«Google ist kein konventionelles Unternehmen»
30. Apr 2004 11:04, ergänzt 15:03
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Google hat das Internet verändert – jetzt will das Unternehmen die Wall Street auf den Kopf stellen. Die Suchmaschine hat einen Börsengang der etwas anderen Art angekündigt.
Die Suchmaschine Google hat am Donnerstagabend (Ortszeit) bei der amerikanischen Börsenaufsicht (SEC) ihren von den Börsianern sehnlichst erwarteten Gang an die Börse angemeldet. Google bleibt dabei seiner Tradition treu, eben ein bisschen anders zu sein. Die mit dem Börsengang (IPO) geplante Ausgabe von Aktien im Wert von rund 2,7 Milliarden Dollar soll über eine Auktion erfolgen, die es so in den USA bisher noch nicht gegeben hat. «Google ist kein konventionelles Unternehmen. Wir haben auch nicht die Absicht, eins zu werden», so die Gründer von Google, Sergey Brin und Larry Page, in einem Brief an ihre Aktionäre.Interessierte Anleger melden sich bei den Investmentbanken, die den Börsengang betreuen, und geben an, wie viele Aktien sie zu welchem Preis erwerben wollen. Alle eingegangenen Angebote bestimmen dann eine Art «Verrechnungspreis», zu dem die Aktien letztlich ausgegeben werden sollen.
Google will vieles anders machen
Die Suchmaschine will damit gewährleisten, dass die Aktien für eine breitere Masse erwerbbar werden. Für die interessierten Anleger ist das Verfahren aber alles andere als einfach. Müssen sie doch versuchen, zu erraten, zu welchem Preis sie die gewünschten Aktien auch wirklich bekommen. Bietet jemand unter dem späteren «Verrechnungspreis», bekommt er keine Anteile. Dieser Umstand erhöht den Anreiz hohe Gebote abzugeben, und führt tendenziell zu einem höheren Ausgabekurs der Aktien. Die nahezu selbstverständlichen Kurssprünge gleich am ersten Handelstag sollen damit aber ausgeschlossen werden – dabei war gerade dies einer der zentralen Aspekte der Technologieblase Ende der 90er Jahre und ein lukratives Geschäft für Spekulanten. Mit der von Google gewählten Auktion soll auch die Rolle der Investmentbanken bei der Vergabe der Aktien minimiert werden. In der Regel sind die Konsortialbanken für die Zuteilung der Aktien an interessierte Investoren zuständig.
Gründer wollen Kontrolle behalten
Darüber hinaus will der Konzern zwei verschiedene Arten von Aktien ausgeben: So genannte Klasse-B-Papiere, die auch von den Gründern gehalten werden, besitzen deutlich mehr Stimmrechte als die A-Anteile, die im Rahmen des Börsengangs verkauft werden. Damit wollen die Gründer langfristig die Kontrolle über Google behalten. Die Ausgabe der Aktien ist aber nicht das einzige, was Google anders machen will: Der Konzern verweigert der Börse die bei vielen Unternehmen üblichen so genannten «Mid-Quarter-Updates», eine genauere Gewinnprognose für das laufende Quartal: «Ein Management, das durch eine Serie von kurzfristigen Zielen abgelenkt wird, ist so nutzlos wie ein Diät-Patient, der jede halbe Stunde auf die Waage steigt», schreiben die beiden Gründer in der Einleitung zur ihrem Börsengang.
Google ist hochprofitabel
Einiges bleibt aber immer noch im Dunkeln: Wie viele Aktien das Unternehmen ausgeben und an welcher Börse das Unternehmen eigentlich gelistet werden will. Der Börsengang von Google ist der größte in den USA seit 1999 und gilt auch als Test für das Stehvermögen der Aktienmärkte, die gerade in Amerika in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen sind.Mit der Anmeldung des IPOs wurde aber ein bisher streng gehütetes Geheimnis des Konzerns offengelegt: die Bilanz. Google war demnach seit 2001 nicht nur gewinnbringend, sondern sogar hochprofitabel. Der Konzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 962 Millionen und einen Nettogewinn von 106 Millionen Dollar. Ungeachtet der Größe, die das Unternehmen mittlerweile erreicht hat, wächst es noch wie eine junge Start-Up-Firma. Im vergangenen Jahr wurde der Umsatz mehr als verdoppelt. Die Mitarbeiterzahl liegt bei mehr als 1900. Analysen bezeichneten die Bilanz als «atemberaubend».
Mit den Details zum Börsengang verschwieg der Konzern aber auch nicht mögliche Risiken, die in der Zukunft auf Google warten. Die Konkurrenten Microsoft und Yahoo versuchen derzeit unter Aufwendung massiver Ressourcen, eine mit Google konkurrenzfähige Suchmaschine auf den Markt zu bringen.
Gründer werden reich
Google warnte laut einem Bericht des «Wall Street Journal» (WSJ) speziell vor der Möglichkeit, dass Microsoft seine Word-Software so programmieren könnte, dass Google die Word-Dokumente nicht mehr mit der Technologie des Konzerns «durchsuchen» kann. 2011 läuft zudem die Kernlizenz für ihr Patent auf die Suchtechnologie aus. Das Patent gehört der Universität Stanford, wo die beiden Gründer studiert haben.Eins wird auch beim Börsengang von Google nicht anders sein als bei den IPOs anderer erfolgversprechender Technologie-Konzerne in der Vergangenheit: Die Gründer werden reich. Brin und Page besitzen derzeit jeweils rund 15 Prozent der Anteile von Google. Wird der Konzern – wie von den meisten Experten geschätzt – mit rund 25 Milliarden Euro bewertet, entspräche dies rund vier Milliarden Euro.
Für das Web ediert von Marcus Gatzke