netzeitung.dePolitische Risiken treiben Ölpreis hoch

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Obwohl die Opec nochmals eine Förderausweitung in Erwägung zieht, hat der Ölpreis am Freitag neue Höhen erklommen. Vor allem Psychologie und Nervosität sorgten für den jüngsten Anstieg, meinen Experten.

Trotz einer Ankündigung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), eine weitere Ausweitung der Ölförderung in Erwägung zu ziehen, hat der Ölpreis in New York am Freitag die höchste Notierung aller Zeiten erreicht. Für ein im September zu lieferndes Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Light Sweet Crude wurden bis zu 44,77 Dollar gezahlt. So hoch stand die Notierung noch nie, seit der Handel mit Öl-Terminkontrakten an der Warenterminbörse Nymex 1983 aufgenommen worden war. Auch in London verteuerte sich Öl erneut: Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete bis zu 41,39 Dollar. Das ist der höchste Stand seit rund 20 Jahren.

Neue Äußerungen von Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro sorgten nicht für eine Entspannung am Markt. Am Freitag hatte Yusgiantoro, der auch indonesischer Ölminister ist, in Jakarta gesagt, das Kartell werde auf seiner nächsten regulären Sitzung Mitte September auch über eine neuerliche Ausweitung der Ölförderung sprechen. «Wir sind bereit, weitere 1,5 Millionen Barrel am Tag zu fördern», sagte der Opec-Präsident. Derzeit stößt das Kartell jeden Tag rund 30 Millionen Barrel aus.

Psychologie bewegt die Märkte
Die Äußerungen Yusgiantoros verpufften offensichtlich nach dem Hick-Hack, den das Kartell in den zurückliegenden Tagen um seine Ölforderung veranstaltet hatte. Yusgiantoro hatte zunächst bemerkt, nur Saudi-Arabien habe noch freie Ölkapazitäten, die aber erst allmählich aktiviert werden könnten. Obwohl er damit lediglich frühere Aussagen wiederholte, zog der Ölpreis deutlich an. Ebenso klar gingen die Notierungen zurück, nachdem der Opec-Präsident selbst seine Äußerungen relativierte.

Für Matthias Umlauf, Ölexperte der HSH Nordbank, sind die Opec-Statements nur deshalb wichtig, «weil sie auf einen äußerst nervösen Markt treffen». Bereits der rasche Preisverfall nach der Anhebung der Opec-Förderquote Anfang Juni habe beweisen, dass angesichts weit gehend unveränderter Fundamentaldaten die Psychologie die Märkte bewege, sagte der Analyst der Netzeitung.

Politische Lage ein «explosiver Cocktail»
«Im Moment stehen hauptsächlich politische Risiken hinter der Ölpreisentwicklung», sagte Umlauf weiter. Bestimmende Faktoren seien etwa die Gefahr einer Insolvenz und damit eines Förderstopps beim, russischen Jukos-Konzerns. Aber auch das Referendum in Venezuela, bei dem der umstrittene Präsident Hugo Chavez abgewählt werden könnte, bereite dem Markt Sorgen, weil es erneut zu Unruhen und Lieferausfällen kommen könnte.

In Nigeria sei die Situation unsicher wie immer, so der Experte weiter. Angesichts der herrschenden Nervosität gerieten alle Nachrichten von dort aber in den Fokus der Akteure. Die häufigen Anschläge in Irak täten ein Übriges: «Die Risikoprämie hat sich inzwischen auf zehn Dollar erhöht», schätzt Umlauf. Zuvor waren zwischen fünf und sieben Dollar wegen der politischen Risiken auf das Fass aufgeschlagen worden. Die vielen einzelnen Vorgänge verdichteten sich für die Marktakteure zu einem «explosiven Cocktail», fasste der Analyst zusammen.

«Kein Rückfall in die Rezession»
Fundamental sei längst bekannt, dass die Nachfrage wegen des starken Wirtschaftswachstums von allem aus den USA und China, «aber auch zunehmend aus Europa», die Versorgungslage prekär mache, sagte Umlauf weiter. Dennoch sei er «insgesamt gesehen doch noch optimistisch», dass der Preis in New York kaum über 45 Dollar je Barrel steigen werde. Im zweiten Halbjahr dürfte er sich nach Einschätzung des Experten bei rund 35 Dollar einpendeln. Schließlich ließen die Wachstumsraten in den USA und China bereits wieder nach. «Das gibt eine leicht günstigere Situation», sagte Umlauf.

Sollte dieses Szenario eintreten, sieht der Experte auch bislang keine größeren Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland. Der hohe Ölpreis werde zwar möglicherweise einige wenige Prozentpunkte Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) kosten. «Einen Rückfall in die Rezession wird es aber nicht geben», ist Umlauf überzeugt. Schlimm wäre es allerdings, wenn das derzeit hohe Preisniveau bis ins kommende Jahr hinein gehalten würde.


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