09. Mai 2008 17:05, ergänzt 22:48
Nach enttäuschenden Nachrichten aus der Finanzbranche sind die US-Börsen am Freitag mit Verlusten ins Wochenende gegangen. Zudem belasteten neue Höchststände bei den Ölpreisen.
Der Dow Jones ging mit einem Minus von 0,94 Prozent auf 12.745,88 Zählern aus dem Handel. Im Vergleich zur Vorwoche hat der US-Leitindex damit 2,39 Prozent verloren. Der marktbreite S&P-500-Index gab 0,67 Prozent auf 1.388,28 Punkte ab. An der Technologiebörse Nasdaq fiel der Composite-Index um 0,23 Prozent auf 2.445,52 Punkte. Der Nasdaq 100 rutschte um 0,33 Prozent auf 1.960,29 Punkte ab. Für negative Schlagzeilen sorgte vor allem der weltgrößte Versicherer American International Group (AIG) . Nach erneuten Abschreibungen und Investmentverlusten von zusammen über 15 Milliarden Dollar bei Kreditpapieren verbuchte AIG im ersten Quartal unter dem Strich ein unerwartet großes Minus von 7,81 Milliarden US-Dollar - der höchste Quartalsverlust in der fast 90-jährigen Geschichte. Nun will sich der US-Versicherer eine dringend benötigte Finanzspritze von 12,5 Milliarden Dollar verschaffen. Titel von AIG verloren 8,77 Prozent auf 40,28 Dollar und waren damit das klare Schlusslicht im Dow Jones-Index. Analyst Thomas Cholnoky von Goldman Sachs zufolge dürfte das neue Kapital die zukünftigen Gewinne verwässern - falls es der Versicherer nicht schaffe, seine Wachstumsmöglichkeiten zu nutzen.
Citigroup-Titel verloren 2,76 Prozent auf 23,63 US-Dollar, nachdem es für die Aktien in den ersten Handelsminuten noch bis auf 24,65 Dollar nach oben gegangen war. Börsianern zufolge zeigten sich die Anleger zunächst erfreut, dass die größte US-Bank Unternehmensteile im Wert von rund 400 Milliarden Dollar abstoßen will. Dies entspricht etwa einem Fünftel des heutigen Konzerns. Die heftige Zwangsdiät bedeutet einen teilweisen Kurswechsel des erst seit fünf Monaten amtierenden Konzernchefs Vikram Pandit gegenüber seinen Vorgängern. Durch zahlreiche Fusionen und Übernahmen wuchs die Citigroup über Jahre hinweg zum riesigen, fast überall tätigen Finanzsupermarkt. Im Handelsverlauf gerieten die Titel jedoch wieder unter Druck. Analysten wie Christopher Whalen von Institutional Risk Analytics bezweifelten, dass die Citigroup ihre Unternehmensteile problemlos verkaufen kann. Im Sog der negativen Stimmung verbilligten sich auch die Titel der Bank of America um 1,82 Prozent auf 36,65 Dollar.
Unterdesssen will General Motors (GM) mit einer millionenschweren Finanzspritze den wochenlangen Streik beim Automobilzulieferer American Axle beenden. Der Autobauer wolle bis zu 200 Millionen US-Dollar für Gehaltszulagen, Abfindungen und Frühverrentungsprogramme bei American Axle zahlen, kündigte der Konzern am Donnerstagabend an. GM-Aktien verloren 4,07 Prozent auf 20,29 Dollar. Titel von Mylan sackten gar um 8,35 Prozent auf 11,42 Dollar ab. Der Generikahersteller hatte seine Gewinnprognose gekappt.
Aktien von Circuit City gewannen hingegen 5,85 Prozent auf 5,07 US-Dollar. Die zweitgrößte Elektronikkette der USA öffnet seine Bücher für eine mögliche Übernahme durch den US-Videoverleiher Blockbuster . Dessen Titel gaben um 0,75 Prozent auf 2,66 Dollar nach.
Unter den Technologiewerten schossen die Papiere von Activision um 14,22 Prozent auf 31,64 Dollar in die Höhe und waren damit der Spitzenreiter im Nasdaq 100-Index. Der Herausgeber von Videospielen hatte mit seinen Gewinn- und Umsatzzahlen für das abgelaufene Jahr die durchschnittlichen Markterwartungen übertroffen.
Aktien von Research In Motion (RIM) schließlich legten nach positiven Analystenkommentaren gegen den negativen Markttrend um 1,21 Prozent auf 132,77 Dollar zu. Die Experten von JPMorgan etwa lobten, dass die RIM-Kunden schneller auf neue Versionen der BlackBerry-Geräte umrüsten als zuvor gedacht. (dpa-afx)