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Garantie für Sparer: 

Nicht alles ist sicher

07. Okt 2008 10:14
Geld abheben in Maßen statt in Massen ist gefragt
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Sparer in Deutschland können sich beruhigt zurücklehnen, oder? Der Staat garantiert ihnen Sicherheit - allerdings nicht für alle Anlageformen. Sebastian Wolff gibt einen Überblick.

Um die Sparer angesichts der dramatischen Entwicklungen in der Finanzkrise zu beruhigen, haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück eine dauerhafte staatliche Komplettgarantie für Sparer abgegeben.

Was genau ist unter der Garantie zu verstehen?

Im Falle einer Bankenpleite war der gesetzliche Anlegerschutz bislang auf 20.000 Euro pro Kunde begrenzt. Die meisten Banken in Deutschland gehören jedoch einem Einlagensicherungsfonds an: Für Kunden dieser Banken sind selbst Millionensummen abgedeckt. Viele Sparer fürchten aber, dass es zu einem Massensterben von Banken kommen könnte und der Fonds ihnen dann auch nicht mehr helfen würde. Um ihnen diese Angst zu nehmen und damit einen möglichen Massenansturm auf die Banken zu verhindern, hat die Kanzlerin erklärt, dass der Bund in einem solchen Fall für sämtliche Bankeinlagen der Sparer gerade stehen würde.

Das bedeutet: Faktisch sind diese Anlagegelder zu 100 Prozent sicher - es sei denn, die Bundesrepublik Deutschland muss irgendwann Insolvenz anmelden. Doch damit rechnet ernsthaft niemand.

Welche Gelder deckt die Garantie?

Der Bund garantiert alle Einlagen von Privatleuten auf Giro- und Sparkonten sowie Festgelder und Tagesgelder. Nicht umfasst von der Garantie sind Aktien, Investmentfonds, Lebensversicherungen, Riester-Renten, betriebliche Vorsorgen, Anleihen, Schuldverschreibungen, Zertifikate, Pfandbriefe, Immobilien oder Gold. Bei den Versicherungen springt im Falle einer Pleite aber die Protektor AG, vergleichbar mit dem Einlagensicherungsfonds der Banken, ein.

Wie haben die Deutschen ihr Geld überhaupt angelegt?

Laut Deutscher Bundesbank belief sich Ende 2007 das Vermögen von privaten Haushalten und gemeinnützigen Organisationen auf fast 4,6 Billionen Euro. Knapp 650 Milliarden Euro davon entfielen auf Bargeld und Einlagen auf Girokonten, 328 Milliarden Euro auf Tages- und Festgelder, 550 Milliarden Euro auf Spareinlagen und 93 Milliarden Euro auf Sparbriefe. Knapp 1,2 Billionen Euro steckten in Versicherungen.

In Rentenpapiere waren gut 330 Milliarden Euro investiert, in Aktien 393 Milliarden Euro und in Investmentzertifikaten 545 Milliarden Euro. Dem Gesamtvermögen standen Schulden in Höhe von gut 1,5 Billionen Euro gegenüber.

Warum garantiert der Staat nicht für alle Anlageformen?

Mit einer solch umfassenden Garantie wäre der Staat eindeutig überfordert. Im Übrigen wäre es widersinnig wenn der Bund beispielsweise für Kursverluste von Aktien oder Aktienfonds gerade stehen müsste. Wer solche Papiere kauft, hat zwar hohe Renditechancen, muss sich aber auch des Verlustrisikos bewusst sein. Dieses Risiko kann ihm niemand abnehmen.

Was bedeutet die von der Bundesregierung abgegebene staatliche Garantie für die Regierungen anderer Staaten?

Andere Staaten, in denen es keine umfassende Garantie für die Einlagen von Privatkunden gibt, könnten unter Druck geraten. Denn die deutsche Staatsgarantie könnte die Anleger dieser Länder veranlassen, ihr Geld nach Deutschland zu überweisen. Um einen solchen für sie bedrohlichen Transfer zu vermeiden, könnten diese Länder gezwungen sein, ihrerseits umfangreichere Staatsgarantien abzugeben.

So hat die Ankündigung der Bundeskanzlerin vor allem in Großbritannien Unmut ausgelöst. London hat vor wenigen Tagen bereits die Garantiehöhe auf Einlagen erhöht, nachdem die irische Regierung eine umfassende Staatsgarantie für Bankeinlagen abgegeben hatte. Ansonsten hätte ein Kapitalabfluss nach Irland gedroht. Mit der deutschen Ankündigung ist der Druck auf London weiter gewachsen.

Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der «Berliner Zeitung».

 
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