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Lebensmittelhandel: 

Aldi senkt Milchpreis drastisch

18. Apr 2008 17:33
Die Futterkosten für Kühe stiegen 2007 extrem
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Aldi Nord nutzt das derzeitige Überangebot an Milch, um den Druck auf die Bauern zu erhöhen. Die Milchviehhalter wollen sich das nicht bieten lassen - am Ende könnte es zum Lieferboykott kommen.

Im deutschen Lebensmittelhandel zeichnet sich trotz der Bauernproteste ein Preisrutsch bei Milch ab. Der Discounter Aldi Nord senkt den Milchpreis von Montag an um bis zu zehn Cent je Liter. Entsprechende Informationen der «Lebensmittel Zeitung» bestätigte das Essener Unternehmen. Zu der Milchpreis-Gestaltung beim Schwesterunternehmen Aldi Süd machte der Essener Discounter keine Angaben.

Aldi gilt als Vorreiter für die Preise bei Milchprodukten im deutschen Lebensmittelhandel. In der Vergangenheit waren andere Handelsketten Aldi bei Preisveränderungen gefolgt. In Branchenkreisen verlautete darüber hinaus, dass es bereits vor Aldi einen Abschluss zwischen einer großen deutschen Molkerei und einer Handelskette gegeben habe, der ebenfalls einen zweistelligen prozentualen Preisabschlag bei Milch vorsehe.

Stärkere Schwankungen

«Der Markt ist voll mit Milch», sagte der Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW, Reinhard Pauw, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Das nutzten die Lebensmittelketten gegenwärtig aus. Nach seiner Einschätzung wird die nun zu erwartende Preissenkung im Handel den größten Teil des Preisanstiegs aus der zweiten Jahreshälfte 2007 wieder zurücknehmen.

Einzelhandelsunternehmen verhandeln regelmäßig über Einkaufspreise für Milch. Sie stiegen 2007, was auch an Verbraucher weitergegeben wurde. Die Bundesbürger mussten vergangenen Sommer um bis zu 50 Prozent mehr für Butter zahlen. Inzwischen kostet ein Päckchen nach Angaben des Bauernverbands wieder soviel wie damals. Auch Milch und andere Milchprodukte sind nach einer Verteuerung teils günstiger.

«Die Verbraucher müssen sich auf stärker schwankende Preise einstellen», betonte Experte Pauw. Die EU habe die Milchquoten, die eine Obergrenze in der Produktion darstellten, aufgestockt. Damit sei das Angebot gewachsen. Hinzu komme, dass der Export in andere Länder durch den starken Euro erschwert werde. «Europa ist durch das Wechselkursverhältnis derzeit nicht konkurrenzfähig.»

Milchbauern drohen mit Streik

Ein weiterer Faktor ist nach Ansicht von Pauw ein Überangebot aus Frankreich, das die deutsche Milch auf dem italienischen Markt verdrängt habe. Die Weltmarktnachfrage, die im vergangenen Jahr zu dem Preisanstieg geführt hatte, werde mittel- bis langfristig aber wieder steigen. Im Herbst 2008 sei wieder mit einer höheren Nachfrage und somit auch mit tendenziell steigenden Milchpreisen zu rechnen.

Die deutschen Milchbauern sind zunhmend wütend über das Ansinnen des Einzelhandels, den Preis zu drücken. Die im Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) organisierten Bauern plädieren für einen Lieferboykott als letztes Mittel, falls auf dem Verhandlungsweg kein kostendeckender Milchpreis zu erzielen sein sollte, wie die «Frankfurter Rundschau» berichtet. Nach eigener Darstellung repräsentieren die im BDM organisierten Bauern rund die Hälfte der produzierten Milchmenge.

Wann und ob der Streik kommt, ist derzeit ungewiss. Das hänge vom Ergebnis der laufenden Verhandlungen zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel ab, sagte BDM-Chef Romuald Schaber der «FR». Nach einem Einkaufspreis von 37 Cent pro Liter im Durchschnitt 2007 fordern die Milchbauern für dieses Jahr mindestens 43 Cent. Der Verband der privaten Milchwirtschaft erwartet wegen derzeitiger Überproduktion einen Preis von 35 bis 37 Cent.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner hatte den Einzelhandel erst am Donnerstag anlässlich einer Protestaktion vor dem Brandenburger Tor in Berlin vor Preissenkungen gewarnt. «Wenn die Milchbauern ökonomisch nicht überleben, wird der Verbraucher zeitversetzt explodierende Preise für Nahrungsmittel bekommen», sagte er. Die Milchbauern seien in höchster Sorge. Futtermittel koste 70 Prozent mehr als im Vorjahr. (nz/dpa)

 
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