02.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Euro-Symbol vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Während die schwedische Reichsbank die Zinsen weiter gegen Null senkte, haben die Währungshüter der EZB ihre Finger vom Leitzins gelassen. Damit hatten Volkswirte aber übereinstimmend gerechnet.
Die Leitzinsen im Euroraum bleiben auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Der für die Zinsentwicklung zuständige Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beließ den Zinssatz bei seiner Sitzung in Luxemburg bei dem Stand, auf dem er seit Mai 2009 steht, wie die Notenbank am Donnerstag mitteilte.
Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld war angesichts der Rezession seit Herbst 2008 schrittweise um insgesamt 3,25 Punkte auf das aktuelle Niveau - den niedrigsten Stand seit Gründung der europäischen Währungsunion im Jahr 1999 - gesenkt worden. Mit der Entscheidung war allgemein gerechnet worden. Beobachter erwarteten, dass die Zentralbanker zunächst die Wirkung anderer Maßnahmen abwarten wollen.
Erst vor einer Woche hatte die EZB die Rekordsumme von 442 Milliarden Euro in die Finanzmärkte gepumpt, um die Banken zu mehr Kreditvergabe zu bewegen. Zudem hatte die Notenbank kürzlich den Aufkauf von besicherten Schuldverschreibungen wie zum Beispiel Pfandbriefen im Wert von 60 Milliarden Euro angekündigt. Das Programm soll am kommenden Montag starten, wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag nach der Ratssitzung erläuterte.
Mit dem Kauf von «Covered Bonds» wollen die Notenbanker die Finanzierungsbedingungen für Banken und Unternehmen verbessern und der kriselnden Wirtschaft neuen Schwung verleihen. Das Programm soll bis spätestens Ende Juni 2010 voll umgesetzt sein. Zusätzliche Stützungsmaßnahmen hält die Notenbank derzeit nicht für erforderlich.
Niedrigere Zinsen in SchwedenZugleich signalisierte Trichet auf absehbare Zeit unveränderte Zinsen. «Die Leitzinsen sind derzeit angemessen», sagte der Notenbankchef. Der momentane Leitzins sei jedoch nicht der niedrigstmögliche Satz, fügte Trichet hinzu. Er sieht derzeit weder größere Deflations- noch Inflationsrisiken. Auch Volkswirte erwarten, dass der Leitzins bis weit ins nächste Jahr hinein auf seinem Rekordtief verharren und dann wieder steigen wird. Die Commerzbank schreibt: «Wir gehen davon aus, dass die EZB erst im vierten Quartal 2010 beginnt, ihren Leitzins zu erhöhen.»
Am Donnerstagvormittag hatte die schwedische Reichsbank die Leitzinsen in dem skandinavischen Land von 0,50 auf 0,25 Prozent gesenkt. Die Währungshüter begründeten ihren Schritt in Stockholm mit der weiter schlechten wirtschaftlichen Entwicklung. Schweden gehört zwar zur EU, nicht aber zur Eurozone. Die Landeswährung Krone hat seit vergangenem Jahr gegenüber dem Euro erheblich an Wert verloren.
Die Reichsbank kündigte gleichzeitig an, das niedrige Zinsniveau bis Ende 2010 zu halten. Man sehe zunehmend Zeichen für eine konjunkturelle Aufwärtsentwicklung, hieß es. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so die Wirtschaft ankurbeln. Sparguthaben werden jedoch ebenfalls niedriger verzinst.
Debatte um Nullzinspolitik in USAIn den USA herrscht quasi schon Nullzinspolitik: Der Leitzins liegt doch auf dem historischen Tief von 0 bis 0,25 Prozent. Während Volkswirte auf eine baldige Zinserhöhung spekulieren, hat die Präsidentin der regionalen Fed San Francisco, Janet Yellen, die Einschätzung geäußert, dass die US-Notenbank womöglich noch auf Jahre am Nullzins festhalten muss. Die USA steckten in einer sehr schweren Rezession, und die Erholung werde nur sehr langsam passieren, so Yellen.
Diese Aussichten, zusammen mit einer hohen Arbeitslosigkeit, sprächen gegen eine Zinserhöhung in absehbarer Zeit, argumentierte die Notenbankerin. Befürchtungen, die US-Notenbank könnte mit einer zu späten Anhebung der Zinsen eine starke Inflation schüren, sind Yellen zufolge fehl am Platz.
Allerdings gibt es aus dem für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschuss der Fed auch anderslautende Aussagen, wonach niemand länger als nötig an der Nullzinspolitik festhalten wolle. Yellen warnte dagegen vor einer Wiederholung der Politik während der Großen Depression damals hatte die Fed wegen Sorgen um die hohe Liquidität im Bankensektor die Geldpolitik verschärft, zwei Jahre später sackte die Wirtschaft erneut in eine tiefe Rezession. (dpa/AP/nz)