Deutsche Börse macht die Ausnahme: 

netzeitung.deExtremer VW-Kurssprung treibt Dax ins Plus

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Broker an der Frankfurter Börse (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Broker an der Frankfurter Börse
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Anleger von Tokio bis Frankfurt kehren den Börsen den Rücken. Die Panik sei «rational nicht mehr erklärbar», meinen Händler. Der Dax legte am Montag dagegen leicht zu - schuld ist der 147-prozentige Sprung einer Aktie.

An den Börsen wird bekanntlich die Zukunft gehandelt – und wird derzeit offenbar nicht besonders rosig gesehen, wenn man sich die Kursstürze betrachtet. Die Finanzkrise hat die Welt fest im Griff, und in so manchem Land, das bislang noch dachte, einigermaßen ungeschoren davonzukommen, kehrt jetzt die Einsicht ein, dass die Krise doch keinen Bogen herum macht.

Beispiel Japan: Dort herrschte zunächst die Hoffnung, die Großbanken wären von der Finanzkrise kaum betroffen. Doch mitnichten. Am Montag berichteten japanische Medien, mehrere große Institute, darunter Japans Megabank Mitsubishi UFJ, planten angesichts des Werteverfalls ihrer Aktienbestände Kapitalerhöhungen. Die Nachricht war ein weiterer «Schlag in die Magengrube» der Investoren, wie ein Analyst in Tokio sagte. Die Meldungen brachten Finanzwerte zum Wochenstart kräftig unter Druck.

Zugleich stieg der Yen weiter, nachdem die japanische Währung bereits am Freitag den höchsten Stand seit 13 Jahren erreicht hatte. Die Aufwertung belastet die exportorientierte japanische Wirtschaft. Wegen des starken Yen hat etwa der Drucker- und Kamerahersteller Canon seine Gewinnerwartung deutlich nach unten revidiert. Zuvor hatte auch Sony eine Gewinnwarnung abgegeben. Der Nikkei-Index stürzte am Montag auf den tiefsten Stand seit 1982 und schloss mit einem Minus von 6,4 Prozent bei 7162,90 Punkten.

Inzwischen hat sich sogar die Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G7) besorgt über den rapiden Yen-Anstieg geäußert. Womöglich weitet sich die Finanzkrise zu einer Währungskrise aus. Am Devisenmarkt hoffen die Händler jetzt auf eine Intervention der Regierung, nämlich den Verkauf von Yen, um den Kurs zu drücken. Ministerpräsident Taro Aso kündigte am Montag Maßnahmen zur Stabilisierung der Märkte an. Dazu gehört die Erhöhung der geplanten staatlichen Mittel zur Rekapitalisierung von Banken.

Angst vor Rezession verjagt Anleger
Andere asiatische Börsen gingen ebenfalls weiter in die Knie: So stürzte der Hang Seng in Hongkong um fast 13 Prozent ab. Die schlechten Vorgaben aus Asien drückten auch die Aktienkurse in Europa ins Minus. Denn auch dort wird die Zukunft gehandelt – und die heißt derzeit «Rezession». Als jüngsten Beleg dafür werten die Börsianer den am Montag vorgelegten Ifo-Geschäftsklimaindex, der noch hinter den schwachen Erwartungen zurückblieb. Unternehmen sorgen sich um eine restriktivere Kreditvergabe, skeptische Ökonomen warnen bereits, die Rezession könnte schwerer und länger werden als die zu Beginn dieses Jahrzehnts und Anfang der 90er Jahre.

Die Angst vor deutlich schlechteren Geschäften belastet seit Tagen die Aktien in London, Paris, Zürich und Frankfurt, viele Anleger steigen angesichts der düsteren Lage aus. Das belegen die Kursbewegungen zum Wochenstart: Daimler plant einen vierwöchigen Produktionsstopp – die Aktie verliert 9,2 Prozent. Die Deutsche Post senkt wegen des Abschwungs ihre Gewinnprognose für 2008 und zieht ihre bisherige Erwartung für 2009 zurück – der Aktienkurs fällt um über 17 Prozent.

Zudem legte die Postbank schwache Quartalszahlen vor und muss ihr Kapital um mindestens eine Milliarde Euro erhöhen. Die Aktie schloss mit einem Minus von 24 Prozent. Bankaktien wiesen die größten Abschläge auf: Deutsche Bank büßten 15 Prozent ein, Commerzbank verloren 17,5 Prozent. Allianz und Hypo Real Estate zeigten Abschläge von je 14,1 Prozent.

Extremer Kurssprung bei VW verhindert Dax-Einbruch
Allerdings hob die relativ stabile Entwicklung an den US-Börsen am Nachmittag die Stimmung ein wenig. In Paris schloss der Hauptindex CAC40 rund vier Prozent schwächer, nachdem er zuvor zeitweise sechs Prozent nachgegeben hatte. Der Londoner Index FTSE100 ging um knapp ein Prozent nach unten, nach einem Minus von zeitweise fast fünf Prozent. An der Schweizer Börse fiel der Swiss Market Index (SMI) um 3,1 Prozent. Der EuroStoxx50 verlor 1,7 Prozent.

«Die Welt erlebt eine Finanzkrise von gigantischem Ausmaß», heißt es im Marktkommentar der Zürcher Kantonalbank. Eine Rückkehr des Vertrauens sei im Moment schwierig voraussehbar. Im Moment dominierten an den Finanzmärkten die Verkäufer. Vermutlich sei unter ihnen auch eine beträchtliche Zahl, die zum Verkauf gezwungen sind. Gängige Bewertungsindikatoren signalisieren den Angaben zufolge schon längst eine deutliche Übertreibung nach unten. «Wir sehen eine gewisse Panik am Markt, die rational nicht mehr erklärbar ist», sagte auch Marktstratege Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank. «Es wird alles liquidiert, was geht.»

Dass der Dax am Montag indes mit einem Plus von 0,91 Prozent bei 4334,64 Punkten aus dem Handel ging, lag am deutlichen Kurssprung der VW-Aktie. Das Papier schoss um 146,62 Prozent auf 520 Euro nach oben – dahinter steckten offenbar Spekulanten, die jetzt panikartig leer verkaufte Bestände zurückkaufen, wie ein Händler erklärte. Porsche hatte mitgeteilt, bereits 74,1 Prozent der VW-Aktien direkt oder über Optionen zu besitzen. Daraufhin setzte ein Run auf die noch knapp 6 Prozent im Streubesitz verfügbaren Aktien ein. Ohne den VW-Auftrieb wäre der Dax laut Händlern unter die 4000-Punkte-Marke gefallen und hätte neun Prozent verloren.


Für das Web ediert von Matthias Breitinger