«Google ist kein konventionelles Unternehmen»
Interessierte Anleger melden sich bei den Investmentbanken, die den Börsengang betreuen, und geben an, wie viele Aktien sie zu welchem Preis erwerben wollen. Alle eingegangenen Angebote bestimmen dann eine Art «Verrechnungspreis», zu dem die Aktien letztlich ausgegeben werden sollen.
Dieser Umstand erhöht den Anreiz hohe Gebote abzugeben, und führt tendenziell zu einem höheren Ausgabekurs der Aktien. Die nahezu selbstverständlichen Kurssprünge gleich am ersten Handelstag sollen damit aber ausgeschlossen werden dabei war gerade dies einer der zentralen Aspekte der Technologieblase Ende der 90er Jahre und ein lukratives Geschäft für Spekulanten. Mit der von Google gewählten Auktion soll auch die Rolle der Investmentbanken bei der Vergabe der Aktien minimiert werden. In der Regel sind die Konsortialbanken für die Zuteilung der Aktien an interessierte Investoren zuständig.
Die Ausgabe der Aktien ist aber nicht das einzige, was Google anders machen will: Der Konzern verweigert der Börse die bei vielen Unternehmen üblichen so genannten «Mid-Quarter-Updates», eine genauere Gewinnprognose für das laufende Quartal: «Ein Management, das durch eine Serie von kurzfristigen Zielen abgelenkt wird, ist so nutzlos wie ein Diät-Patient, der jede halbe Stunde auf die Waage steigt», schreiben die beiden Gründer in der Einleitung zur ihrem Börsengang.
Mit der Anmeldung des IPOs wurde aber ein bisher streng gehütetes Geheimnis des Konzerns offengelegt: die Bilanz. Google war demnach seit 2001 nicht nur gewinnbringend, sondern sogar hochprofitabel. Der Konzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 962 Millionen und einen Nettogewinn von 106 Millionen Dollar. Ungeachtet der Größe, die das Unternehmen mittlerweile erreicht hat, wächst es noch wie eine junge Start-Up-Firma. Im vergangenen Jahr wurde der Umsatz mehr als verdoppelt. Die Mitarbeiterzahl liegt bei mehr als 1900. Analysen bezeichneten die Bilanz als «atemberaubend».
Mit den Details zum Börsengang verschwieg der Konzern aber auch nicht mögliche Risiken, die in der Zukunft auf Google warten. Die Konkurrenten Microsoft und Yahoo versuchen derzeit unter Aufwendung massiver Ressourcen, eine mit Google konkurrenzfähige Suchmaschine auf den Markt zu bringen.
Eins wird auch beim Börsengang von Google nicht anders sein als bei den IPOs anderer erfolgversprechender Technologie-Konzerne in der Vergangenheit: Die Gründer werden reich. Brin und Page besitzen derzeit jeweils rund 15 Prozent der Anteile von Google. Wird der Konzern wie von den meisten Experten geschätzt mit rund 25 Milliarden Euro bewertet, entspräche dies rund vier Milliarden Euro.
Für das Web ediert von Marcus Gatzke

