Kommentar: Finanzinvestoren als Heuschreckenplage?
18.04.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Das kapitalistische Schreckgespenst ist in die Politik zurückgekehrt. Der Wahlkampf und die depressive Stimmung in der SPD machen es möglich. «Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten», so SPD-Chef Franz Müntefering. Und weiter: «Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.»
Das ist pure Demagogie, die auf den Beifall der vom Arbeitsplatzverlust betroffenen Menschen zielt. Man muss nicht lange rätseln, warum diese Attacke des SPD-Bundesvorsitzenden gegen den internationalen Finanzkapitalismus gerade jetzt kommt: Sie soll im Meinungstief der Umfragen die Linken in der SPD wieder einfangen und die soziale Kompetenz der SPD unterstreichen - um Nordrhein-Westfalen doch noch für Rot-Grün zu retten.
Diese Form der Unternehmensfinanzierung mit Eigenkapital kommt aus den angelsächsischen Ländern und ist noch nicht sehr alt. Das Private-Equity-Geschäft funktioniert etwa so: Vermögende private und institutionelle Anleger wie Banken oder Versicherungen geben ihr Geld in eine Kapitalsammelstelle, zum Beispiel einen Fonds. Mit diesem Geld werden Unternehmen gekauft und saniert, so dass sie neue Wachstumsperspektiven haben.
Hier handelt es sich also nicht um die Zerschlagung von Unternehmen in viele Einzelteile, sondern um die Sanierung von Unternehmen, die sich in Schwierigkeiten befinden, Nachfolgeprobleme haben oder nicht genügend Geld in der Kasse, um Wachstum zu finanzieren. Beispiel Karstadt: Nur durch frisches Geld kann ein solches Unternehmen seine bestehenden Filialen modernisieren und wieder wettbewerbsfähig werden. Dabei gilt als goldene Regel, dass solche Prozesse nur erfolgreich sein können, wenn sie vom Management mitgetragen werden.
Die volkswirtschaftliche Funktion der Finanzinvestoren ist also, Unternehmen überlebensfähig zu machen und damit langfristig Arbeitsplätze zu sichern auch wenn in der Übergangsphase häufig zunächst Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. Die Alternative heißt sonst Insolvenz oder Konkurs mit weitaus schlimmeren Konsequenzen.
Deutschland braucht deshalb eher mehr und nicht weniger Finanzinvestoren. Und Herr Müntefering sollte sein Feindbild vom Kapitalismus mit mehr Substanz untermauern wenn vorhanden.

