Nicht autorisierte Wetten auf Brent: 

netzeitung.deSkandalhändler löste Ölpreis-Turbulenzen aus

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Nicht autorisierte Wetten auf Brent 

Lupe Skandalhändler löste Ölpreis-Turbulenzen aus

Nun gibt es eine Erklärung für den plötzlichen starken Ölpreis-Anstieg am Dienstagmorgen: Ein einziger Händler trieb mit unerlaubten Transaktionen den Preis nach oben. Für seinen Chef hat der Vorfall eine besonders peinliche Note.

Ein Londoner Rohstoffhändler hat offenbar im Alleingang den Ölpreis am vergangenen Dienstag auf ein Jahreshoch getrieben. Das berichtete die «Financial Times». Demnach geht der überraschende Preisanstieg für die Nordseesorte Brent binnen einer Stunde von 71 auf 73,50 Dollar je Fass (159 Liter) auf einen Händler der Broker-Firma PVM Oil Associates zurück.

Dabei seien am frühen Dienstagmorgen Kontrakte im Umfang von mehr als 16 Millionen Fässern gehandelt worden, doppelt so viel, wie Saudi-Arabien – das weltgrößte Förderland – an einem Tag produziert. Üblicherweise würden zu dieser Tageszeit in diesem Zeitraum etwa 500.000 Fässer gehandelt, so die «FT».

Anschließender Preisverfall um zehn Prozent
Etwa die Hälfte des ungewöhnlich hohen Handelsvolumens gehe auf den PVM-Händler zurück, die andere Hälfte auf andere Trader, die sich an die Fersen der Rally hefteten. PVM ist das weltgrößte Brokerhaus für außerbörsliche Termingeschäfte. Nach dem Höchststand am Dienstag fiel der Ölpreis wieder deutlich, am Freitag lag er wieder bei etwa 66,40 Dollar.

Der Händler handelte dem Bericht zufolge ohne Genehmigung. Die britische Wirtschaftszeitung zitierte einen Manager von PVM mit den Worten, das Unternehmen sei das «Opfer unautorisierten Tradings» geworden. Demnach musste PVM eine beträchtliche Zahl von Future-Kontrakten auf Rohöl auflösen, was einen Verlust von zehn Millionen Dollar einbrachte.

Der Händler – laut «FT» heißt er Steve Perkins – soll dem Bericht zufolge PVM inzwischen verlassen haben. Das Unternehmen hat die britische Finanzaufsicht eingeschaltet. Die Hintergründe der unerlaubten Transaktionen sind noch unklar. Am Rohstoffmarkt galt Perkins laut «FT» als erfahrener Broker.

PVM-Chef ist selbst Spekulationskritiker
Am Markt war der Vorfall das Gesprächsthema Nummer eins. Am Freitag hieß es, nun gebe es endlich eine Erklärung für das außergewöhnliche Handelsvolumen und den überraschenden Anstieg des Ölpreises am frühen Dienstagmorgen. Ursprünglich dachten einige Händler offenbar, dahinter müsse irgendein geopolitisches Ereignis stecken. Der kräftige Auftrieb des Brent-Preises hatte auch den Preis für die US-Sorte WTI mitgezogen.

Pikante Notiz am Rande: Der Chef von PVM hatte vor einigen Jahren einmal den Handel auf elektronischen Börsen als «Kasino» bezeichnet und die Ölpreisspekulation scharf kritisiert. Der jetzige Vorfall bei PVM wirft ein überaus schlechtes Licht auf die interne Kontrolle sowie auf die Aufsicht.

Schon früher gab es solche Fälle unerlaubten Tradings. Einer der bekanntesten jüngeren Vorfälle ist der enorme Verlust, den der Händler Jérôme Kerviel bei der französischen Großbank Société Générale verursachte. Erst im Mai 2009 wurde ein Ölhändler der US-Bank Morgan Stanley von seinem Posten entfernt, weil er Verluste vor seinen Vorgesetzten verheimlichte. (nz)