Finanzkrise und Lebensversicherungen: 

netzeitung.deWall-Street-Beben trifft deutsche Versicherte nicht

 Herausgeber: netzeitung.de

Trotz der Krise einen kühlen Kopf bewahren (Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Trotz der Krise einen kühlen Kopf bewahren
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Finanzmarktkrise hat nach den Banken nun mit AIG einen der größten Versicherungskonzerne der Welt getroffen. Auch in Deutschland mag sich daher mancher Verbraucher fragen, wie sicher seine Lebensversicherung ist.

Verbraucherschützer, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) halten Ängste jedoch für unbegründet.
Müssen Kunden von Lebensversicherungen Angst um ihr Erspartes haben?
Solche Sorgen müssen sich Kunden von deutschen Versicherern nach Expertenmeinung nicht machen: «Wir haben die Auswirkungen der Finanzturbulenzen in den USA auf deutsche Versicherungen untersucht. Die Stabilität der deutschen Versicherer ist nicht gefährdet», sagt ein Sprecher der Bafin. Auch Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, hält Ängste für übertrieben.

«Ganz ruhig bleiben», betont auch die Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV), Lilo Blunck. «Niemand muss um Haus und Hof fürchten. Um Gottes willen nicht kündigen, jedenfalls, wenn die Versicherung schon länger läuft.»

Ist Geld aus Lebensversicherungen in fragwürdige Produkte geflossen?
«Die Produkte, die die Finanzmarktkrise ausgelöst haben, sind von deutschen Versicherern in nicht nennenswerter Weise gekauft und nicht garantiert oder versichert worden», sagt Ulrike Pott, Sprecherin des GDV. Grundsätzlich regelt das Versicherungsaufsichtsgesetz umfassend, in welche Anlageform Versicherungen wie viel investieren dürfen, wie Verbraucherschützer Nauhauser erklärt. «Und die Versicherer setzen das auch um.» Allerdings lasse die Entwicklung bei den Banken Zweifel zu, ob die Vorschriften immer ausreichten. Und für die Kunden sei es unmöglich, genau nachzuvollziehen, wo ihr Geld genau angelegt wurde.
Haben deutsche Versicherer Anteile an AIG?
Nauhauser geht davon aus, dass wegen der großen Verflechtungen in der Branche auch deutsche Versicherer bei AIG Anteile haben. Diese sind nach seiner Einschätzung aber zu gering, um ein Risiko darzustellen.
Sind die Versicherungen wiederum abgesichert?
Alle in Deutschland zugelassenen Lebensversicherer sind verpflichtet, in einen gesetzlichen Sicherungsfonds einzuzahlen. Dieser Fonds springt als letzte Rettung ein, wenn eine Lebensversicherung zahlungsunfähig wird. Alle Rechte und Pflichten aus Versicherungsverträgen gehen laut Bafin dann auf den Fonds über.

Finanzexperte Nauhauser bezweifelt allerdings, dass dieser ausreicht, wenn eine große Versicherung am Ende ist. Dann müsse vermutlich doch wieder der Staat und damit der Steuerzahler einspringen.

Ist in der Vergangenheit schon einmal ein Lebensversicherer pleitegegangen?
Nauhauser kennt nur einen solchen Fall in Deutschland. Selbst damals sei es aber für die Kunden nur zu Rendite- und nicht zu Kapitalverlusten gekommen.
Könnten Kunden von ausländischen Versicherern betroffen sein?
«Kunden von ausländischen Versicherungen haben schlechtere Karten», befürchtet Blunck. Einige Verbraucher haben nach ihrer Erfahrung «hochspekulativ» in britische Versicherungen investiert. «Die haben wirklich ein Problem.» Laut Bafin gehören deutsche Niederlassungen britischer Versicherer nicht zum deutschen Sicherungsfonds. (AP)