01.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Auszubildender im Berufsbildungszentrum Chemie in Berlin
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit Beginn der Ausbildung beginnt für junge Leute ein neuer Lebensabschnitt. Bevor der Versicherungsvertreter sein Köfferchen öffnet, sollte man sich aber schon schlau gemacht haben - nicht jede Police tut wirklich Not.
Am 1. August starten viele Jugendliche ihre berufliche Karriere sie beginnen ihre Ausbildung. Abiturienten wiederum zieht es, mit der Hochschulreife ausgerüstet, nach dem Sommer an Universitäten, um das Studium aufzunehmen. Für Azubis wie Studenten stellt sich damit die Frage: Bin ich ausreichend versichert?
Die wichtigste Grundregel lautet: zunächst die existenziellen Risiken hinreichend abdecken. Die gesetzliche Krankenversicherung ist ohnehin obligatorisch. Bei Auszubildenden läuft das über den Arbeitgeber, wobei der Azubi sich bei der Wahl der Kasse frei entscheiden kann. Studenten sind in der Regel bis zum 25. Lebensjahr über die Eltern versichert.
Als nächstes folgt eine private Haftpflichtversicherung. «Sie ist enorm wichtig, da sie die Versicherten im Ernstfall vor dem finanziellen Ruin bewahren kann», erläutert Arne Bröker, Versicherungsexperte der Assekuranz Domcura. «Verursacht man beispielsweise als Fußgänger einen Verkehrsunfall, so können die Schadenersatzforderungen schnell in die Tausende gehen.»
Der Bund der Versicherten (BdV) weist allerdings darauf hin, dass Schüler, Studenten und Auszubildende bis zum Abschluss ihrer Berufsausbildung zumeist über die Eltern mitversichert sind. Das gelte auch für die Hausratversicherung, wenn sie noch keine eigene Familie haben und kein eigener Hausstand gegründet wurde. Auch Domcura-Experte Bröker rät dazu, genau zu überprüfen, ob Versicherungsschutz nicht schon über eine Familienpolice besteht.
Berufsunfähigkeitspolice ist ein MussDer BdV rät den jungen Leuten dringend zu einer Berufsunfähigkeits-Versicherung. «Die kann im Notfall existenzsichernd sein», so die Verbraucherschützer. Es sei besonders empfehlenswert, sie gleich zum Ausbildungsbeginn abzuschließen. Der Grund: Ein frühzeitiger Einstieg sichert günstige Beiträge. Außerdem können später Erkrankungen den Abschluss erschweren oder sogar verhindern.
Auch Bröker nennt diese Versicherung als wichtige Police: «Jeden kann die Berufsunfähigkeit treffen: entweder als Folge einer Krankheit oder eines Unfalls.» Das Verbraucherportal Moneyworld.de rät dazu, möglichst nur eine Police abzuschließen, die eine so genannte Nachversicherungsgarantie gibt. Sie erlaubt, bei veränderten Lebensumständen also etwa Ehe oder Kind die Berufsunfähigkeitsrente ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen oder sie einem steigenden Einkommen anzupassen. Ebenso ratsam sei eine Beitragsdynamik, die die Beiträge und Leistungen zu einem festen Prozentsatz erhöht und so inflationsbedingte Verluste ausgleicht.
Für wichtig erachten der Bund der Versicherten und Domcura-Fachmann Bröker auch eine Unfallversicherung. «Die Absicherung des eigenen Körpers ist, gerade aufgrund der Tatsache, dass die meisten Unfälle im Haushalt oder beim Sport geschehen, nahezu unverzichtbar», meint Bröker. Allerdings sei auch hier zu prüfen, ob nicht bereits Schutz über ein Familienprodukt existiert. Wichtig: Der gesetzliche Unfallversicherer zahlt nur bei Unfällen am Ausbildungsort bzw. an der Uni oder auf dem Weg dorthin. Die private Unfallpolice leistet dagegen in den meisten Fällen rund um die Uhr und weltweit.
An Altersvorsorge denkenEine eigene Hausratversicherung lohnt nach Einschätzung des BdV oft nur für den, der außerhalb des Elternhauses wertvollen Hausrat besitzt. Dem Verband zufolge tritt auch die Hausratpolice der Eltern ein, wenn man im Studenten- oder Ausbildungswohnheim wohnt. Bei der eigenen Wohnung kann eine eigene Police aber ratsam sein. Sie deckt drohende Risiken wie Wasser- oder Feuerschäden ab, so Domcura-Experte Bröker. Er hält es zudem für sinnvoll, das Fahrrad als häufig genutztes Transportmittel in den Versicherungsschutz zu integrieren. «Das macht man mit dem Einschluss der so genannten Fahrraddiebstahlklausel.»
Das lohne sich aber nur «für ganz edle Teile», schränkt der BdV ein. Er weist zudem darauf hin, dass das Fahrrad in der Hausratpolice mitversichert ist, wenn es aus der eigenen Wohnung oder dem eigenen Kellerraum gestohlen wird. Steht es aber im Gemeinschafts-Fahrradkeller oder angekettet an einem Laternenpfahl vor der Uni, dann hat nur Versicherungsschutz, wer eine separate Fahradpolice hat oder eben die von Bröker genannte Zusatzklausel.
BdV und Bröker raten zudem dazu, so früh wie möglich mit der Altersvorsorge zu beginnen, um eine ausreichende Kapitaldecke aufzubauen. «Einsteigertarife bieten den jungen Leuten die Möglichkeit, ihren in der Regel eher noch kleinen Geldbeutel nicht übermäßig strapazieren zu müssen», sagt Bröker. Der BdV hebt aber hervor: erst die wichtigen Versicherungen abschließen wenn dann noch Geld übrig ist, sollte man jetzt schon etwas fürs Alter tun.