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EZB könnte Börsen-Euphorie dämpfen

01. Dez 2005 11:14
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet
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Die Kursrally an den europäischen Börsen könnte sich dem Ende nähern. Die Ursache sind von EZB-Präsident Trichet geplanten Zinserhöhungen – profitieren werden die Märkte in Amerika.

Der Deutsche Aktienindex hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 25 Prozent zugelegt – der Eurostoxx 50 im gleichen Zeitraum fast 20 Prozent. Die Kursgewinne an den europäischen Börsen könnten in den kommenden Monaten aber deutlich geringer ausfallen. Grund: die Europäische Zentralbank (EZB) und die von ihr angekündigte Zinserhöhung.

Die amerikanischen Kollegen der Fed haben schon vor rund einem Jahr damit begonnen, die Zinsen in den USA schrittweise anzuheben. Von einem Tiefstand bei 1,00 Prozent wurden sie mittlerweile wieder auf vier Prozent heraufgesetzt. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die amerikanischen Aktienmärkte: Der US-Standardwerteindex Dow Jones legte in den vergangenen 52 Wochen nur um ein mageres Prozent zu, der breitere S&P 500 um knapp vier Prozent.

Morgan Stanley will mehr in USA investieren

Mehr in der Netzeitung:
Nach Berechnungen der Investmentbank Morgan Stanley sind die europäischen Börsen um 56 Prozent besser gelaufen als die Wall Street. Die Experten haben zugleich ihre Kunden informiert, dass sie das Engagement in europäischen Aktien reduzieren werden. Erwartete Zinserhöhungen durch die EZB könnten dazu führen, dass sich die Märkte in Europa künftig schlechter entwickeln, gab Morgan Stanley zur Begründung an. Gleichzeitig wollen die Banker stärker am amerikanischen Aktienmarkt zukaufen.

Die EZB hat zwar schon deutlich gemacht, dass sie keine Politik der kleinen Schritte verfolgen wird. Experten gehen aber dennoch davon aus, dass der für Donnerstag erwartete Zinsschritt nicht der einzige in den kommenden Monaten bleiben wird.

Weitere Zinserhöhungen erwartet

Hintergrund:
«Wenn das Wachstum wie derzeit erwartet bei 1,8 Prozent liegen wird, dann wird die EZB vorsichtig bleiben», meint zwar der Zentralbank-Experte Manfred Neumann im Gespräch mit der Netzeitung. Zum Jahresende 2006 könnten die Zinsen aber «bei 2,5 bis 2,75 Prozent liegen». Die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs rechnen bereits mit einem weiteren Zinsschritt um 25 Basispunkte im ersten Quartal 2006.

Der Zinserhöhungszyklus in den USA ist dagegen nahezu beendet. Die HypoVereinsbank rechnet mit zwei weiteren kleinen Schritten auf dann 4,5 Prozent. Die Experten des Instituts gehen sogar davon aus, «dass die Fed bereits Ende nächsten Jahres die Zinsen wieder senkt».

Aber nicht alle Analysten prognostizieren, dass die Zinspolitik der EZB die Aktienmärkte nachhaltig belasten wird: «Wir haben zwei kleine Zinsschritte einkalkuliert», sagte Index-Spezialist Carsten Klude von MM Warburg der Netzeitung. «Das müssten die Aktienmärkte wegstecken können.» (nz)

Dax und Dow Jones im Vergleich
 
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