Reaktion auf Kurssprünge:
Börse beschneidet Einfluss von VW im Dax
29. Okt 2008 09:00
 |  Börsensaal in Frankfurt | Foto: dpa |
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Der Marktbetreiber reagiert auf den exorbitanten Kurssprung von VW, der den Dax durcheinandergewirbelt hatte: Der Autobauer hat künftig weniger Gewicht im Index. Porsche hat auch eine Maßnahme zur Kursberuhigung angekündigt.
Die Deutsche Börse hat nach heftiger Kritik reagiert und beschlossen, den Anteil von Volkswagen im Leitindex Dax zu reduzieren. Ab Montag sollen die VW-Stammaktien maximal ein Gewicht von zehn Prozent haben, entschied der Marktbetreiber am späten Dienstagabend bei einer außerordentlichen Anpassung des wichtigsten deutschen Börsenbarometers.
Die VW-Aktie hatte am Montag und Dienstag exorbitante Kurssprünge gemacht und damit auch den Dax kräftig nach oben getrieben, obwohl VW der einzige Titel im Index war, der Gewinne verzeichnete. Am Montag hatten Volkswagen um fast 147 Prozent zugelegt, am Dienstag schloss sie mit einem Plus von 82 Prozent bei 945 Euro. Zeitweise kostete sie über 1000 Euro. Am Dienstagabend hatte der Anteil von Volkswagen am Dax 27 Prozent betragen.Das Börsenbarometer Dax soll allerdings den Wert aller 30 bedeutendsten deutschen Aktiengesellschaften repräsentieren. In der Regel wird die sogenannte Kappungsgrenze von maximal zehn Prozent pro Firma nur alle drei Monate kontrolliert, der massive Kursanstieg der VW-Aktie löste nun aber eine außerordentliche Anpassung aus.
Hedgefonds kalt erwischt
Hintergrund der Kursexplosion: Am Wochenende hatte VW-Großaktionär Porsche mitgeteilt, dass der Konzern bereits mehr als 70 Prozent der Anteile besitzt oder Optionen darauf hält. Davon wurden vor allem zahlreiche Hedgefonds überrascht, die auf sinkende Kurse gewettet hatten. Sie haben nun Schwierigkeiten, ihre von anderen Investoren ausgeliehenen und dann verkauften Aktien zurückzuerwerben. Dies trieb die Kurse unabhängig vom fundamentalen Wert der Firma in astronomische Höhen. Der hohe Anteil von Volkswagen am Dax machte aber auch anderen Investoren wie etwa normalen Fonds zu schaffen, die ihre Leistung in der Aktienauswahl an der Entwicklung des Dax messen. Fonds, die wegen der extrem hohen Bewertung der Volkswagen-Aktien kaum Volkswagen-Papiere im Depot hatten, schnitten bei dem massiven Anstieg der Volkswagen-Aktien vergleichsweise schlecht ab.
Porsche wirft VW-Aktien auf den Markt
Auch der Index-Anbieter Stoxx entschied am Dienstagabend, den Anteil von Volkswagen im EuroStoxx 50 zu reduzieren. Für die Berechnungen werde von Freitag an unterstellt, dass der frei handelbare Anteil von Volkswagen-Stammaktien nur noch gut 37 statt bisher knapp 50 Prozent betrage. Obwohl die Indexüberprüfung normalerweise nur quartalsweise erfolge, hätten die Gremien des Unternehmens entschieden, nun eine Ausnahme zu machen. Der Euro Stoxx ist das wichtigste Börsenbarometer in der Eurozone.Derweil kündigte Porsche an, zur Beruhigung der Börse Volkswagen-Aktien auf den Markt zu bringen. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Stuttgart mitteilte, sollen je nach Marktlage Kurssicherungsgeschäfte in Höhe von bis zu fünf Prozent der VW-Stammaktien aufgelöst werden. Dieser Schritt erhöht den Streubesitz der Wolfsburger wieder. Zugleich betonte Porsche, die Kursturbulenzen bei VW-Stammaktien seien von Leerverkäufern zu verantworten. Das Unternehmen sei während dieser Kursbewegungen nicht im Markt aktiv gewesen und habe die kapitalmarktrechtlichen Vorschriften zu jeder Zeit beachtet. Damit reagierte Porsche auf Vorwürfe der Kursmanipulation. (nz/dpa)