Heftige Turbulenzen:
Rapide steigender Ölpreis reißt Börse ins Minus
27. Jun 2008 12:25, ergänzt 12:27
 |  Obwohl Saudi-Arabien die Förderung steigern will, klettert der Ölpreis weiter | Foto: dpa |
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Kurseinbrüche in Asien, Europa und den USA: Ein neues Rekordhoch beim Ölpreis belastet die Aktienmärkte immer stärker. Vor allem Äußerungen aus der Opec und von Gazprom beeinflussten die Händler.
Neue Rekord-Ölpreise haben die Börsen am Freitag weltweit auf Talfahrt geschickt. In Asien brachen die Indizes um bis zu fünf Prozent ein: Der Shanghai Composite Index in China brach um 5,3 Prozent ein, im indischen Neu-Delhi verlor der Leitindex Sensex 4,4 Prozent. Der japanische Leitindex Nikkei schloss auf einem Zwei-Monats-Tief bei 13.544,36 Punkten mit einem Minus von 2,01 Prozent.
US-Börsen auf TalfahrtBereits am Donnerstagabend hatte der Dow Jones angesichts eines Ölpreises über 140 Dollar um 3,03 Prozent nachgegeben und bei 11.453,42 Punkten auf einem neuen Jahrestief geschlossen. Am stärksten brach der Nasdaq-Index ein, er verlor 3,33 Prozent und sank auf 2321,37 Punkte. |
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In Europa sackte der EuroStoxx 50 gegen Mittag um 1,3 Prozent ab und fiel auf den niedrigsten Stand seit November 2005. Auch in Deutschland lief der Handel mit negativen Vorzeichen: Der Dax gab 0,84 Prozent auf 6406 Zähler ab - nach einem Verlaufstief von 6348 Punkten. Der M-Dax verlor 1,34 Prozent auf 9041 Zähler. Der Tec-Dax büßte 2,04 Prozent auf 767 Punkte ein.
Anstieg auf bis zu 170 Dollar prognostiziert
Der Preis für ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im August stieg weiter auf einen neuen Höchststand von 141,71 Dollar. Am Vorabend hatte der WTI-Preis erstmals die Marke von 140 Dollar überschritten. Rohöl der Nordseesorte Brent kostete am Freitag in der Spitze 141,98 Dollar, ebenfalls ein neuer Rekordstand.
Hintergrund waren Spekulationen über einen weiteren kräftigen Preisanstieg in den kommenden Wochen. Der Präsident der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), Chakib Khelil, hatte in einem französischen TV-Interview seine Einschätzung abgegeben, er halte einen Ölpreisanstieg auf 150 bis 170 Dollar noch in diesem Sommer für möglich. Ende des Jahres könnten die Preise dann wieder etwas sinken. Einen Anstieg auf 200 Dollar halte er für unwahrscheinlich.
Für weitere Unsicherheit sorgte der Chef der staatlichen Ölgesellschaft Libyens. Schokri Ghanem schloss nach Medienberichten eine Produktionskürzung nicht aus, da der Markt hinreichend versorgt sei. Rohstoffanalysten verweisen außerdem auf einen Streik der Angestellten bei Chevron in Nigeria, der am Donnerstag in den dritten Tag ging, aber bislang noch nicht zu Produktionsausfällen geführt habe.
Kostet das Barrel bald 250 Dollar?
Ein noch düsteres Bild zeichnete der Chef des russischen Energiegiganten Gazprom, Alexej Miller, in der «Financial Times». Er sagte Ölpreise von 250 Dollar pro Barrel für das kommende Jahr voraus. Die Preis für Öl und Gas würden auf ein «völlig neues Niveau» steigen, sagte Miller. Seiner Meinung nach hat die Opec zudem ihren Einfluss auf den Ölpreis verloren: «In der letzten Zeit wurde keine einzige Entscheidung (bei der Opec) getroffen, die den weltweiten Ölmarkt wirklich beeinflusst hätte.» (dpa/AP/nz)