariert. «Der Trend geht aber eindeutig dahin. Nokia kann sich dem nicht lange entziehen», warnte der Verbraucherschützer. «Besonders aktiv ist Vodafone. Deren Telefone sind in der Regel präpariert.» Allerdings seien nur neuere Telefone betroffen, die in den vergangenen Monaten über den Ladentisch gegangen sind.

Ob das Angebot einiger Fachhändler, die Telefone in den Ursprungszustand zu versetzen und die Originalsoftware wieder aufzuspielen, auch hält, was es verspricht, sei nicht sicher. «Es gibt keine Gewähr für solche Angebote. Tests, ob auch wirklich keine kostenpflichtigen Dienste mehr voreingestellt sind, wurden bisher nicht durchgeführt», warnte Knaak.


Für das Web ediert von Markus Scheffler