Rettungspläne bringen Vertrauen: 

netzeitung.deDax und Dow Jones im Höhenflug

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Händler an der Wall Street (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Händler an der Wall Street
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Rettungs-Rekordsummen mit denen Regierungen auf der ganzen Welt die Finanzmärkte beruhigen wollen, haben Wirkung gezeigt. Der Dax schloss mit dem höchsten Anstieg seiner Geschichte, der Dow Jones schnellte kurz vor Handelsschluss um 800 Punkte in die Höhe.

Der weltweite Schulterschluss im Kampf gegen die Finanzmarktkrise hat die dramatische Talfahrt an den Börsen vorerst gestoppt. Rund um den Globus begannen die Anleger am Montag wieder Vertrauen zu fassen, nachdem Europa unter Führung Deutschlands und Frankreichs ein beispielloses Sicherheitsnetz gespannt hatte.

Um die deutsche Finanzwirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren, brachte die Bundesregierung ein 470 Milliarden Euro umfassendes Rettungspaket auf den Weg. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy stellt Hilfen von 360 Milliarden Euro bereit. Großbritannien greift mit umgerechnet 763 Milliarden Euro ein.

Von Asien über Europa bis nach Amerika stiegen die Kurse deutlich an, getrieben vor allem von den zuletzt arg gebeutelten Finanzaktien. Der Deutsche Aktienindex Dax schloss mit dem höchsten prozentualen Tagesanstieg seiner Geschichte und stieg wieder über die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten. Der Dow-Jones-Index schnellte kurz vor Börsenschluss um 800 Punkte in die Höhe und schloss mit 9399 Punkten mit einem Plus von 11,2 Prozent. Bereits kurz nach Eröffnung der Wall Street war der US-Leitindex um 400 Punkte gestiegen. Der Dow-Jones-Index in New York und der Dax hatten in der vergangenen Woche jeweils etwa ein Fünftel ihres Wertes verloren.

Europa spendabler als die USA
Allein die Regierungen in Berlin, Paris und London mobilisierten zusammen dreimal soviel Geld wie die Führung der USA, wo die Krise wegen des Zockens mit faulen Hypothekenkrediten ihren Anfang genommen hatte. Die US-Regierung will der heimischen Finanzbranche mit 700 Milliarden Dollar (512 Mrd Euro) zur Hilfe kommen. US-Präsident George W. Bush zeigte sich zuversichtlich, dass die Industriestaaten in enger Zusammenarbeit die gegenwärtigen Wirtschaftsprobleme lösen können. Er pries in Washington die «mutigen» Aktionen der europäischen Länder zur Lösung der Finanzkrise.

Das abgestimmte Vorgehen war am Wochenende vom Treffen der 185 Mitgliedsländer des Internationalen Währungsfonds in Washington und der 15 Staats- und Regierungschefs der Eurozone in Paris ausgegangen. Das Kabinett in Berlin entschied in einer Sondersitzung nach einer nächtlichen Beratungsrunde, in die sich neben Merkel auch Finanzminister Peer Steinbrück und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (beide SPD) eingeschaltet hatten.

Merkels Erwartung an die Banken
Die Krise der Finanzmärkte soll auch im Mittelpunkt des Brüsseler EU-Gipfels in dieser Woche stehen. In seiner Einladung an die europäischen Staats- und Regierungschefs schrieb der französische Präsident und Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy: «Die Europäer erwarten von uns klare Entscheidungen und Botschaften zu unserer Entschlossenheit, kurz- und mittelfristig die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Stabilität des europäischen Finanzsystems abzusichern».

Merkel sprach von einem «ersten Baustein für eine neue Finanzmarkt-Verfassung». Im Eilverfahren soll das Gesetz die politischen Instanzen durchlaufen und schon Ende der Woche unter Dach und Fach sein. Mehrere Bundesländer, unter anderem Bayern, kündigten Widerstand an. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen sie ein gutes Drittel des Rettungspakets absichern.

Nun ist aus Sicht Merkels die Finanzindustrie am Zuge. «Ich erwarte von den Banken eine kritische Analyse dessen, was dort stattgefunden hat, und auch, dass sie einen Beitrag dazu leisten, welche Lehren wir daraus ziehen sollen», sagte sie in einem ZDF- Interview am Montagabend in Berlin. «Es sind Exzesse in den Märkten gewesen und vielleicht auch immer noch. Es sind Risiken eingegangen worden, die nicht vertretbar sind.»

Ernste Konsequenzen
Für die deutsche Wirtschaft hat die Rettungsaktion ernste Konsequenzen. Merkel stellte das Ziel ihrer Regierung in Frage, den Bundeshaushalt bereits 2011 ohne neue Schulden aufzustellen. Sie sicherte zu, Investitionen und Sozialleistungen nicht kürzen zu wollen. Die Kanzlerin deutete ferner an, die Regierung könnte in dieser Woche ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2009 von bisher 1,2 Prozent deutlich nach unten korrigieren.

Die Bundesbank lobte die Maßnahmen als solide Grundlage, um das deutsche Finanzsystem zu stabilisieren und die Vertrauenskrise an den Finanzmärkten einzudämmen. Die Europäische Zentralbank und die US- Notenbank sicherten zu, die Geldmärkte in Europa künftig unbegrenzt mit Dollar, der weltweit wichtigsten Leitwährung, zu versorgen. Deutschlands größte Banken, die Deutsche Bank und die Commerzbank, begrüßten das Paket.

Befristet bis Ende 2009
Das deutsche Maßnahmenbündel sieht vor allem Garantien für Kredite und direkte Finanzspritzen für die Banken vor. Es ist bis Ende 2009 befristet. Die endgültige Verabschiedung des Gesetzes ist für Freitag vorgesehen. Wo der der Staat einsteigt, müssen Manager damit rechnen, das die Regierung bei der Geschäftspolitik und den Manager-Gehältern entscheidend mitredet.

Für IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ist der Höhepunkt der Krise überschritten. «Dank der beschlossenen Maßnahmen liegt das Schlimmste vielleicht schon hinter uns», sagte er. Der Pariser Krisengipfel habe gezeigt, dass Europa gemeinsam handeln könne. «Es ist unbedingt nötig, das ganze (Finanz-)System zu reformieren.»

Spanien stockt auf
Spanien stockte seinen Notplan um 100 Milliarden Euro auf. Die Regierung in Madrid hatte bereits einen Fonds von bis zu 50 Milliarden Euro beschlossen, um Banken Finanzspritzen zu gewähren. Österreich schnürte ein 100 Milliarden Euro schweres Sicherungspaket. Bis zu 85 Milliarden Euro sind staatlichen Garantien, um Vertrauen zwischen den Banken wiederherzustellen. Das italienische Kabinett billigte per Dekret ebenfalls ein Paket. «Wir werden so viel zur Verfügung stellen, wie nötig ist», sagte Wirtschaftsminister Giulio Tremonti in Rom. Zusätzlich zu einem Nothilfepaket von 20 Milliarden übernahmen die Niederlande eine staatliche Bürgschaft für Kredite zwischen den Banken in Höhe von 200 Milliarden Euro.

Die britische Regierung nutzte erstmals ihren finanziellen Spielraum und stieg bei drei taumelnden Bankenriesen als neuer Großaktionär ein. Für die Royal Bank of Scotland (RBS) stehen Steuergelder von 20 Milliarden Pfund (25 Milliarden Euro) zur Verfügung. (dpa, nz)