An der Börse denkt keiner an die New Economy
«Heute ist die Entwicklung an den Börsen substanzieller und breiter unterlegt», sagt der Experte. Die Liquidität sei enorm und es fließe noch immer sehr viel Geld in den Markt. Am Freitag setzte der Dax seinen Aufwärtstrend ungebremst fort. Am Nachmittag lag der Leitindex fast ein Prozent im Plus und nur noch rund 50 Zähler unter der psychologisch wichtigen Marke von 8000 Punkten. Am Montag begann der Handel angesichts dessen mit Gewinnmitnahmen und Abschlägen - kurze Zeit späte erreichte das Kursbarometer aber mit 8003 Punkte einen neuen Jahreshöchststand. Sein Allzeithoch hatte der Dax am 10. März 2000 mit einem Stand von 8136 Zählern markiert.
Im Jahr 2000 war vieles anders: «Alle wollten dabei sein. Der New-Economy-Hype hatte alle erfasst - vom Taxifahrer bis zur Hausfrau. Selbst die 'Bild'-Zeitung berichtete über den Aktienboom», beschreibt Hechler die damalige Euphorie. Heute seien weit weniger private Investoren am Markt - und selbst die Profis agierten vorsichtig.
Dagegen sehen die beiden Experten den derzeitigen Aufwärtstrend an der Frankfurter Börse in Takt, allerdings wundern sie sich über die Schnelligkeit: «Vorsichtig stimmen muss die Geschwindigkeit, mit welcher der Dax nach oben schießt», warnt Hechler. Dennoch geht er davon aus, dass der Index zunächst die 8000er Marke überwindet. «Danach wird wohl das Allzeithoch von 8136 Punkten fallen.» Und es könne nach Ansicht von Hechler noch weiter nach oben gehen: «Auch an anderen Börsen wie in den USA wurden Allzeithochs erreicht», führt er als Begründung an.
Seit Jahresbeginn hat der Dax fast zwanzig Prozent gewonnen, allein im Mai waren es sechs Prozent. Allerdings warnt Postbank-Experte Iredi vor heftigeren Korrekturen: «Der Index testet jetzt die alten Highs. Das wird schnell gehen.» Dann wird der Dax wohl unter Druck geraten - wobei Korrektur um einige hundert Punkte nach unten dringend notwendig sei, meint Iredi.

