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Wachstumsprognose der OECD: 

Deutsche Konjunktur trotzt US-Finanzkrise

20. Mrz 2008 22:00
Schwerer betroffen als gedacht
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Die OECD hat einen Stillstand der US-Konjunktur vorausgesagt, für Deutschland wurde die Prognose dagegen leicht erhöht. Für Unruhe sorgt die Schweizer Crédit Suisse.

Trotz neuer negativer Nachrichten hat sich die Lage an den internationalen Märkten am Donnerstag merklich entspannt. Gold, Rohöl und Euro entfernten sich noch weiter von ihren Rekordständen von Wochenbeginn. Erneut schlechte Aussichten zur US- Konjunktur trübten die Stimmung ebenso wenig wie die schwere Schieflage eines weiteren amerikanischen Immobilienfinanzierers.

Zudem kam heraus, dass die Schweizer Großbank Crédit Suisse merklich schwerer von der US-Hypothekenkrise betroffen ist - bisherige optimistischere Prognosen gingen darauf zurück, dass Mitarbeiter die Bewertung von Anleihepapieren manipuliert hatten. Führende britische Banker wollten mehr staatliche Unterstützung einfordern.

Gold kostete am Donnerstag nur noch 913 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) nach dem Höchstpreis von 1032,50 Dollar vom Montag. Der US- Ölpreis sank zeitweise unter die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter), der Euro notierte mit knapp über 1,54 Dollar deutlich unter dem Rekordhoch von fast 1,60 Dollar. Die US-Börsen lagen im frühen Handel um etwa ein Prozent im Plus, während es beim DAX leichte Verluste gab.

Stillstand der US-Wirtschaft

Neuer Erkenntnisse gab es zu den Belastungen der Hypotheken- und Finanzmarktkrise für die US-Konjunktur. Nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) droht der US-Wirtschaft der Stillstand. Im ersten Quartal rechnet sie lediglich mit einem Wachstum von 0,1 Prozent im Quartalsvergleich. Im zweiten Quartal sei sogar mit einem Nullwachstum - also einer Stagnation - zu rechnen, erklärte die Organisation am Donnerstag in Paris in ihrem Zwischenbericht.

In der Eurozone werde die Wirtschaft im ersten und zweiten Quartal nur 0,5 und 0,4 Prozent zulegen. Im Dezember war die OECD noch von 1,8 und 1,9 Prozent Wachstum ausgegangen. «In der Eurozone wird das Wachstum langsamer gebremst als in den USA», schreiben die Experten. Und obwohl die Exportwirtschaft den Euro-Höhenflug bislang gut verkrafte, werde das Wachstum noch eine ganze Weile unter seinem Potenzial bleiben. Für die USA hatte die OECD im Dezember noch ein Wachstum von 1,1 und 1,5 Prozent für die beiden ersten Quartale 2008 berechnet. Nun komme die Konjunktur nach einem Wachstum von 0,1 Prozent zum Jahresbeginn im zweiten Quartal zum Stillstand. «Es könnte zu früh sein, von einer Rezession zu sprechen, aber die Wirtschaftsflaute breitet sich schnell aus.»

Gleichzeitig erhöhte die OECD ihre Wachstumsprognose für Deutschland leicht: Die deutsche Wirtschaft werde im ersten Quartal 2008 voraussichtlich um 0,6 Prozent im Vorquartalsvergleich wachsen, das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im Dezember vorhergesagt.

Das US-Konjunkturbarometer fiel im Februar zum fünften Mal in Folge. Der Index, der auf zehn wichtigen US-Wirtschaftsdaten beruht, sank um 0,3 Prozent, wie das Conference Board, ein Institut der Privatwirtschaft, mitteilte. Vor allem ein schwächerer Arbeitsmarkt und Bausektor sowie die Erwartungen der Verbraucher drückten das Barometer nach unten. Der Index gibt Aufschluss über die US- Wirtschaftsentwicklung über die nächsten drei bis sechs Monaten.

Von Pleite bedroht

Mit dem US-Kreditfinanzierer Thornburg Mortgage ist ein weiteres Unternehmen der Branche von der Pleite bedroht. Das Unternehmen muss sich kurzfristig eine Kapitalspritze von fast einer Milliarde Dollar beschaffen, sonst droht wegen Bankschulden die Insolvenz. Das frische Geld soll bis nächste Woche über Wandelanleihen besorgt werden. Wegen der sinkenden Häuserpreise, Kreditausfällen und Zwangsversteigerungen kämpfen Hypothekenfinanzierer derzeit mit riesigen Abschreibungen.

Die Crédit Suisse muss infolge der US-Hypothekenkrise 2,86 Milliarden Franken (rund 1,8 Mrd Euro) abschreiben, im ersten Quartal wird es einen Verlust statt des angekündigten Gewinns geben. Auch die Bilanz 2007 musste korrigiert werden. Wegen absichtlicher Fehlbewertungen bei mit Immobilienkrediten besicherten Anleihepapieren sei eine Reihe von Mitarbeitern entlassen worden. In Deutschland musste die schwer angeschlagene Mittelstandsbank IKB weitere Abschreibungen und einen höheren Verlust bekanntgeben. Die IKB muss weitere rund 590 Millionen Euro auf Wertpapiere abschreiben, der Verkauf eines risikoreichen milliardenschweren Wertpapierpakets wurde angesichts eine schlechten Marktlage auf Eis gelegt. Der Verlust in dem Ende März ablaufenden Geschäftsjahr soll nun bei 800 Millionen Euro statt der zuletzt erwarteten 550 Millionen liegen.

In London wollten sich laut einem BBC-Bericht indes führende Banker bei einem Treffen mit dem Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, für mehr staatliche Unterstützung einsetzen. Dabei gehe es neben Möglichkeiten zur stärkeren Absicherung von Krediten auch um Maßnahmen gegen die Verbreitung geschäftsschädigender Gerüchte im Finanzsektor. Das Treffen wurde vereinbart, nachdem die staatliche britische Finanzaufsicht FSA am Mittwoch eine Untersuchung wegen der Verbreitung von falschen Angaben über angebliche Liquiditätsprobleme bei Großbritanniens größter Hypothekenbank HBOS eingeleitet hatte. HBOS-Aktien waren infolge der Gerüchte um bis zu 17 Prozent gefallen. (dpa)

 
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