Krise an den Börsen: 

netzeitung.deUS-Rettungsplan nach Vorbild der 80er Jahre

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Plant etwas schon dagewesenes: Paulsen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Plant etwas schon dagewesenes: Paulsen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die systemischen Risiken in den Kapitalmärkten sollen angegangen werden: Die US-Regierung deutet eine umfassende Auffanglösung für die Finanzbranche an - und die Börsen atmen auf.

Rettung in Sicht: Nach der dramatischen Zuspitzung der Finanzmarktkrise deuten sich noch weitreichendere Rettungsbemühungen der US-Regierung an. Medienberichten zufolge wird eine Auffanglösung für die gesamte amerikanische Finanzbranche erwogen. US- Finanzminister Henry Paulson arbeite an einem Plan zur Übernahme von notleidenden Vermögenswerten der Institute, berichtete der US- Wirtschaftssender CNBC.

Paulson und US-Notenbankchef Ben Bernanke berieten am Donnerstag bereits mit Vertretern des US-Kongresses und der Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, über das Vorgehen. Die amerikanischen Aktienmärkte reagierten mit einem Kursfeuerwerk.

Die Krise lösen
Die Regierung wolle sich zunächst der Unterstützung des Kongresses versichern, bevor sie das Vorhaben weiterverfolge, hieß es. «Wir beschäftigen uns mit einem Ansatz, die systemischen Risiken in den Kapitalmärkten anzugehen», sagte Paulson nach den Treffen in Washington. «Wir sprachen über eine umfassende Herangehensweise, die per Gesetz das Problem der nicht-liquiden Vermögenswerte in den Bilanzen bewältigen soll.» Bernanke beschrieb die Gespräche im Kongress als «sehr, sehr positiv». Er freue sich auf eine enge Zusammenarbeit mit den Abgeordneten, «um die Finanzkrise zu lösen».

Pelosi sagte: «Wir hoffen, sehr schnell voranzukommen. Tempo ist entscheidend.» Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sagte, er erwarte einen Vorschlag binnen Stunden.

Das Modell der Resolution Trust Corp.
Die Auffanglösung soll sich an dem Modell der Resolution Trust Corp. orientieren, das die Regierung Ende der 80er Jahren nach dem Zusammenbruch mehrerer Spar- und Darlehenskassen erfolgreich zur Bekämpfung der damaligen Finanzkrise einsetzte. Die 1989 vom Kongress gegründeten RTC versetzte den Staat in die Lage, Grundvermögen, Hypotheken und andere Anlagen im Gesamtwert von 394 Milliarden Dollar zur Stützung des Marktes zu kaufen, die aus dem Bestand hunderter zusammengebrochener Spar- und Darlehensbanken stammten. Die RTC verkaufte die erworbenen Vermögen über Jahre hinweg und wurde schließlich aufgelöst.

Der Sender berief sich auf Informationen von der Wall Street nach entsprechenden Gesprächen mit Paulson. In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach riskante Papiere und «faule Kredite» gebündelt werden, die den Unternehmen derzeit massive Probleme bereiten.

Eher bereit Geld zu verleihen
Eine solche Lösung würde nach Ansicht ihrer Befürworter die Bilanzen der Banken von Lasten befreien und ihnen einen normalen Geschäftsbetrieb ermöglichen. Auch müssten nicht mehr wie bisher Rettungsaktionen für einzelne Geldhäuser gestartet werden. In der Folge wären Banken eher bereit, Geld zu verleihen. «Das würde echtes Vertrauen in die Märkte zurückbringen», sagte der Chef der US- Investmentgesellschaft Lightyear Capital, Donald Marron, dem Sender.

In Reaktion auf die mögliche Auffanglösung kletterte der Dow- Jones-Index zum Handelsschluss um 3,86 Prozent auf 11 019,69 Punkte. Der S&P-500-Index gewann 4,33 Prozent auf 1206,51 Punkte. Der NASDAQ- Index kletterte am stärksten, und zwar um 4,78 Prozent auf 2199,10 Punkte. Auch die asiatische Leitbörse in Tokio legte zu Handelsbeginn am Freitag zu.

Hilft vielleicht auch Stanley
Der Rettungsplan könnte auch der um ihre Zukunft ringenden US- Investmentbank Morgan Stanley helfen. Das Traditionshaus verhandelt derzeit laut Medien einerseits mit dem viertgrößten US-Finanzkonzern Wachovia über eine Fusion. Parallel versuche die Bank aber weiter, ihre Unabhängigkeit zu retten - womöglich mit Kapital von Chinas Staatsfonds CIC. Dieser könnte seine Beteiligung von bereits zehn auf bis zu knapp 50 Prozent aufstocken.

Die US-Justiz geht unterdessen wegen der Börsenturbulenzen verschärft gegen Spekulanten vor. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo kündigte umfassende Ermittlungen zu böswillig gestreuten Gerüchten und illegalen Praktiken bei Börsenwetten auf fallende Kurse an. Heftige Kursstürze hatten zuletzt Investmentbanken und den US- Versicherer AIG an den Rande des Abgrunds getrieben oder wie im Fall von Lehman Brothers sogar in die Insolvenz gestürzt. (dpa/AP)