27.04.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Touristen mit Mundschutz in Mexiko-Stadt
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Dürfen Urlauber ihre Mexiko-Reise wegen der Schweinepest kostenlos absagen? Eine Reiserechts-Expertin sagt ja, doch der Deutsche Reiseverband widerspricht. Die Verstalter gehen auch unterschiedlich mit dem Ziel Mexiko-Stadt um.
Die Reiseveranstalter von Tui und Thomas Cook bieten wegen der Schweinegrippe vorerst keine Reisen mehr nach Mexiko-Stadt an. Dertour und Meier's Weltreisen ändern ihre Mexikoprogramme dagegen zurzeit nicht, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa am Montag ergab.
Das Umgehen von Mexiko-Stadt gilt für die Marken der Tui-Gruppe zunächst bis zum 4. Mai. Auch bei Rundreisen werde die mexikanische Hauptstadt nicht mehr angefahren, sagte Tui-Sprecher Mario Köpers in Hannover. Die große Mehrzahl der rund 1000 Tui-Gäste in Mexiko halte sich allerdings nicht in den von der Schweinegrippe betroffenen Regionen auf. Mexiko-Stadt ist kein klassisches Reiseziel deutscher Pauschal-Touristen.
Auch die Tui-Reisenden sind fast komplett auf der Halbinsel Yucatán mit der Urlauberhochburg Cancún untergebracht, rund 1200 Kilometer östlich der Hauptstadt. Dort seien bisher keine Infektionsfälle bekannt, sagte Köpers. Die Verunsicherung deutscher Urlauber werde aber mit Sicherheit zunehmen. Daher biete Tui für ganz Mexiko gebührenfreie Umbuchungen an. Gäste könnten laut Köpers zum Beispiel nach Florida oder in die Karibik ausweichen. Auch dem Wunsch nach einer vorzeitigen Abreise aus Mexiko werde nach Möglichkeit entsprochen.
Die Regelung, kostenlose Umbuchungen anzubieten, gilt aber noch nicht für Reisen in andere Länder, in denen der Virus bereits festgestellt wurde, etwa für die USA. Der Krisenstab des Reiseveranstalters behalte die Entwicklung aber auch dort im Blick, fügte Köpers hinzu.
Manche fahren weiterhin in die HauptstadtBei den Thomas-Cook-Marken (Neckermann, Thomas Cook Reisen) wird Mexiko-Stadt ebenfalls bei Rundreisen ausgespart. Stattdessen würden Aufenthalte an anderen Orten des Programms verlängert, sagte Sprecherin Nina Kreke in Oberursel. Betroffen sind zunächst zehn Gäste, die am Dienstag nach Mexiko reisen sollen. Bei Thomas Cook gibt es auch auf Yucatán keine Änderungen. «Unsere Reisenden haben da nichts zu befürchten», sagte Kreke. Allerdings sei das Unternehmen in der Lage, schnell zu reagieren, sollte die Situation sich ändern. Man beobachte genau die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO.
Bei Dertour und Meier's Weltreisen finden alle Reisen wie geplant statt, sagte Firmensprecherin Andrea Probst in Frankfurt. Dies gelte auch für Mexiko-Stadt. Richtschnur für diese Entscheidung sei die Einschätzung des Auswärtigen Amtes, das bislang nicht generell vor Reisen nach Mexiko gewarnt hat. Die touristischen Regionen seien bisher von dem Virus nicht betroffen. «Wir sehen deshalb noch keine Veranlassung, Reisen abzusagen oder Umbuchungen anzubieten.»
Strittig ist, ob Urlauber eine Reise nach Mexiko kostenlos stornieren dürfen. Der Sprecher des deutschen Reiseverbandes (DRV), Torsten Schäfer, sagte der «Saarbrücker Zeitung», ein solches Anrecht bestehe erst, wenn eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes existiert. Dagegen sagte Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam, Gäste von Reiseveranstaltern müssten derzeit keine Mexiko-Aufenthalte antreten. «Der Ausbruch der Schweinegrippe ist ein Fall von höherer Gewalt, der kostenloses Stornieren erlaubt», sagte Fischer-Volk.
Wenn eine Reise erheblich gefährdet oder beeinträchtigt wäre, dürfe der Kunde vom Vertrag zurücktreten, erläuterte die Reiserechtsexpertin. Auch weil das Schweinegrippe-Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird und Schutzmaßnahmen dagegen schwierig sind, müsse davon ausgegangen werden, dass Touristen bei Reisen nach Mexiko derzeit gesundheitlich gefährdet sind. «Deswegen besteht ein außerordentliches Kündigungsrecht», sagte Fischer-Volk. «Der Kunde kann den Reisepreis zurückverlangen und muss auch keine Gebühren für die Stornierung bezahlen.»
EU-Gesundheitskommissarin rät von Mexiko-Reisen abDiese Regelung gilt nach Einschätzung der Expertin nicht nur für Reisen in Regionen, in denen das Virus bereits bestätigt wurde, sondern für ganz Mexiko: «Es kann schließlich schon beim Umsteigen auf dem Flughafen in Mexiko-Stadt übertragen werden.» Außerdem könne niemand vorhersagen, wie es sich weiter ausbreitet. Mehrere Länder wie Polen, Italien und Venezuela aber bislang nicht Deutschland haben Reisewarnungen für Mexiko und die USA ausgesprochen.
EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou hat wegen der Schweinegrippe von Reisen nach Mexiko und in die USA abgeraten, «um das Risiko zu minimieren». Touristen, die gegenwärtig vor Ort seien oder aus Mexiko zurückkehrten, sollten einen Arzt aufsuchen, empfahl Vassiliou am Montag in einer Videobotschaft. Die Gesundheitskommissarin will am Donnerstag in Luxemburg mit den EU-Außenministern über mögliche Schutzvorkehrungen beraten. (nz/dpa/AP)