08.07.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Die Frankfurter Börse hat am Freitag die Verluste des Vortages nahezu wett gemacht. Unterstützung kam von den festen US-Märkten.
Der Frankfurter Aktienmarkt hat am Freitag deutlich fester geschlossen. Die Standardwerte im Dax
stiegen um 1,5 Prozent auf 4597,97 Zähler. Etwas schlechter als erwartet ausgefallene Zahlen zum US-Arbeitsmarkt beeinträchtigten die deutschen Märkte kaum.
Ein Händler zeigte sich darüber sowohl überrascht als auch erfreut: «Der Markt hält sich erstaunlich gut und hat offenbar viel Widerstandskraft», sagte er der Netzeitung am Nachmittag. Möglicherweise sei der Markt am Vortag durch die kräftigen Verluste nach den Terror-Anschlägen bereinigt worden, so dass er die US-Daten nun habe verdauen können. «Die Arbeitsmarktzahlen nähren meine Amerika-Skepsis», kommentierte der Händler.
Zum Handelsende verbuchten alle Dax-Werte Gewinne. Infineon führten mit einem Plus von vier Prozent den Dax an. BMW und Volkswagen profitierten von den deutschen Zulassungszahlen und stiegen um jeweils rund 2,5 Prozent. DaimlerChrysler beendete den Tag 1,4 Prozent fester. Deutsche Börse AG verzeichneten nach einer Hochstufung ein Plus von rund zwei Prozent. Deutsche Post rückten um 1,7 Prozent vor. Anleger honorierten damit eine Auszeichnung der Logistik-Tochter DHL in Großbritannien.
Allianz verbucht KursgewinneVersicherungstitel liefen ebenfalls über den Handelstag gut. Münchener Rück standen mit Kursgewinnen von 1,6 Prozent im Plus. Der Konzern hatte erklärt, Terroranschläge seien in Großbritannien über ein staatliches System abgedeckt, an dem der Rückversicherer nicht beteiligt sei. Daher sehe der Konzern keine Zahlungsverpflichtungen auf sich zukommen.
Allianz verbuchten Aufschläge von 2,7 Prozent. Zu möglichen Schadenssummen konnte sich das Unternehmen zwar noch nicht äußern, wie ein Sprecher von Allianz Global Risk der Netzeitung bereits am Donnerstag gesagt hatte, doch auch die Allianz geht davon aus, durch die Anschläge nicht über Gebühr belastet zu werden. Der Sprecher verwies ebenfalls auf den regierungsgestützten Terror-Pool und sagte, Ansprüche, die über den Selbstbehalt der einzelnen Anbieter hinausgingen, würden hieraus abgegolten. Der Händler ging für die Allianz von einer Schadenssumme im «einstelligen Millionenbereich» aus. Die im M-Dax geführte Hannover Rück rechnet ebenfalls damit, dass die Forderungen aus den Anschlägen «kein Großschaden» für den Konzern werden.
Tec-Dax stabilisiert GewinneDie Technologie-Titel im Tec-Dax
beendeten den Tag mit einem Plus von 2,74 Prozent bei 564,91 Punkten. An der Spitze standen nach wie vor Micronas: Hier gab es nach guten Unternehmenszahlen Kursgewinne von gut acht Prozent. Mobilcom stiegen um sechs Prozent und Freenet rückten um 5,6 Prozent vor. Beide Unternehmen einigten sich am Freitag auf eine Fusion. Web.de verbuchten Aufschläge von 1,4 Prozent. Am Vortag hatten die Aktionäre von Web.de dem Verkauf des Internet-Portals an United Internet zugestimmt. United Internet beendeten den Tag fünf Prozent fester.
Feste Tendenz an US-MärktenDie US-Märkte haben sich im Verlauf sehr fest präsentiert. Der Dow Jones stieg in der ersten Handelshälfte um 1,2 Prozent. An der Nasdaq rückte der technologielastige Composite um 1,1 Prozent vor.
Hartz will bei VW zurücktretenPeter Hartz, der Personalvorstand des Volkswagen-Konzerns
, hat seinen Rücktritt angeboten, wie VW am Freitag in Wolfsburg mitteilte. Den Angaben zufolge muss nun der Aufsichtsrat des Konzerns eine Entscheidung fällen. Nähere Angaben zu den Gründen oder zum Zeitplan machte VW zunächst nicht. Das Vorstandsmitlgied war in der Schmiergeld-Affäre beim Autokonzern unter Druck geraten.
Freenet-Chef Spoerr leitet auch MobilcomDie Vorstände der Kommunikationsunternehmen Freenet
und Mobilcom
haben sich auf die Verschmelzung beider Gesellschaften geeinigt. Wie die Unternehmen am Freitag mitteilten, soll Freenet-Chef Eckhard Spoerr die neue Gesellschaft leiten und übernimmt bis zum Vollzug der Verschmelzung den Mobilcom- Chefposten. Wie beide Unternehmen vereinbarten, sollen die Anteilseigner für eine Freenet-Aktie 1,15 Aktien der neuen Gesellschaft erhalten. Eine Mobilkom-Aktie wird in eine Aktie der neuen Gesellschaft umgetauscht. Beide Aufsichtsräte haben der Verschmelzung bereits zugestimmt. Die geplante Zahlung einer Dividende an die Freenet-Aktionäre für das Geschäftsjahr 2004 werde nicht beeinflusst, hieß es weiter.
