«Die Tabellenspitze gibt's nicht an der Börse»
07.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
«Bis auf die Aktionäre von Manchester United haben Anleger mit Fußball-Papieren kein Glück gehabt», räumt Peter-Thilo Hasler von der Münchener Investmentbank Viscardi im Gespräch mit Netzeitung.de ein. Der Club aus dem Nordwesten Englands galt lange Zeit als das Maß aller Dinge: Zeitweise hatten seine Papiere bis zu 2000 Prozent über dem Ausgabekurs gelegen. Der Club wurde allerdings vor gut zwei Jahren vom amerikanischen Multimilliardär Malcolm Glazer feindlich übernommen. An den Börsen blieb damit nur noch eine Handvoll börsennotierter Clubs, deren Aktien im Keller dümpeln.
Aktienexperte Hasler ist dennoch überzeugt, dass Fußball-Aktien nicht nur etwas für Liebhaber sind. Wirtschaften die Clubs gut, werde das auch an der Börse belohnt. «Die einzige Alternative zum Börsengang wäre außerdem ein Kredit», erläutert der Director Research bei Viscardi. «Da hat ein Börsengang durchaus seine Vorteile.»
In den meisten Fällen stamme das Club-Management noch aus der Zeit, als das Unternehmen noch als Verein organisiert war. «Erfahrung in der Unternehmensleitung haben die nicht.» Deshalb würden auch oft Funktionen vermischt, die nichts miteinander zu tun haben: «Da wird die Club-Führung gefragt, wie die Spieler sich auf dem Rasen machen. Dabei ist es gar nicht deren Aufgabe, sich zu solchen Dingen zu äußern, sondern den Club zu finanziellem Erfolg zu führen und der hängt nicht ausschließlich vom Spielerfolg ab.» Problematisch sei auch, dass in der zweiten Reihe des Managements nur noch Sachbearbeiter beschäftigt würden, «und danach kommt nichts mehr».
Die Kritik, Fußballclubs produzierten keine Werte und gehörten ohnehin nicht an die Börse, lässt Fachmann Hasler nicht gelten. «Spielerischer Erfolg und Börsennotierung haben nichts miteinander zu tun. Es gibt Clubs, die schlecht spielen, die an der Börse aber nicht abgestraft werden», sagt Hasler und erinnert an Ajax Amsterdam: Als der Club aus dem Uefa-Cup herausflog, zeigte sich die Börse unbeeindruckt. «Clubs produzieren genauso Werte wie Filmproduzenten und deren Börsengang stellt auch niemand in Frage.»
Außerdem sei ein Fan «viel fanatischer als ein Kinogänger», meint Hasler. Im Unterschied zu gewöhnlichen börsennotierten Firmen lege ein Club außerdem nahezu wöchentlich einen Unternehmensbericht vor. «Jedes Wochenende kann der Aktionär sehen, wie es dem Club geht.»
Die meisten Clubs würden das beim Börsengang eingesammelte Geld allerdings für teure Spieler oder für völlig fremde Geschäfte ausgeben: Olympique Lyon beispielsweise macht einen beachtlichen Teil seines Umsatzes nicht mit dem Ticket- oder Übertragungsrechteverkauf, sondern mit Fan-Artikeln und einem Reisebüro. Sogar ein eigenes Taxi-Unternehmen, ein Frisör und ein eigener TV-Kanal gehört zum Portfolio des französischen Clubs.
Gar nichts hält Hasler davon, mit dem Erlös aus dem Börsengang den Erfolg quasi einkaufen zu wollen. «Ein Grund für die finanziellen Probleme der Mannschaften ist, dass die Spieler anderer Clubs teuer eingekauft wurden.» Schalke habe mehr als 100 Millionen in die Hand genommen, um bei Werder Bremen zu wildern. «Ein Team sollte aber aus eigener Kraft erfolgreich sein. Die Tabellenspitze kann man sich nicht an der Börse kaufen.»

