netzeitung.deAn der Börse denkt keiner an die New Economy

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Börsenparkett in Frankfurt (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Börsenparkett in Frankfurt
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auf fast 8000 Punkte kletterte der Dax und steht kurz vor einem neuen Rekord. Dass es danach zu einem Kursrutsch kommt, ist unwahrscheinlich, meint Michaela Duhr .

Nur wenig mehr als 100 Punkte trennen den Deutschen Aktienindex von seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2000 und so mancher fühlt sich an den Börsen-Hype von damals erinnert. Doch die Entwicklung ist heute weit gesünder. «Damals herrschte große Euphorie am Markt. In den Kursen war viel Wachstum eingepreist, das schlicht nicht vorhanden war», sagt Aktienhändler Ascan Iredi von der Postbank im Gespräch mit Netzeitung.de. Anleger kauften damals angeheizt durch den Internetboom Aktien von Unternehmen ohne Substanz und ohne überzeugende Strategien.

«Heute ist die Entwicklung an den Börsen substanzieller und breiter unterlegt», sagt der Experte. Die Liquidität sei enorm und es fließe noch immer sehr viel Geld in den Markt. Am Freitag setzte der Dax seinen Aufwärtstrend ungebremst fort. Am Nachmittag lag der Leitindex fast ein Prozent im Plus und nur noch rund 50 Zähler unter der psychologisch wichtigen Marke von 8000 Punkten. Am Montag begann der Handel angesichts dessen mit Gewinnmitnahmen und Abschlägen - kurze Zeit späte erreichte das Kursbarometer aber mit 8003 Punkte einen neuen Jahreshöchststand. Sein Allzeithoch hatte der Dax am 10. März 2000 mit einem Stand von 8136 Zählern markiert.

Gesunde Entwicklung
Auch Markus Hechler von Dresdner Kleinwort Wasserstein sieht große Unterschiede zu damals: «Die Entwicklung ist gesünder als vor sieben Jahren. Die Konjunktur läuft, die Unternehmen weisen solide Bilanzen aus, Umsätze und Gewinne stiegen.» Zudem beflügelten enorme Übernahmeaktivitäten die internationalen Aktienmärkte. Allein im Dax würden rund ein Drittel der 30 Unternehmen immer wieder als Übernahmekandidaten gehandelt, sagt Hechler.

Im Jahr 2000 war vieles anders: «Alle wollten dabei sein. Der New-Economy-Hype hatte alle erfasst - vom Taxifahrer bis zur Hausfrau. Selbst die 'Bild'-Zeitung berichtete über den Aktienboom», beschreibt Hechler die damalige Euphorie. Heute seien weit weniger private Investoren am Markt - und selbst die Profis agierten vorsichtig.

Alles geht sehr schnell
Hechler war im Frühjahr 2000 bereits im Aktienhandel aktiv, als die Internetblase platzte: «Der Einbruch überraschte. Wir waren geschockt», erinnert er sich. Als der Neue Markt zusammenbrach, verkauften Anleger panikartig ihre Papiere. Der Dax verlor in den darauffolgenden drei Jahren massiv. Anfang 2003 notierte er weit unter 3000 Punkten.

Dagegen sehen die beiden Experten den derzeitigen Aufwärtstrend an der Frankfurter Börse in Takt, allerdings wundern sie sich über die Schnelligkeit: «Vorsichtig stimmen muss die Geschwindigkeit, mit welcher der Dax nach oben schießt», warnt Hechler. Dennoch geht er davon aus, dass der Index zunächst die 8000er Marke überwindet. «Danach wird wohl das Allzeithoch von 8136 Punkten fallen.» Und es könne nach Ansicht von Hechler noch weiter nach oben gehen: «Auch an anderen Börsen wie in den USA wurden Allzeithochs erreicht», führt er als Begründung an.

Seit Jahresbeginn hat der Dax fast zwanzig Prozent gewonnen, allein im Mai waren es sechs Prozent. Allerdings warnt Postbank-Experte Iredi vor heftigeren Korrekturen: «Der Index testet jetzt die alten Highs. Das wird schnell gehen.» Dann wird der Dax wohl unter Druck geraten - wobei Korrektur um einige hundert Punkte nach unten dringend notwendig sei, meint Iredi.