Euro übersteigt zeitweise 1,17-Dollar-Marke
30. Sep 2003 13:25, ergänzt 17:01
Im Zuge schwache US-Konjunkturdaten ist der Euro kurzfristig auf mehr als 1,17 Dollar gestiegen. Händler hatten mit einem Anstieg über die psychologisch wichtige Marke gerechnet.
Der Euro hat am Dienstag die Marke von 1,17 Dollar für kurze Zeit deutlich hinter sich gelassen: Nachdem in den USA schwache Zahlen zum Verbraucher-Vertrauen und zum Einkaufsmanagerindex der wichtigen Industrieregion Chicago veröffentlich wurden, stieg die Gemeinschaftswährung auf bis zu 1,1740 an. Bereits beim Fixing der Europäische Zentralbank gegen Mittag hatte sich der kräftige Anstieg des Euro gezeigt: Die EZB stellte einen Kurs von 1,1652 Dollar nach 1,1413 Dollar am Montag fest.Der japanische Yen hielt hingegen trotz der schwachen US-Zahlen, die Hoffnung auf eine rasche Konjunkturerholung in den USA erheblich dämpfen, die wichtige Marke von 110 Dollar. Das dürfte am Markt Spekulationen nähren, die japanischen Notenbank haben zugunsten des Dollar interveniert und die Landeswährung gegen Dollar verkauft.
Starker Anstieg seit Montag
Bereits am Montag hatten Gerüchte den Kurs der US-Währung schwer belastet. Seit dem Treffen der G7-Finanzminister am vorvergangenen Wochenende gebe der Dollar auf breiter Front nach, stellt Tobias Müller, Devisenhändler bei der Vereins- und Westbank, fest. Seit dem gebe es große Nervosität und hohes Volumen am Devisenmarkt, vor allem weil viele auf falschen Positionen sitzen würden, sagte er am Dienstag der Netzeitung.
De-facto-Abschied vom starken Dollar
«Das G7-Treffen war de facto das Ende der amerikanischen Politik eines starken Dollars», hatte Müller bereits am Dienstagvormittag gesagt. Auslöser für den starken Anstieg am Montagabend seien Gerüchte gewesen, die Regierung von US-Präsident George W. Bush wolle davon auch offiziell Abschied nehmen. Diese Berichte seien allerdings umgehend dementiert worden.«Das Spiel lautet weiter auf Dollar-Yen», sagte Müller weiter. Der starke Euro sei quasi nur ein Nebenprodukt des Anstiegs der japanischen Landeswährung.
Gerücht: BoJ hat schon interveniert Ein weiterer Händler, dessen Namen nicht genannt werden soll, sprach bereits am Dienstagvormittag von Gerüchten, denen zufolge die Japaner bereits in der Nacht zum Dienstag am Devisenmarkt eingegriffen hätten. «Die Bank of Japan wird die 110-Yen-Marke mit Macht verteidigen», sagte er der Netzeitung. «So einfach lassen die sich nicht von der G7 den Kurs diktieren.»Am Montag sei «sogar so etwas wie Panik am Markt» zu spüren gewesen. Der Dollar-Fall sei «einfach zu schnell» vonstatten gegangen. «Fundamental passt alles aber ins Bild: Die US-Wirtschaft steht vor keinem großen Aufschwung, dafür sind die Probleme am Arbeitsmarkt viel zu massiv.» Ein schwächerer Dollar-Kurs komme da gerade recht, sagte der Händler weiter. Sollten sich ausländische Investoren verstärkt aus dem Dollar-Raum zurückziehen, werde die Währung «rasch weiter fallen». Ein Anstieg auf bis zu 1,30 Dollar für den Euro bis zum Ende kommenden Jahres sei daher auch «nicht unrealistisch».
Chinesen haben Entscheidung bereits getroffen Im Hintergrund stehen nach wie vor die Forderungen der USA gegenüber China, die Landeswährung Yuan abzuwerten oder den Wechselkurs zumindest teilweise freizugeben. Da sich China bislang weigert, weicht der Devisenmarkt nach Einschätzung von Experten auf den Yen aus, der zuletzt gegenüber dem Dollar so hoch wie seit rund drei Jahren nicht mehr stand. Eine Entscheidung in Peking ist dabei nach Ansicht von Devisenhändler Müller bereits gefallen. Die Chinesen wollten aber nicht in der Öffentlichkeit eingestehen, dass sie dem Druck der USA nachgeben. «Die suchen nach einer Lösung, mit der sie nicht das Gesicht verlieren», sagte er weiter.
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