netzeitung.de«Die Tabellenspitze gibt's nicht an der Börse»

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Ahmed Madouni (l) und Ebbe Sand (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ahmed Madouni (l) und Ebbe Sand
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Bis auf Manchester United haben alle Clubs an der Börse versagt. Warum mit der schönsten Nebensache der Welt trotzdem Geld zu verdienen ist, ließ sich Markus Scheffler erklären.

Mancher Fußballclub kämpft nicht nur auf dem Rasen um Erfolg, sondern auch auf dem Börsen-Parkett. Die Performance der börsennotierten Clubs gibt allerdings den Kritikern Recht: Geld machen lässt sich mit den Fußball-Aktien nicht. Ob BVB
, Juventus Turin oder Ajax Amsterdam – keiner der großen europäischen Clubs kommt auch nur in die Nähe des Ausgabepreises für die Aktien bei der Erstemission. Borussia Dortmund beispielsweise hatte seine Aktien vor gut sechs Jahren für elf Euro ausgegeben – derzeit kosten die Papiere gerade einmal 1,60 Euro.

«Bis auf die Aktionäre von Manchester United haben Anleger mit Fußball-Papieren kein Glück gehabt», räumt Peter-Thilo Hasler von der Münchener Investmentbank Viscardi im Gespräch mit Netzeitung.de ein. Der Club aus dem Nordwesten Englands galt lange Zeit als das Maß aller Dinge: Zeitweise hatten seine Papiere bis zu 2000 Prozent über dem Ausgabekurs gelegen. Der Club wurde allerdings vor gut zwei Jahren vom amerikanischen Multimilliardär Malcolm Glazer feindlich übernommen. An den Börsen blieb damit nur noch eine Handvoll börsennotierter Clubs, deren Aktien im Keller dümpeln.

Als Rendite-Paper nicht geeignet
Experten von Credit Suisse kamen deshalb schon vor Jahren in einer Studie zu dem Schluss, «dass Fußball-Aktien nichts für Witwen und Waisen» seien. Selbst wenn in die Führungsetagen mehr Sachverstand einzöge, würde ein «Gesundungsprozess» einige Zeit in Anspruch nehmen. Jürgen Ulamec von der Wiener Ersten Bank ist ohnehin überzeugt, dass niemand Fußball-Aktien kauft, um damit Geld zu verdienen: «Da ist sehr viel Liebhaberei dabei», meint der Analyst. «Dass jemand mit dem Ziel einer sicheren Rendite in diese Aktien investiert, ist fast unvorstellbar.»

Aktienexperte Hasler ist dennoch überzeugt, dass Fußball-Aktien nicht nur etwas für Liebhaber sind. Wirtschaften die Clubs gut, werde das auch an der Börse belohnt. «Die einzige Alternative zum Börsengang wäre außerdem ein Kredit», erläutert der Director Research bei Viscardi. «Da hat ein Börsengang durchaus seine Vorteile.»

Management überfordert
Soll der Börsengang gelingen, sei deshalb ein gutes Management erforderlich. «Das Problem ist bei den meisten Clubs, dass das Management nicht die Qualifikationen hat, die in einem mittelständischen Unternehmen erforderlich sind, um am Markt zu bestehen und um finanziell über die Runden zu kommen», klagt Hasler.

In den meisten Fällen stamme das Club-Management noch aus der Zeit, als das Unternehmen noch als Verein organisiert war. «Erfahrung in der Unternehmensleitung haben die nicht.» Deshalb würden auch oft Funktionen vermischt, die nichts miteinander zu tun haben: «Da wird die Club-Führung gefragt, wie die Spieler sich auf dem Rasen machen. Dabei ist es gar nicht deren Aufgabe, sich zu solchen Dingen zu äußern, sondern den Club zu finanziellem Erfolg zu führen – und der hängt nicht ausschließlich vom Spielerfolg ab.» Problematisch sei auch, dass in der zweiten Reihe des Managements nur noch Sachbearbeiter beschäftigt würden, «und danach kommt nichts mehr».