Schickedanz baut KarstadtQuelle-Anteil ausDie Mehrheitsaktionärin des Handelskonzern KarstadtQuelle
, Madeleine Schickedanz, hat weitere Aktien erworben. Wie aus einer Mitteilung der Schickedanz-Gruppe vom Freitag hervorgeht, hat Madeleine Schickedanz in den vergangenen Tagen weitere 882 503 Stückaktien zum Preis von insgesamt 9,55 Millionen Euro gekauft. Je Aktie wurden 10,83 Euro gezahlt. Der Aktionärspool um die Quelle-Erbin hatte sich im Mai die Mehrheit an dem mitten in der Sanierung steckenden Konzern gesichert. Seitdem kauft Schickedanz schrittweise Aktien nach.
Deutscher Automarkt zieht weiter anDie Zahl der Auto-Neuzulassungen ist im ersten Halbjahr verglichen mit der Vorjahresperiode um 2,5 Prozent auf rund 1,7 Millionen gewachsen. Das teilte das Kraftfahrt-Bundesamt am Freitag in Flensburg mit. Im Juni stiegen die Neuzulassungen den Angaben zufolge zum Vorjahresmonat sogar um 8,2 Prozent an. Deutsche Marken entwickelten sich in den ersten sechs Monaten mit Zuwächsen von drei Prozent über Trend. Besonders BMW
und Audi, eine Tochter von Volkswagen
legten um 18,9 Prozent sowie 10,8 Prozent zu. Mercedes, eine Marke von DaimlerChrysler
, ließen bei den Neuzulassungen dagegen um 8,6 Prozent nach.
ThyssenKrupp trennt sich von Nutzfahrzeug-Federn-GeschäftThyssenKrupp
hat sein europäisches Nutzfahrzeug-Federn-Geschäft an die österreichische Styria Federn veräußert, wie die Konzerntochter ThyssenKrupp Automotive am Freitag in Bochum mitteilte. Verkauft würden zwei Fabriken in Portugal und Rumänien, die mit 560 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 45 Millionen Euro erzielten, hieß es.
France Telecom klagt gegen Mobilcom-BeschlüsseFrance Telecom hat die Beschlüsse der Hauptversammlung von Mobilcom
angefochten und Klage eingereicht. Das berichtete die «Financial Times Deutschland» (FTD) unter Berufung auf nicht näher benannte Kreise. Die Mobilcom-Aktionäre hatten beschlossen, Milliarden Schadenersatz für den Ausstieg der France Telecom im Jahr 2002 aus dem gemeinsamen UMTS-Projekt zu fordern. Mit der Anfechtung wolle France Telecom diese Klage nun abblocken, hieß es in der «FTD».
EU prüft Mol-Übernahme durch EonDie EU-Kommission hat Bedenken gegen die geplante Übernahme des ungarischen Gas- und Öl-Konzerns Mol durch Eon
und kündigte eine vertiefte Prüfung an. Wie die Kommission am Freitag in Brüssel mitteilte, lauteten die Bedenken, die Transaktion könne auf allen Ebenen der Gas- und Stromversorgungskette in Ungarn den Wettbewerb signifikant beeinträchtigen. Der Kommission bleiben für die Entscheidung vier Monate Zeit.
Iberia kauft 30 Airbus-JetsDie spanische Fluggesellschaft Iberia kauft 30 Flugzeuge von Airbus des Typs A320, wie Airbus am Freitag in Toulouse mitteilte. Zudem sei der Kauf mit einer Option auf weitere 49 Maschinen verbunden. Vom zweiten Quartal 2006 an sollen die Flugzeuge ausgeliefert werden. Den Angaben zufolge betreibt Iberia zurzeit bereits eine Flotte von 107 Maschinen der Tochter des EADS-Konzerns
, der im M-Dax geführt wird.
Commerzbank bekräftigt Interesse an BHWDie Commerzbank
hat ihr Interesse an einer Übernahme der Bausparkasse BHW bekräftigt. Das geht aus einer Äußerung des Bank-Chefs Klaus-Peter Müller am Donnerstagabend in Frankfurt am Main hervor. Das Interesse an der Immobilienbank AHBR, einer BHW-Beteiligung, sei dagegen nur gering: «Ein Erwerb der AHBR ist aus unserer Sicht nur mit einem anderen Investor vorstellbar», sagte Müller. Es gebe allerdings einen Partner, mit dem gesprochen werde. Neben der Commerzbank hatte die Postbank
bereits im Juni Interesse an der BHW-Übernahme bekundet.
Deutsche Exporte legen zuDeutschland hat im Mai Waren für insgesamt 63,6 Milliarden Euro exportiert. Das sei ein Anstieg um 5,3 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Im Vergleich zum April habe sich kalender- und saisonbereinigt ein Anstieg von 3,8 Prozent ergeben. Zugleich zogen den Angaben zufolge auch die Importe verglichen mit dem Vorjahresmonat um 11,1 Prozent an. Experten zufolge ist das ein Beleg für eine anziehende Binnennachfrage. Für die Handelsbilanz errechneten die Statistiker einen Überschuss von zwölf Milliarden Euro. 13 Milliarden Euro waren erwartet worden.
Terror-Pool deckt Anschlagsschäden abDer britische Terror-Versicherer Pool Re wird einem Bericht der «Financial Times» (FT) zufolge voraussichtlich den größten Teil der Schäden durch die Londoner Anschlagsserie tragen. Das Ausmaß könne noch nicht abgeschätzt werden, berichtete das Blatt am Freitag. Betroffen sei vor allem das öffentliche Nahverkehrssystem Transport for London, das über eine firmeneigene Versicherung Mitglied von Pool Re sei. Nach weit gehend terrorfreien Jahren in London habe der Konzern genügend Geld angesammelt, um die Schäden abzudecken, hieß es in der «FT». Die Vermögenswerte belaufen sich dem Blatt zufolge auf zwei Milliarden britische Pfund. (nz)