netzeitung.deBörsen nehmen Regierungswechsel vorweg

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Die Ankündigung vorgezogener Bundestagswahlen hat die Börse beflügelt. Doch die Euphorie dürfte nur von kurzer Dauer sein - für Aktienexperten hat auch die Union keine Lösungen parat. Thema: Vorgezogene Bundestagswahl SPD-Linke fordert Umbesetzung des Kabinetts für Bundestagswahl Gerhardt sieht FDP an der Seite der Union SPD-Politiker kritisieren «einsame Entscheidung» Wirtschaft und Gewerkschaften für vorgezogene Bundestagswahl Ifo-Institut rechnet nicht mit schneller Stimmungsaufhellung nach NRW-Wahl Koch: Entscheidung für Merkel ist gefallen Schröder und Müntefering: Neuwahlen zum Bundestag im Herbst 2005

Die Frankfurter Börse hat mit Kursgewinnen auf die Ankündigung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) reagiert, bereits im Herbst Bundestagswahlen abzuhalten. Doch Aktienexperten erwarten, dass die Freude nur von kurzer Dauer sein wird. «Die Begeisterung hat sich schnell relativiert», sagte Marktanalyst Christian Schmidt von Helaba Trust der Netzeitung und verweist dabei auf die Börsenweisheit von Andre Kostolany: «Politische Börsen haben kurze Beine».

«Auch die CDU kann nur in gewissen Grenzen vorgehen», gab Schmidt zu Bedenken. Der Handlungsspielraum der Partei sei begrenzt. Grundsätzlich unterstelle die Börse jedoch einen Regierungswechsel im Herbst. «Das zeige sich vor allem an den Versorgern wie Eon und RWE, die am Montag zu den Gewinnern gehörten. Hier geht die Börse von einer veränderten Energie- und Atompolitik aus», erläuterte Schmidt.

CDU ohne Konzept und Kanzlerkandidaten
Ähnliche äußert sich Aktienexperte Raed Mustafa von der Baden-Württembergischen Bank: «Die CDU hat ja auch keine Lösungen parat», sagte er der Netzeitung. Die Union habe noch kein klares politisches Konzept, selbst die Kanzlerkandidatur sei noch nicht endgültig entschieden. «Dennoch hofft die Börse auf frischen Wind. Sie hofft, dass neuen Lösungen auf den Tisch kommen.» Allerdings sollte aus seiner Sicht nicht vergessen werden, dass auch die Union an Hartz IV beteiligt war.

Mustafa wertet die Gewinne der Versorger ebenfalls als Hinweis darauf, dass die Investoren von einem Machtwechsel ausgehen. Noch deutlicher zeige sich das bei den hohen Verlusten von Solaraktien. Der Aktienkurs des Solaranlagen-Herstellers Solarworld brach im Tec-Dax um fast zehn Prozent ein.

Zu schwaches Format
»Wunderbar, wir haben bald eine neue Regierung«, beschreibt Postbank-Experte Ascan Iredi die momentane Stimmung an der Börse. Die Aktienmärkte freuten sich ja eigentlich über unionsgeführte Regierungen, sagte er der Netzeitung. Doch mit Blick auf die Erwartungen der Börse an eine CDU/CSU-Regierung fügt er hinzu: «Das ist nur ein Stochern im Nebel. Das Format der CDU ist zu schwach.» Die Union beziehe keine klare Position. Dennoch rechnet Iredi mit einem Stimmungswandel im Land. Das könnte sich auch auf die Börse auswirken.

Für das Web ediert von Michaela Duhr