Studie zum Wirtschaftswachstum:
Aufschwung weitgehend verpufft
04.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Angesichts der einseitigen Einkommensentwicklung gebe es nur geringe Chancen für einen Schub beim Konsum, der nach den Analysen vieler Forscher die Konjunktur in diesem Jahr antreiben muss, um einen Abschwung zu verhindern. «Eine stärkere Lohnentwicklung, die gesamtwirtschaftlich den Verteilungsspielraum von rund 3,5 Prozent ausschöpft, würde Konsum und Wirtschaftsentwicklung voranbringen», sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Professor Gustav Horn.
Die wirtschaftliche Erholung sei im jüngsten Aufschwung fast ausschließlich vom Export getrieben, der preisbereinigt um 31 Prozent zunahm. Die Binnennachfrage, besonders jedoch der private Verbrauch seien unter dem für eine Boomphase üblichen Niveau geblieben. In diesem Aufschwung stagnierte der Privatkonsum mit einem realen Plus von einem Prozent. Im Aufschwung der Jahrtausendwende war er real noch um gut sieben Prozent gewachsen.
Noch deutlicher als die Löhne seien die realen Transfers, darunter Renten, an die privaten Haushalte gesunken: um fast sechs Prozent. Im vorigen Aufschwung waren die Leistungen noch um knapp vier Prozent gestiegen. Den Rückgang erklären die Ökonomen mit «Nullrunden bei den nominalen Renten, stagnierenden nominalen Leistungen bei Kindergeld, Bafög und anderen staatlichen Leistungen.»
Die schwache Einkommensentwicklung sei nicht mit einem besonders starken Beschäftigungszuwachs einhergegangen, so die IMK-Analyse. Die Beschäftigung habe sich in diesem Aufschwung mit einer Zunahme von zwei Prozent nicht außergewöhnlich stark entwickelt. Die Zahl der Arbeitslosen sei zwar um gut 700 000 gesunken. Dies erkläre sich jedoch wesentlich damit, dass geburtenstarke Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden.
Vor diesem Hintergrund attestierten die Forscher den Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre unter dem Aspekt der Beschäftigungsentwicklung «allenfalls leicht positive Effekte».
Deutlich vergrößerten sich die untersten Schichten: Menschen mit einem Einkommen von weniger als 70 Prozent des Durchschnitts stellten 2006 über ein Viertel der Bevölkerung; ihr Anteil stieg seit 2000 um knapp sieben Prozentpunkte. Grund war laut der DIW-Studie vor allem die starke Zunahme von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern. Die Angehörigen der schrumpfenden Mittelschicht schafften teilweise einen sozialen Aufstieg, doch überwog der Abwärtstrend. Etwa 14 Prozent der Mittelschicht des Jahres 2002 war vier Jahre später von Armut gefährdet. Das waren drei Prozentpunkte mehr als noch zwischen 1996 und 2000. (dpa, AP)

