netzeitung.deKommentar: Deutsche Bank am Pranger - eine absurde Diskussion

 Herausgeber: netzeitung.de

Schön, dass die Deutsche Bank wieder hohe Gewinne macht. Schlimm, dass sie deshalb an den Pranger gestellt wird.

Von Ralf-Dieter Brunowsky

Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal des neuen Jahres viel Geld verdient. Die Eigenkapitalrendite hat mit 33 Prozent das Ziel von 25 Prozent deutlich übertroffen. Weil gleichzeitig an den Stellenstreichungen festgehalten wird, steht die Deutsche nun als der Böse Bube schlechthin da. Die Deutsche Bank, Symbol für verantwortungslose Profitgier und unpatriotische Arbeitsplatzvernichter.

Einmal abgesehen davon, dass die Deutsche Bank offensichtlich von Kommunikations-Blindgängern benebelt wird – die öffentliche Diskussion über die Unternehmenspolitik der Bank nimmt absurde Züge an. Wenn das Unternehmen in bestimmten Unternehmensbereichen Stellen streicht, weil diese unprofitabel oder nicht profitabel genug arbeiten, dann ist das die einzig richtige Konsequenz. Kein Unternehmen hat die gesellschaftliche Verpflichtung, schwache Unternehmensbereiche quer zu subventionieren.

Und selbst wenn der Gewinn zehn mal so hoch wäre: Gewinne von Unternehmen sichern unsere Zukunft. Gewinne machen die Deutsche Bank stark. Ohne diese Gewinne und die daraus tendenziell folgenden Kurssteigerungen wird sie bald von noch größeren internationalen Banken geschluckt.

Der Staat und erst recht die Parteien sollten sich da vollkommen heraushalten. Der öffentliche Pranger ersetzt keine gute Wirtschafts- und Finanzpolitik. Dass sich die SPD so kurz vor den NRW-Wahlen in der wohlig machenden Kritik am internationalen Finanz-Kapitalismus mit seinen angeblichen Heuschreckenschwärmen vereint und damit dem ausgestoßenen Oskar Lafontaine folgt, ist schon phänomenal, aber zum Glück konsequenzlos. Deutschland würde sich die Kühe schlachten, die es so gerne melkt, wenn den Unternehmen noch mehr vorgeschrieben wird, wie ihre Unternehmenspolitik auszusehen hat. Wer Gewinne verteufelt, schafft keine neuen Arbeitsplätze, sondern gefährdet sie.

Fast banal, es noch einmal zu erklären: Die Wirtschaft muss kräftig wachsen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Um wachsen zu können, muss man in neue Produkte und Dienstleistungen investieren. Wie kann man das finanzieren? Letztlich nur durch Gewinne oder durch erwartete Gewinne, die man dann vorfinanziert.

Und noch etwas: Die Globalisierung sollte nicht permanent als Bedrohung dargestellt werden. Auch die Arbeitgeber schieben gerne den Grund für Umstrukturierungen auf die Globalisierung. Es sind allzu zögerliche Manager, die diese Chancen und auch den Veränderungsdruck nicht rechtzeitig begreifen und nicht den Mut haben, entsprechend zu handeln. Sie gefährden unsere Wirtschaft, nicht dieses dunkle und wenig fassbare Globalisierungsgespenst, das als Ausrede von Politikern und Managern an die Wand gemalt wird.

Die Globalisierung muss doch als Chance begriffen werden, gerade für die deutsche Wirtschaft. Unseren Globus als ganzes zu sehen und ihn immer stärker zu vernetzen, sei es in der Wirtschaft, sei es in der Politik oder sei es im Umweltschutz – das ist doch eine phantastische Zukunftsaufgabe, eine wunderbare Vision! Die Finanzmärkte sind die Vorreiter dieser Entwicklung und nicht ihre potentiellen Zerstörer, lieber Herr Müntefering.