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Studie zum Wirtschaftswachstum: 

Aufschwung weitgehend verpufft

04. Mrz 2008 14:57
Arbeit ist für viele Menschen immer weniger wert
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Jetzt ist es amtlich: Nur wenige deutsche Arbeitnehmer haben den wirtschaftlichen Aufschwung in ihren Portemonnaies bemerkt. Im Gegenteil: In den vergangenen drei Jahren sind die Löhne stetig gesunken.

Der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen drei Jahre ist an den deutschen Arbeitnehmern weitgehend vorbeigegangen. Die realen Nettolöhne seien in diesem Zeitraum sogar um 3,5 Prozent gesunken. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Vom derzeitigen Aufschwung hätten in Deutschland viel weniger Menschen profitiert als während des Boom-Zeitraums von 1998 bis Anfang 2001. Damals seien die realen Nettolöhne um vier Prozent gestiegen.

Der Zuwachs an Wirtschaftsleistung sei ganz überwiegend in Unternehmensgewinne und Vermögen geflossen. Auch die staatlichen Transfers an die privaten Haushalte seien real deutlich zurückgegangen. Der Beschäftigungszuwachs sei nur unwesentlich mehr Arbeitslosen zu Gute gekommen als beim Aufschwung um die Jahrtausendwende, stellten die Wirtschaftsforscher fest.

Angesichts der einseitigen Einkommensentwicklung gebe es nur geringe Chancen für einen Schub beim Konsum, der nach den Analysen vieler Forscher die Konjunktur in diesem Jahr antreiben muss, um einen Abschwung zu verhindern. «Eine stärkere Lohnentwicklung, die gesamtwirtschaftlich den Verteilungsspielraum von rund 3,5 Prozent ausschöpft, würde Konsum und Wirtschaftsentwicklung voranbringen», sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Professor Gustav Horn.

Die wirtschaftliche Erholung sei im jüngsten Aufschwung fast ausschließlich vom Export getrieben, der preisbereinigt um 31 Prozent zunahm. Die Binnennachfrage, besonders jedoch der private Verbrauch seien unter dem für eine Boomphase üblichen Niveau geblieben. In diesem Aufschwung stagnierte der Privatkonsum mit einem realen Plus von einem Prozent. Im Aufschwung der Jahrtausendwende war er real noch um gut sieben Prozent gewachsen.

Noch deutlicher als die Löhne seien die realen Transfers, darunter Renten, an die privaten Haushalte gesunken: um fast sechs Prozent. Im vorigen Aufschwung waren die Leistungen noch um knapp vier Prozent gestiegen. Den Rückgang erklären die Ökonomen mit «Nullrunden bei den nominalen Renten, stagnierenden nominalen Leistungen bei Kindergeld, Bafög und anderen staatlichen Leistungen.»

Geburtenstarke Jahrgänge fallen aus der Statistik

Die Einnahmen von Unternehmern, vielen Selbstständigen, Aktienbesitzern und anderen Kapitaleignern seien dagegen deutlich angestiegen, ermittelten die Forscher: Die nominalen Bruttogewinne der Unternehmen seien in diesem Aufschwung um 25 Prozent gewachsen - nach fünf Prozent im vorigen Zyklus. Der Anteil der Bruttogewinne am Volkseinkommen stieg von 32 auf knapp 36 Prozent.

Die schwache Einkommensentwicklung sei nicht mit einem besonders starken Beschäftigungszuwachs einhergegangen, so die IMK-Analyse. Die Beschäftigung habe sich in diesem Aufschwung mit einer Zunahme von zwei Prozent nicht außergewöhnlich stark entwickelt. Die Zahl der Arbeitslosen sei zwar um gut 700 000 gesunken. Dies erkläre sich jedoch wesentlich damit, dass geburtenstarke Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Vor diesem Hintergrund attestierten die Forscher den Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre unter dem Aspekt der Beschäftigungsentwicklung «allenfalls leicht positive Effekte».

Mittelschicht dramatisch geschrumpft

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zudem zu dem Schluss, dass zwischen 2000 und 2006 die Zahl der zur Mittelschicht gehörden Menschen von 49 auf 44 Millionen gesunken ist. Die DIW-Forscher definieren als Mittelschicht Menschen, die über 70 bis 150 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügen. Während ihr Anteil schrumpfte, wuchs die Zahl der Einkommensbezieher am oberen und unteren Rand.

Deutlich vergrößerten sich die untersten Schichten: Menschen mit einem Einkommen von weniger als 70 Prozent des Durchschnitts stellten 2006 über ein Viertel der Bevölkerung; ihr Anteil stieg seit 2000 um knapp sieben Prozentpunkte. Grund war laut der DIW-Studie vor allem die starke Zunahme von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern. Die Angehörigen der schrumpfenden Mittelschicht schafften teilweise einen sozialen Aufstieg, doch überwog der Abwärtstrend. Etwa 14 Prozent der Mittelschicht des Jahres 2002 war vier Jahre später von Armut gefährdet. Das waren drei Prozentpunkte mehr als noch zwischen 1996 und 2000. (dpa, AP)

 
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