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Wall Street steht unter dem Bann von Google

28. Jun 2005 12:50, ergänzt 13:43
Die Gründer der Internet Suchmaschine Google, Larry Page (l) und Sergey Brin
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Die Analysten überbieten sich derzeit gegenseitig mit immer höheren Kurszielen für die Aktien von Google. Ein Experte schließt jetzt sogar 3600 Dollar nicht aus.

Die Internetsuchmaschine Google versetzt die amerikanische Technologiebörse Nasdaq derzeit in eine Art Rauschzustand. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Analyst sein Kursziel für die Papiere des Unternehmens deutlich anhebt.

Am Montag stieg der Aktienkurs erstmals über die Marke von 300 Dollar. Zum Vergleich: Beim Börsenstart vor rund zehn Monaten war eine Google-Aktie 85 Dollar wert. Allein seit Anfang April hat die Aktie ein Plus von 67 Prozent verbucht. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 85 Milliarden Dollar ist Google mittlerweile fast so viel wert wie Ebay und Yahoo zusammen.

Argumente gehen aus

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Die Situation gleicht einem Zug von Lemmingen, die alle in die gleiche Richtung laufen und irgendwann über eine Klippe stolpern. Heath Terry, Analyst bei Credit Suisse First Boston, erhöhte das Kursziel für die Papiere jüngst auf 350 Dollar und forderte damit seine Kollegen geradezu heraus, ihn zu überbieten. Vielen Analysten gehen mittlerweile aber die Argumente aus, mit denen sie ihre Kunden überzeugen wollen, weiterhin Aktien von Google zu kaufen.

In diesem Punkt ähnelt die Situation jener der New Economy: Mit immer neuen Kurszielen und optimistischen Prognosen über die künftige Geschäftsentwicklung wurden Aktien Ende der 90er Jahre in die Höhe getrieben. In einem entscheidenden Punkt ist Google aber anders: Die Internetsuchmaschine schreibt nicht nur schwarze Zahlen, sondern ist sogar hochprofitabel. Ein Ziel, das die meisten Firmen der New Economy nie erreicht haben.

Amazon und Ebay lassen grüßen

Und Google ist längst schon keine reine Internet-Suchmaschine mehr. Zuletzt stellte das Unternehmen ein Programm zum Abspielen von Videos vor und geht damit in direkte Konkurrenz zum Marktführer Microsoft. Microsoft-Chef Steve Ballmer kündigte im Gegenzug am Montag an, in sechs Monaten mit der eigenen Suchtechnologie ähnlich gut zu sein wie Google.

Irgendwann wird aber auch Google mit seinen astronomischen Wachstumsraten an natürliche Grenzen stoßen. Für die kommenden fünf Jahre prognostizieren Analysten immerhin einen durchschnittlichen Umsatzzuwachs von 30 Prozent. Googles Wachstum werde sich unausweichlich verlangsamen, zitiert das «Wall Street Journal» am Dienstag einen Experten. Das sei schon bei Amazon und Ebay zu sehen gewesen. Plötzlich spiele dann die Bewertung der Aktie wieder eine Rolle, so der Analyst weiter. Nur: Keiner weiß, ob das morgen, in der kommenden Woche oder erst in fünf Jahren der Fall sein wird.

Kursziel 3600 Dollar

Nach Ansicht des amerikanischen Wirtschaftsmagazins «Business Week» braucht sich Google aber keine Sorgen über die Zukunft zu machen. Mit neuartigen Produkten werde Google sicherstellen, dass die Wachstumsraten weiterhin astronomisch bleiben werden, schreibt das Magazin in einer fiktiven Analyse unter dem Titel «Und morgen die Weltherrschaft». Unter anderem fantasiert «Business Week» über Wireless Bionics. Mit implantierten Chips könnte Google Zugang zu unseren Herzen, Mägen und Gehirnen erhalten und sie durchsuchen.

Auf dem Computer des Nutzers könnten dann ganz genau die letzte Mahlzeit durchsucht und die verbrauchten Kalorien ermittelt werden. Trifft der Nutzer auf der Straße einen alten Freund, an dessen Name er sich aber nicht erinnert, könne einfach eine Suche im eigenen Gehirn ausgelöst werden. Alles in allem könnte Google damit eine Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar und einen Aktienkurs von 3600 Dollar verreichen, so «Business Week». Wer bietet mehr?

 
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