Wenig Rendite:
Versicherungen als Altersvorsorge ungeeignet
21. Aug 2008 10:47
 |  Fürs Alter sollte man rechtzeitig vorsorgen | Foto: dpa |
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Kapital- und Rentenversicherungen sind eine beliebte Form der Altersvorsorge. Dabei sind sie gering verzinst und unflexibel. Die Netzeitung stellt Alternativen bei der Altersvorsorge vor.
Experten raten seit Jahren, Risikoschutz und Altersvorsorge zu trennen. Dennoch gibt es nach Angaben der Versicherungswirtschaft rund 80 Millionen Kapital- und Rentenversicherungen, so die neuesten Bestandszahlen.
Sie bringen dem einzelnen Sparer nach Einschätzung von Verbraucherschützern nur geringe Renditen - und sollten daher auf die Spartauglichkeit geprüft werden. Im Zweifelsfall kann es besser sein, sie beitragsfrei zu stellen oder zu kündigen - das schafft neue Liquidität für das Ruhestandssparen mit geeigneteren Produkten oder eine Immobilie. «Kapital- und Rentenversicherungen sind unflexibel und gering verzinst - für die Altersvorsorge sind andere Dinge daher besser», sagt Jens Trittmacher vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. In erster Linie seien das vom Staat geförderte Riester-Produkte und Investmentfonds.
Hohe Kosten
Hintergrund der geringen Verzinsung sind die hohen Kosten, die vom eingezahlten Betrag abgehen, bevor dieser als Sparanteil auf die hohe Kante kommt: für Verwaltung, Abschluss und die Beiträge für den Todesfallschutz, erläutert Trittmacher. Denn das Versicherungsunternehmen muss liquide sein, wenn Versicherte sterben, und bildet entsprechende Rücklagen.
Was sind Kapital-, Renten- und Lebensversicherungen? - KAPITALVERSICHERUNG: Sie ist Hinterbliebenen-Absicherung und Altersvorsorge in einem. Hinterbliebene haben im Todesfall Anspruch auf die Versicherungssumme plus anteilige Überschüsse. Wer den Vertragsablauf selbst erlebt, bekommt die angesparte Summe plus Überschüsse ausgezahlt. - PRIVATE RENTENVERSICHERUNG: Bei diesen Verträgen entfällt die Hinterbliebenenabsicherung - sie sind reine Sparvorgänge. Am Vertragsende kann eine monatliche Rente oder eine Einmalauszahlung des angesparten Kapitals plus die erwirtschafteten Überschüsse bezogen werden. - LEBENSVERSICHERUNG: Das ist der Oberbegriff für all jene Verträge, die Kunden bei einem Lebensversicherungsunternehmen abschließen. Das können Rentenversicherungen, Kapitalversicherungen, Policen mit Berufsunfähigkeits-Zusatzschutz oder Unfallzusatzschutz sein. Oder es sind Risiko-Lebensversicherungen, die die Familie gegen den Tod des Hauptverdieners schützen. Ihre Vertragslaufzeiten sind kürzer und sie beinhalten keinen Sparvorgang. Daher sind sie günstiger und sollten nach Einschätzung von Verbraucherschützern als Risikoschutz auch abgeschlossen werden, vor allem sobald Kinder da sind. |
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«Nur eine lebenslange Rentenleistung ist echte Altersvorsorge: Die Lebenserwartung der Menschen steigt - aber niemand weiß genau, wie lange er lebt und Geld für die regelmäßigen Ausgaben braucht», sagt Stephan Gelhausen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Beim Fondssparen dagegen werde mit Rentenbeginn meist eine Zeitspanne festgelegt, in der das Geld aufgezehrt wird. Das Problem dabei: «Sie leben länger als das Geld reicht, weil die Lebenserwartung zu pessimistisch eingeschätzt wurde.»
Lebensversicherung bei jungen Sparern beliebt
Die Sicherheit der Lebensversicherung überzeugt offenbar nach wie vor auch junge Sparer, die Renten- und Kapitalversicherungen abschließen. Wer diese Policen später wieder kündigen will, hat aber meist viel Geld durch den Schornstein gejagt. Die Beschwerden darüber laufen zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale Hamburg auf, die sich auf den Streit um die sogenannten Rückkaufswerte mit den Versicherern spezialisiert hat.«Es gibt Fälle, da wurden über die Jahre 60.000 Euro eingezahlt, und 20.000 bekommen die Leute wieder heraus. Wenn Sie jeden Tag zehn solcher Briefe bekommen, haben Sie schnell so 'nen Hals», sagt Referentin Edda Castello. Sie hat mit ihren Kollegen im vergangenen Herbst rund 400 Verträge ausgewertet, deren Daten in der Verbraucherberatung aufliefen. Im Schnitt lag der Verlust bei Kündigung einer Police bei annähernd 3400 Euro. Den Experten zufolge werden drei Viertel aller 30-Jahres-Verträge vor Ablauf gekündigt.
Zu hohe monatliche Verpflichtung
Dabei muss der Grund für das Kündigen eines Vertrags nicht Armut sein. Zwar werden die meisten Policen wegen Trennung und Scheidung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit aufgegeben. Häufig ist schlichtweg zu viel monatliche Verpflichtung in dem Vertrag gebunden, und die fehlt zum Beispiel für einen Immobilienerwerb.
Der Bund der Versicherten hält für Verbraucher Entscheidungshilfen darüber bereit, ob sich eine Vertragsfortführung lohnt. «Ist es ein junger Vertrag, kann eine Kündigung besser sein», so lautet nach Worten von Trittmacher eine Faustregel. Beitragsfreistellung und Laufzeitverkürzung sind andere Möglichkeiten. (Thorsten Wiese, dpa)