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Handelsschluss in Frankfurt: 

Deutsche Indizes schließen im Plus

22. Mai 2008 11:36, ergänzt 19:43
Gerüchte über ein Dreierbündnis um die Postbank und sinkende Rohölpreis haben den deutschen Aktienmarkt geprägt. Am Ende stand ein Plus vor der Index-Entwicklung und vor den Titeln der beteiligten Unternehmen.

Neu aufgeflammte Spekulationen um eine Dreier-Allianz im deutschen Finanzsektor und der nachgebender Ölpreis hat am Donnerstag das Marktgeschehen in Deutschland geprägt

Der Leitindex Dax ging mit einem Aufschlag von 0,42 Prozent auf 7070,33 Punkte aus dem Handel, nachdem er den Tag über lange Zeit Verluste verbucht hatte. Auch die anderen wichtigen Indizes schlossen im Plus. Der M-Dax rückte um 0,93 Prozent auf 9789,73 Punkte vor, und der Tec-Dax legte um 0,84 Prozent auf 874,06 Zähler zu.

Händlern zufolge war der Dax am Nachmittag der freundlichen Entwicklung an der Wall Street gefolgt und hatte ins Plus gedreht. Die Börsianer verwiesen als Antrieb auf den wieder etwas gesunkenen Ölpreis. So war Rohöl der Sorte WTI im späten Handel auf ein Tagestief von 131,52 US-Dollar je Barrel gefallen.

Bericht über Dreier-Bündnis um Post-, Commerz- und Dresdner Bank

Zudem habe ein Pressebericht über ein gemeinsames Gebot von Allianz und Commerzbank für die Postbank positive Impulse geliefert, sagte Marktanalyst Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse. Ansonsten sei der Handel feiertagsbedingt ruhig gewesen, hieß es.

Die Allianz und die Commerzbank haben nach Informationen des «manager-magazins» ein Angebot für die Postbank im Volumen von rund zehn Milliarden Euro abgegeben. Dies will das Magazin aus Kreisen der beteiligten Unternehmen erfahren haben.

Ein Bündnis der drei Kreditinstitute wäre laut Analyst Christian Hamann von der Hamburger Sparkasse für den Versicherungskonzern positiv, da sich die Allianz dann nur mit einem geringen Anteil an einem Bankenverbund beteiligen müsste. Für die Commerzbank wäre ein Zusammengehen mit der Postbank ebenfalls sinnvoll, da sie dadurch an dem Branchenprimus Deutsche Bank vorbeiziehen würde.

Positive Impulse für alle drei Werte

Aktien der Deutsche Post-Tochter rückten um 1,24 Prozent auf 60,63 Euro vor, und Commerzbank-Titel schossen um 2,40 Prozent auf 22,23 Euro hoch. Aktien der Allianz verringerten ihre Verluste und gaben zuletzt nur noch 3,53 Prozent oder 4,39 Euro auf 119,98 Euro ab. Sie wurden darüber hinaus ex Dividende gehandelt und standen deshalb nur optisch im Minus, da der Versicherungskonzern 5,50 Euro an seine Aktionäre ausschüttet.

Deutsche Post-Titel gewannen im Zug um die Gerüchte um die Bank-Tochter 0,89 Prozent auf 21,65 Euro, wohingegen Deutsche Bank-Aktien um 0,40 Prozent auf 73,89 Euro sanken. Schlusslicht im Dax waren die Deutsche Börse-Papiere, die 3,61 Prozent auf 95,80 Euro verloren. Der Börsenbetreiber schüttet 2,10 Euro an seine Aktionäre aus.

VW-Aktien im Abwind

Titel von Volkswagen (VW) verloren wegen negativer Nachrichten zum VW-Gesetz sowie einer kritischen Studie 0,98 Prozent auf 185,35 Euro. Die Bundesregierung hat sich Kreisen zufolge über die Neufassung des Gesetzes geeinigt und will an den Sonderrechten des Landes Niedersachsen festhalten.

Das Bundesland soll sein umstrittenes Veto-Recht behalten, hieß es aus den Regierungskreisen. Sie bestätigten damit Informationen der «Bild»-Zeitung. «Sollte es so kommen, ist das sehr negativ sowohl für VW als auch für Porsche », sagte ein Händler. Die Aktie des VW-Großaktionärs verlor 0,42 Prozent auf 121,49 Euro.

VW wurden laut Händlern zudem durch eine Abstufung von Morgan Stanley belastet. Die Analysten hatten ihre Einschätzung von «Overweight» auf «Underweight» und das Kursziel von 165 auf 141 Euro gesenkt. Sie rieten Anlegern, in BMW zu wechseln. Die Aktie des Münchner Autobauers stuften sie von «Underweight» auf «Overweight» hoch - die Titel gewannen 3,11 Prozent an Wert auf 35,83 Euro.

Empfehlung für Wincor Nixdorf

Im M-Dax setzten sich Gildemeister-Aktien mit plus 13,06 Prozent auf 23,38 Euro an die Indexspitze. Händler verwiesen als Antrieb auf eine Empfehlung in dem Anlegermagazin «Focus-Money». Zudem hielten sich Gerüchte, wonach der Investor Warren Buffett nach seinem Besuch in Frankfurt Anfang der Woche an dem Werkzeugmaschinenbauer interessiert sein könnte.

Papiere von Wincor Nixdorf verteuerten sich als zweitbester Wert um 7,68 Prozent auf 53,30 Euro. Goldman Sachs hatte die Papiere des Geldautomaten- und Kassensystemherstellers von «Neutral» auf «Buy» hochgestuft und die Titel zugleich auf die «Conviction Buy List» gesetzt. Die aktuelle Bewertung der Aktie spiegele nicht die starke Marktposition von Wincor Nixdorf wider, schrieb Analyst Rudolf Dreyer in einer aktuellen Studie. Das Kursziel betrage weiterhin 62 Euro

IKB-Titel legen deutlich zu

Papiere der IKB gewannen indes im SDAX 2,74 Prozent auf 3,75 Euro. Beim Verkauf der angeschlagenen Mittelstandsbank steht laut einem Pressebericht eine Vorentscheidung an. Die Staatsbank KfW könnte sich bereits nächste Woche auf einen Interessenten festlegen, mit dem weiter verhandelt werden soll, meldete die Zeitung «Die Welt» unter Berufung auf Finanzkreise. Eingeweihte nannten der Zeitung die Finanzinvestoren Ripplewood und Lone Star sowie die schwedische Bank SEB.

Hartnäckig hielten sich auch Gerüchte, dass auch die Privatbank Sal. Oppenheim noch mitbiete, was im Umfeld des Instituts allerdings bestritten werde. Darüber hinaus soll sich die BayernLB eine Option gesichert haben, in das Bieterverfahren zurückzukehren. «Wer dann wirklich den Zuschlag erhält, ist schwer einzuschätzen», kommentierte ein Händler. Von einem weiteren Börsianer hieß es, «der Bericht klingt plausibel». Wenn man bedenke, mit wie viel Steuergeldern das Unternehmen unterstützt worden sei, wundere es ihn nicht, dass die Interessanten nun Schlange stünden. (dpa-afx)

 
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