Nach Wahlsieg:
Frankfurter Börse feiert keine Obama-Party
05. Nov 2008 09:14, ergänzt 15:01
 |  Aktienhändler in Frankfurt nach dem Sieg von Barack Obama | Foto: dpa |
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Während Asiens Börsen nach dem Obama-Sieg nach oben schossen, zeigt sich der Frankfurter Markt verhalten. «Die Börse hat ihr Freudenfeuer schon vor der US-Wahl abgebrannt», erklärte ein Experte das Dax-Minus.
Die deutschen Aktienindizes sind am Mittwoch nach den Präsidentschaftswahlen in den USA bis zum Mittag kontinuierlich abgebröckelt. Der deutsche Leitindex Dax stand am Mittag knapp zwei Prozent tiefer bei 5175 Punkten, der M-Dax sackte um 3,6 Prozent auf 5874 Zähler ab. Der Tec-Dax verlor unter der Last schwacher Solarwerte 4,1 Prozent auf 576 Punkte.
«Die Börse hat ihr kleines Freudenfeuer schon in den Tagen vor der US-Wahl abgebrannt», sagte Klaus Schrüfer, Aktienmarkt-Experte der SEB Bank. Die positiven Effekte des Machtwechsels seien in den jüngsten Kursgewinnen bereits enthalten gewesen. «Die Party wurde an den Börsen bereits vor der Wahl gefeiert – nun muss Obama zeigen, dass er sein Moto 'yes, we can!' auch umsetzt», sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baaderbank. Börsianer warteten nun erstmal ab, wie sich die Lage entwickele.Die Versprechen könnten nur mit weiteren massiven Aufbauspritzen umgesetzt werden und das dürfte auch Irritationen auslösen, sagte Halver. Nach der Party kehre wieder Realismus ein. Grundsätzlich sei der Wahlsieg von Obama aber für die Börse im Vergleich zum Kontrahenten John McCain zu begrüßen, da eher eine Stimmungsverbesserung bei den Konsumenten zu erwarten ist. Mit Obama verbinde sich ähnlicher Optimismus wie mit Ronald Reagan 1980, weil nach einer Krise ein Neuanfang gestartet werden kann.
Infineon rutschten bis zum Mittag mit minus 12,3 Prozent ans Dax-Ende. Händler verwiesen auf schwache Zahlen von Elmos Semiconductor als Belastung. Der Halbleiterhersteller hat wegen der Krise der Automobilhersteller einen deutlichen Rückgang des Auftragseingangs zum Ende des dritten Quartals hinnehmen müssen. Aktien der Deutschen Börse sackten nach an sich positiven Zahlen um 4,1 Prozent ab. Nach der jüngsten Kursrally gebe es Gewinnmitnahmen, erläuterten Händler.
Asiatische Börsen jubeln
Die Frankfurter Börse war nicht die einzige in Europa, an der die Obama-Euphorie ausblieb. In London verlor der wichtigste Index FTSE100 bis zum Mittag rund 1,7 Prozent, in der Schweiz gab der Swiss Market Index (SMI) um 1,1 Prozent nach. Die Börsen in Asien hatten zuvor dagegen kräftig zugelegt: Der japanische Nikkei-Index gewann bis Handelsschluss 4,5 Prozent auf 9521 Punkte hinzu. Der Hang-Seng in Hongkong schoss 3,2 Prozent in die Höhe.Investoren in Asien hoffen, dass der gewählte US-Präsident Obama die enormen wirtschaftspolitischen Probleme der USA in Angriff nehmen wird, die Vereinigten Staaten sind ein wichtiger Exportmarkt. «Obamas Sieg ist ein Vorwand für die Marktrally», sagte Frank Gong von JP Morgan Securities in Hongkong. Der Wahlausgang sorge kurzfristig für Vertrauen.
Grundsätzlich stehe hinter der besseren Stimmung an den Märkten aber die Beruhigung der Finanzmarktkrise. «Den Präsidenten zu wechseln reicht nicht, um die US-Wirtschaft zu retten», warnte Chefvolkswirt von Mitsubishi UFJ Securities, Kazuo Mizuno vor übertriebener Euphorie. Selbst der Präsident könne die USA nicht ohne Hilfe anderer Länder ändern.
Gewinnmitnahmen drücken Ölpreis
Auf den Ölpreis hatte der Wahlausgang kaum Auswirkungen: Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte WTI zur Auslieferung im Dezember fiel auf 68,68 Dollar. Das waren 1,85 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Dezember sank um 1,51 Dollar auf 64,93 Dollar.Die Preisentwicklung sei in erster Linie auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen, nachdem die Ölnotierungen am Vortag um über sieben Dollar zugelegt hatten, sagten Händler. Der gefallene Dollarkurs und steigende Aktienmärkte hatten am Dienstag den US-Ölpreis zeitweise über 71 Dollar klettern lassen. Auch die Aussicht auf einen Wahlsieg Obamas hatte die Märkte Händlern zufolge schon im Vorfeld beflügelt.
Insgesamt habe sich das schlechte fundamentale Umfeld für den Ölmarkt durch den Wahlsieg des demokratischen Kandidaten aber nicht verändert, schreibt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Die am Nachmittag zur Veröffentlichung anstehenden wöchentlichen US-Rohöllagerbestände dürften um eine Million Barrel gestiegen sein. Dies wäre der sechste Wochenanstieg in Folge und laut Weinberg ein Indiz für eine anhaltend schwache Ölnachfrage in den USA. (dpa/AP)