Tarifstreit bei der Bahn:
GDBA und Transnet wollen selbst verhandeln
05. Mrz 2008 19:35
 |  Bald stehen die ICEs wahrscheinlich wieder still | Foto: AP |
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Den anderen Gewerkschaften wird es langsam zu bunt: Den Vorrang der Lokführer in den Verhandlungen akzeptieren ihre Vorsitzenden nicht länger.
Die Streikankündigung der GDL hat alte Gräben zwischen den Bahngewerkschaften wieder aufgerissen. Mit der Ankündigung der Konkurrenzorganisationen Transnet und GDBA, nun selbst wieder für die Lokführer verhandeln zu wollen, ist der Konflikt noch unübersichtlicher geworden. Für die Bahnkunden wird es damit nicht besser: Sie müssen weiter für Montag mit einem bundesweiten Streik bei der Bahn rechnen.
Nach der Streikdrohung der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) schrieben die Vorsitzenden von Transnet und GDBA, Norbert Hansen und Klaus-Dieter Hommel, an Bahnchef Hartmut Mehdorn, sie akzeptierten den Vorrang der GDL für lokführerspezifische Themen nicht mehr und wollten nun selbst wieder verhandeln. Ein konkretes Tarifangebot erwarteten sie für den 12. März. In den beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA sind 5000 Lokführer organisiert. «Die erwarten nun endlich eine Lösung des Tarifkonflikts», sagte Transnet-Sprecher Michael Klein. Mitglied der GDL sind etwa 15.000 Lokführer.
Bahn will mit allen drei Gewerkschaften reden
Die Weigerung der GDL, einen «Grundlagenvertrag» mit der Bahn abzuschließen, werteten Hansen und Hommel als mangelnde Bereitschaft, «auf Basis des Moderationsergebnisses vom 27. 8. 2007 ihren Lokführertarifvertrag konflikt- und widerspruchsfrei in das Tarifgefüge des Bahnkonzerns zu integrieren». Sie seien nicht mehr bereit, «eine Tarifbindung des GDL-Tarifvertrages für unsere Mitglieder hinzunehmen», schrieben sie an Mehdorn. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale erklärte am Abend jedoch, die Bahn wolle sich «mit allen drei Gewerkschaften gemeinsam verständigen, denn nur so können wir ein gegenseitiges Hochschaukeln der Gewerkschaften vermeiden».
Streik am Montag steht «bombenfest»
Schell sagte «sueddeutsche.de»: «Für uns steht das bombenfest, dass wir Montag beginnen.» Das Gebaren der Bahn könne die GDL nicht tolerieren. «Man hat einen fertigen Tarifvertrag und macht seine Unterschrift davon abhängig, dass zwei Zusatzverträge geschlossen werden.» Die Basis ziehe «hundertprozentig» mit. Einem Bericht der «Bild»-Zeitung zufolge wächst dort jedoch der Widerstand gegen den Streik. Viele Lokführer seien unzufrieden, weil die sicher geglaubte Gehaltserhöhung von insgesamt elf Prozent wieder auf der Kippe stehe. Unwahrscheinlich sei zudem, dass sich die Zugbegleiter, für die der Tarifvertrag nicht gilt, an dem neuen Ausstand beteiligten.
Geißler hält Streik für berechtigt
Dem Nachrichtensender N24 sagte Schell, der Grundlagentarifvertrag verstoße gegen Geist und Inhalt des Moderationsergebnisses. Damit hatten die CDU-Politiker Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf im Sommer zwischen GDL und Bahn vermittelt und die Forderung nach einem eigenständigen Vertrag zwar bejaht, aber zugleich dessen «widerspruchs- und konfliktfreie» Einordnung ins Tarifwerk der Bahn AG gefordert. Geißler sagte der «tageszeitung», er halte den Bahnstreik für berechtigt, denn das Ziel der Widerspruchs- und Konfliktfreiheit könne nicht erzwungen werden. Er regte ein Schiedsverfahren statt des Grundlagenvertrags an. (AP)