Öko-Verkehrsclub stellt «Bahntest 2009» vor: 

netzeitung.deAutofahren laut Studie doppelt so teuer wie Zug

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Bahnfahren ist gar nicht so teuer - im Vergleich (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bahnfahren ist gar nicht so teuer - im Vergleich
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Sich selbst ans Steuer zu setzen, ist nicht billiger, als sich von der Bahn chauffieren zu lassen. Ganz im Gegenteil. Die meisten Leuten aber, stellt eine Umfrage fest, stört das gar nicht.

Autofahren ist nach Angaben des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) mehr als doppelt so teuer wie Bahnfahren. Berücksichtige man nicht nur die Treibstoffkosten, sondern auch Steuern, Versicherungen und den Wertverlust des Autos, sei die Bahn viel billiger, berichtete der VCD am Dienstag. So koste etwa eine Autofahrt von Berlin nach München 328 Euro, mit der Bahn aber nur 127 Euro. In Städten kämen oft noch hohe Parkplatzgebühren dazu. Außerdem sei das Auto nach gängigen Routenplanern von Tür zu Tür kaum schneller.

«Die Bahn ist deutlich besser als ihr Ruf», sagte der VCD-Vorsitzende Michael Gehrmann bei Vorstellung des «Bahntests 2009» in Berlin. Für die repräsentative Studie hatte das Institut Quotas im Auftrag des VCD 2600 Personen gefragt, warum sie welches Verkehrsmittel bevorzugen. Dabei habe sich gezeigt, dass es viele Vorurteile gegen die Bahn gebe, mit denen dringend aufgeräumt werden müsse, sagte Gehrmann.

Dazu zähle, dass die Bahn in der Regel teurer und langsamer als das Auto sei. Das überraschendste Ergebnis der Studie ist allerdings, dass für die Reisenden gar nicht der Preis, sondern die Flexibilität am wichtigsten ist. Fast 75 Prozent der Befragten nannten sie als zentralen Faktor, wenn sie sich für ein Verkehrsmittel entscheiden müssen. Danach folgen Zeitgewinn (52 Prozent), Pünktlichkeit (51 Prozent) und Komfort (knapp 45 Prozent). Die Kosten hingegen sehen nur knapp 43 Prozent als wichtiges Kriterium.

Revolution im Bahnverkehr gefordert
Der VCD forderte als Konsequenz, Preise und Fahrpläne bei der Bahn zu vereinheitlichen. «Basierend auf unseren Daten fordern wir nicht weniger als eine Revolution im Bahnverkehr in Deutschland», sagte der Vorsitzende. Für mehr Flexibilität sollten nach Schweizer Vorbild alle Züge nach einem einfachen und einheitlichen Fahrplan verkehren. «Durch diesen sogenannten Deutschland-Takt gäbe es mehr und schnellere Verbindungen mit optimalen Umsteigemöglichkeiten, und die Abfahrts- und Ankunftszeiten wären leicht zu merken.»

Außerdem müsse die unübersichtliche Preis- und Fahrscheinpolitik der Bahn ein Ende haben. Die Tickets müssten insgesamt günstiger werden, statt verbilligte Tickets mit Zugbindung anzubieten. Gerade die Zugbindung sei für viele Reisende in Gräuel. «Und wir brauchen ein einheitliches Tarifsystem für den Nah- und Fernverkehr», verlangte Gehrmann. Alle Züge müssten wie in der Schweiz mit jedem Fahrschein zum gleichen Preis auf einer Strecke genutzt werden können, unabhängig davon, ob es sich um Nah- oder Fernverkehrszüge handele.

Langsamfahrstellen einbauen
Um die Pünktlichkeit der Bahn zu steigern, verlangt der VCD, sogenannte Langsamfahrstellen abzubauen. Das gesamte Schienennetz müsse besser in standgehalten werden, sagte Verkehrsreferentin Heidi Tischmann. «Und auch die manchmal wochenlangen Sperrungen von Streckenabschnitten wegen aufwendiger Reparaturarbeiten – wie derzeit zwischen Hamburg und Berlin und bald leider auch zwischen Berlin und Hannover – verprellen die Fahrgäste.» (AP)