Aber trüber Ausblick für 2010: 

netzeitung.deHandel erwartet nur geringes Minus im Advent

 Herausgeber: netzeitung.de

Volles Kaufhaus in der Adventszeit (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Volles Kaufhaus in der Adventszeit
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Mehrheit der Deutschen will nicht an Weihnachten sparen - diese Umfrage erfreut den Einzelhandel. Zwar wird der Umsatz in den letzten beiden Monaten unter Vorjahresniveau erwartet, aber mit geringerem Minus als bisher in diesem Jahr.

Rund ein Fünftel seines gesamten Jahresumsatzes erwirtschaftet der Einzelhandel in den letzten zwei Monaten des Jahres – das dürfte trotz der Wirtschaftsflaute auch in diesem Jahr zu schaffen sein. Zwar erwartet die Branche ein schwächeres Geschäft im Advent: In diesem November und Dezember dürften 73 Milliarden Euro Umsatz hereinkommen, rund 1,5 Prozent weniger als 2008, wie der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Allerdings wäre damit das Minus geringer als in den Monaten davor: Bis Ende September lagen die Umsätze um zwei Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwartet die Branche ein Umsatzminus von ebenfalls zwei Prozent auf 390 Milliarden Euro.

Zudem ist der HDE für das Weihnachtsgeschäft nicht mehr so pessimistisch wie zuvor. Laut HDE-Präsident Josef Sanktjohanser war ursprünglich – wegen des prognostizierten Anstiegs der Arbeitslosenzahlen – ein noch stärkerer Einbruch gegenüber November/Dezember 2008 befürchtet worden. Diese Sorge habe sich aber nicht bestätigt.

Mehrzahl will nicht an Weihnachten sparen
Sanktjohanser zeigte sich zuversichtlich: Tatsächlich sei die Stimmung der Verbraucher insgesamt heute sogar besser als vor einem Jahr und das Konsumklima relativ stabil. Der HDE-Präsident begründete das auch mit den stabilen und teils sogar gesunkenen Preisen im Handel. Der Oktober sei bereits besser gelaufen, vor allem für Mode-, Textil- und Schuhhändler.

Der Optimismus der Branche scheint berechtigt: Laut einer am Donnerstag in München veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens Deloitte plant jeder Bürger im Schnitt 485 Euro für das Fest ein, das sind über 80 Euro mehr als 2008. Zwei Drittel der Befragten wollen genauso viele Menschen beschenken wie letztes Weihnachten, immerhin 13 Prozent sparen gegebenenfalls bei eigenen Anschaffungen und neun Prozent bei Präsenten für Kollegen.

Gekauft wird weiterhin im Kaufhaus, aber das Internet holt auf. Der HDE erwartet in diesem Jahr allein im Onlinegeschäft für November und Dezember Umsätze in Höhe von 5,5 Milliarden Euro. Der HDE geht davon aus, dass der Online-Handel in diesem Jahr um 9,5 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro wächst und 2010 weiter auf 23,7 Milliarden Euro.

Angst vor Aus verkaufsoffener Sonntage
Insgesamt rechnet die Mehrzahl der Händler im nächsten Jahr aber mit weiteren Einbußen. Von den geplanten Steuerentlastungen der neuen Bundesregierung im kommenden Jahr sei keine kräftige Konsumbelebung zu erwarten, meint der HDE. Der Löwenanteil werde nicht dem Handel zugute kommen. Für 2010 rechnet Sanktjohanser mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation. Als Gründe hierfür nannte er die steigende Arbeitslosigkeit, engere Konsumspielräume, eine schlechtere Verbraucherstimmung sowie die unverändert hohe Sparquote.

Mit einem Abbau von Arbeitsplätzen sei in der Branche trotzdem nicht zu rechnen. Derzeit sind rund 2,6 Millionen Menschen im Einzelhandel beschäftigt. Sorgen macht Sanktjohanser dagegen die Klage der Kirchen gegen die Berliner Sonntagsregelung. Am 1. Dezember will das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob die zehn verkaufsoffenen Sonntage in Berlin, darunter auch jene im Adventszeitraum, dem Grundgesetz entsprechen. Neben Umsatzeinbußen befürchtet der HDE auch eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber den sonntags geöffneten Weihnachtsmärkten. Schließlich werde in Berlin rund ein Viertel des Sonntagsumsatzes im Advent mit Touristen erzielt. (nz)