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Dax-Jubiläum: 

Ein Wirtschafts-Gradmesser wird 20

01. Jul 2008 14:07
Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse
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Vor 20 Jahren endete das Index-Wirrwarr: Der Dax wurde als deutsches Börsenbarometer etabliert. Dass es inzwischen Dutzende weitere Indizes mit den drei Buchstaben gibt, stößt nicht nur auf Wohlwollen.

Er gehört zum Finanzplatz Frankfurt wie Bulle und Bär: Der Dax hat sich zu einem der wichtigsten Börsenbarometer weltweit gemausert. Die 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex gelten als Querschnitt der deutschen Wirtschaft, ihr Abschneiden an der Börse ist Sinnbild für Wohl und Wehe an den Märkten.

Anleger und Analysten, Banker und Börsenprofis schauen genau auf die Kurse, im Fernsehen und in der Zeitung hat der Dax zwischen Politik und Sport seinen festen Platz. Am Dienstag vor 20 Jahren ging der Dax an den Start. «Wir wollten ein nach außen wirkendes Symbol haben, vergleichbar dem Dow Jones», erinnert sich der Chef des Deutschen Aktieninstituts, Rüdiger von Rosen, einer der Väter des Dax.

«Es gab nicht unerhebliche Auseinandersetzungen, weil nicht alle verstehen konnten und wollten, dass wir Frankfurter Kurse für einen deutschen Index nehmen», sagt von Rosen, der Ende der 80er Jahre Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen und Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse war.

Dax beendete Index-Wirrwarr

Offiziell startete der Dax am 1. Juli 1988 mit 1163 Punkten. Im Oktober 1993 riss er die Marke von 2000 Punkten, am 16. Juli 2007 erreichte er seinen Rekordstand von 8151,57 Punkten. Zum 20. Geburtstag gab er am Dienstagmorgen leicht auf 6404 Punkte nach.

Vor Einführung des Dax herrschte ein regelrechtes Wirrwarr: Es gab einen Index der «Börsen-Zeitung», der weit verbreitete Commerzbank-Index wurde von Konkurrenzbanken verschmäht, der FAZ-Index der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» von anderen Zeitungen gemieden. Der Dax vereinheitlichte das zersplitterte Bild.

«20 Jahre Dax ist eine absolute Erfolgsgeschichte: Der Index ist inzwischen gleichrangig mit Börsenindizes wie Dow Jones und Nikkei», sagt der Leiter des Wertpapierhandels der Privatbank Hauck & Aufhäuser, Fidel Helmer, der seit 1970 am Finanzplatz Frankfurt tätig ist. «Viele institutionelle Anleger richten sich bei ihren Entscheidungen nach dem Dax. Wer aus dem Dax rausfällt, verliert automatisch an Boden.»

30 Dax-Titel reichen

«Der Dax ist die bekannteste Marke der Deutschen Börse», sagt Hartmut Graf, Leiter der Indexabteilung des Konzerns, der selbst im Dax notiert ist. «Er basiert auf klaren Regeln, ist vollständig transparent und vollständig handelbar.» Anfangs wurde der Index zu den Handelszeiten von 11.30 bis 13.30 Uhr jede Minute neu berechnet, inzwischen im Sekundentakt von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr.

Dax-Höchststand am 13.07.2007
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Von den 30 Unternehmen, die zur Gründung vor 20 Jahren Mitglied im Dax waren, sind rund die Hälfte ausgeschieden: Namen wie Feldmühle Nobel, Nixdorf Computer, Deutsche Babcock, Kaufhof, Degussa verschwanden zum Teil ganz vom Kurszettel, in den vergangenen beiden Jahren mussten im Dax das Pharmaunternehmen Schering der Postbank Platz machen (2006) und der Pharma- und Chemiekonzern Altana dem Konkurrenten Merck (2007).

Dass wie beim Dow Jones nur 30 Unternehmen in den erlauchten Kreis der ersten deutschen Börsenliga aufgenommen werden, halten Experten für angemessen. Zwar gebe es «sicherlich noch ein Dutzend attraktive deutsche Unternehmen, die einen Platz im Dax verdient hätten», sagt Wertpapierhändler Helmer - etwa der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche oder der Kasseler Düngemittelhersteller K+S. «Aber die Beschränkung auf 30 ist durchaus sinnvoll: Sie sind ein Spiegel der deutschen Wirtschaft.»

... und M-Dax, S-Dax, Öko-Dax

Entscheidend für die Aufnahme in den Dax sind der Börsenwert (Marktkapitalisierung) und die Handelsumsätze der Papiere. Weil Porsche seit seinem Börsengang 1984 nie Quartalsberichte vorgelegte, konnte die Aktie nicht in den Dax aufsteigen. Inzwischen ist Porsche - ohne die Auflage von Vierteljahresberichten - im Dax International notiert, einem der vielen Auswahlindizes der Deutschen Börse AG.

Zur Dax-Familie gehören nach Angaben der Börse mittlerweile rund 2600 Indizes, von denen etwa 700 auf Aktien basieren. Einige davon werben im Namen mit dem Dax: Der M-Dax für mittelgroße Unternehmen, der Tec-Dax für Technologiewerte, der S-Dax für kleinere Unternehmen oder auch - im Zuge der Klimadebatte - der Öko-Dax. «Das Geschäft mit der Marke Dax ist ein extrem lukratives geworden», sagt von Rosen. Was das in Zahlen bedeutete, will die Börse nicht beziffern.

An der Entwicklung immer neuer Indizes gibt es auch Kritik: «Ich halte die vielen Spezialindizes nicht für sinnvoll», meint Wertpapierhändler Helmer. «Es besteht die Gefahr, dass die Marke Dax zerfasert.» Doch zum 20-Jährigen überwiegt das Lob, etwa bei Rüdiger von Rosen: «Der Dax ist Gradmesser für das, was sich in der deutschen Wirtschaft tut.» (Von Jörn Bender, dpa)

 
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