17.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Skyline des deutschen Finanzzentrums Frankfurt
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Finanzmarktkrise hält auch die Anleger in Deutschland in Atem. Doch Verbraucherschützer und Bankverbände halten Panik für unbegründet: Fragen und Antworten zu den Folgen von Bankinsolvenzen in Deutschland.
Der neue Höhepunkt der globalen Finanzkrise in den USA sorgt auch in Deutschland für Unruhe. Doch Experten warnen vor Panik: Sollte es hierzulande zu einer Pleite kommen, müssen sich Kunden um ihr Geld keine Sorgen machen. Freiwillige und gesetzliche Sicherungssysteme der Banken und Sparkassen sichern die Kundengelder weitestgehend ab.
Welche Sicherungssysteme gibt es?Im Fall einer Bankpleite ist zwischen den gesetzlich geregelten Entschädigungsansprüchen und freiwilligen Sicherungssystemen der Privatbanken, Sparkassen und genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken zu unterscheiden. Grundsätzlich hat jeder Bankkunde nach dem Gesetz Anspruch auf eine Entschädigung, die auf 90 Prozent der Einlagen, höchstens aber 20.000 Euro begrenzt ist. Die freiwilligen Sicherungssysteme in Form sogenannter Einlagen- oder Garantiefonds der Banken und Sparkassen bieten dagegen in der Regel eine Komplett-Absicherung.
Wie hoch sind die jeweiligen Sicherungsgrenzen? Bei dem Einlagensicherungsfonds der Privatbanken liegt die Sicherungsgrenze für jeden Kunden bei 30 Prozent des maßgeblich haftenden Eigenkapitals der Bank. Die Garantiesummen gehen damit schon bei kleineren Privatbanken in den Millionenbereich. So können zum Beispiel bei einer Sicherungsgrenze von zehn Millionen Euro alle Kunden, deren Einlagen zehn Millionen Euro nicht überschreiten, vollständig entschädigt werden.
Alle namhaften deutschen Privatinstitute zählen zu den Mitgliedern dieses freiwilligen Sicherungssystems. Bei den Sparkassen- und Genossenschaftsbanken sind die Garantiefonds auf eine 100-prozentige Absicherung jedes Kunden ausgelegt.
Welche Einlagen sind geschützt?Abgesichert sind bei einer Privatbank Spar-, Sicht- und Termineinlagen sowie Sparbriefe. Nicht geschützt sind hingegen Inhaberschuldverschreibungen. Anders sieht die Situation bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken aus. Hier sind neben Girokonten, Sparbüchern, Tagesgeldern, Sparbriefen auch Forderungen aus Wertpapiergeschäften wie Dividenden oder Verkaufserlöse geschützt.
Können Verbraucher trotz Finanzmarktkrise also guten Gewissens ihr Geld bei deutschen Banken deponieren?Banken und Sparkassen sagen ja. Seit dem Bestehen ihrer Sicherungssysteme habe noch kein Kunde einen Verlust seiner Einlagen hinnehmen müssen, erklären die Geldinstitute. Auch Verbraucherschützer Thomas Bieler urteilt, die Sicherungssysteme seien sehr gut. «Wer sein Geld auf einem Konto einer deutschen Bank hat, kann auch in Zeiten der Finanzmarktkrise weiter ruhig schlafen.»
Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Flagschiff von der Größenordung der Deutschen Bank einmal vor der Pleite stehe, müsse man sich Sorgen machen. «Bei einem solchen Super-Gau dürfte wohl auch der Einlagensicherungsfonds nicht mehr zu Absicherung ausreichen», erklärte der Bankexperte der Verbraucherschutzzentrale in Nordrhein-Westfalen.
Werden sich die erneuten Turbulenzen am US-Finanzmarkt auch auf deutsche Bankkunden auswirken?Der einfache Bankkunde müsse wegen der Turbulenzen keine Befürchtungen haben, sagte Börsenexperte Wolfgang Gerke der «Neuen Ruhr/Rhein Zeitung». Auch André Kunkel vom Münchener ifo-Institut für Wirtschaftsforschung erklärte, die von den USA ausgehende Finanzmarktkrise habe sich bisher kaum auf die Kreditvergabe für Unternehmen ausgewirkt. Das sei auch künftig nicht absehbar. Verbraucherschützer sehen angesichts der anhaltenden Finanzmarktkrise eher langfristige Folgen und fürchten ein aggressiveres Werben der Geldinstitute um Privatkunden: «Um wieder Geld zu verdienen, werden die Banken eine Reihe neuer, aber sicherlich komplizierter Produkte verkaufen wollen.» Hier müssten Bankkunden künftig besonders vorsichtig sein, sagte Bieler. (Daniela Pegna, AP)