Wöchentlicher Unternehmensbericht
Um einen Club erfolgreich an der Börse zu halten, sei außerdem eine stabile Fangemeinschaft erforderlich. «Auf die sollte sich auch der Fokus richten, wenn der Börsengang ansteht. Für institutionelle Anleger ist ein Club nichts.»

Die Kritik, Fußballclubs produzierten keine Werte und gehörten ohnehin nicht an die Börse, lässt Fachmann Hasler nicht gelten. «Spielerischer Erfolg und Börsennotierung haben nichts miteinander zu tun. Es gibt Clubs, die schlecht spielen, die an der Börse aber nicht abgestraft werden», sagt Hasler und erinnert an Ajax Amsterdam: Als der Club aus dem Uefa-Cup herausflog, zeigte sich die Börse unbeeindruckt. «Clubs produzieren genauso Werte wie Filmproduzenten –und deren Börsengang stellt auch niemand in Frage.»

Außerdem sei ein Fan «viel fanatischer als ein Kinogänger», meint Hasler. Im Unterschied zu gewöhnlichen börsennotierten Firmen lege ein Club außerdem nahezu wöchentlich einen Unternehmensbericht vor. «Jedes Wochenende kann der Aktionär sehen, wie es dem Club geht.»

Clubs verpulvern das Geld
Hasler lehnt deshalb auch die Nebengeschäfte ab, mit denen sich einige börsennotierte Clubs verzetteln. «Wenn ein Club schon diversifiziert, sollte es etwas mit Fußball zu tun haben.» Deutsche Clubs würden zwar keine neuen Stadien bauen müssen, weil mit der WM im vergangenen Jahr die Spielstätten der großen Vereine saniert wurden. «Aber das Geld aus einem Börsengang kann beispielsweise für ein Parkhaus verwandt werden», schlägt er vor.

Die meisten Clubs würden das beim Börsengang eingesammelte Geld allerdings für teure Spieler oder für völlig fremde Geschäfte ausgeben: Olympique Lyon beispielsweise macht einen beachtlichen Teil seines Umsatzes nicht mit dem Ticket- oder Übertragungsrechteverkauf, sondern mit Fan-Artikeln und einem Reisebüro. Sogar ein eigenes Taxi-Unternehmen, ein Frisör und ein eigener TV-Kanal gehört zum Portfolio des französischen Clubs.

Gar nichts hält Hasler davon, mit dem Erlös aus dem Börsengang den Erfolg quasi einkaufen zu wollen. «Ein Grund für die finanziellen Probleme der Mannschaften ist, dass die Spieler anderer Clubs teuer eingekauft wurden.» Schalke habe mehr als 100 Millionen in die Hand genommen, um bei Werder Bremen zu wildern. «Ein Team sollte aber aus eigener Kraft erfolgreich sein. Die Tabellenspitze kann man sich nicht an der Börse kaufen.»

Bayern, Hertha und Werder sind so weit
In Deutschland hält Hasler nur eine Handvoll Clubs für börsenreif. «Bayern München ist in jeder Hinsicht so weit und lässt sich problemlos an der Börse platzieren.» Auch bei Werder Bremen würde es passen. «Schalke fällt trotz des spielerischen Erfolgs heraus, weil der Club seine Ticketeinnahmen verpfändet hat, um an Geld zu kommen.» Für einen weiteren heißen Kandidaten hält Hasler Hertha BSC. «Wir sind das einzige Land in Europa, in dem der Hauptstadt-Club nicht auf die Spitze abonniert ist.» Dabei stimme bei Hertha alles: «Der Club spielt immer oben und hat eine treue Fangemeinde.» Außerdem dürfe das enorme Einzugsgebiet der Hauptstadt nicht vergessen werden. «Gelänge Hertha der Sprung in die Champions League, würden Millionen Fans aus Berlin, dem Umland und den neuen Bundesländern ins Olympiastadion pilgern.»